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Steinmeier und Kirchen teilen Sorge über Antisemitismus

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres "70 Jahre Staatsgründung Israel" beklagt der Bundespräsident, dass der Antisemitismus in Deutschland noch immer nicht überwunden sei.
Auftakt des Jubiläumsjahres "70 Jahre Staatsgründung Israel"
Foto: Maurizio Gambarini (dpa) | Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier entzündet in Berlin in der Botschaft Israels zum Auftakt des Jubiläumsjahres 2018 "70 Jahre Staatsgründung Israel" die Kerzen auf dem Chanukka-Leuchter.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die beiden großen Kirchen zeigen sich beunruhigt wegen des Antisemitismus in Deutschland. Steinmeier sagte am Freitag zum Auftakt des Jubiläumsjahres „70 Jahre Staatsgründung Israel“ in Berlin, der Antisemitismus sei nicht überwunden. „Er zeigt sein böses Gesicht in vielfältigem Gewand.“ Dass in dieser Woche auf deutschen Plätzen israelische Fahnen gebrannt hätten, „erschreckt mich und beschämt mich“, so Steinmeier.

Der Bundespräsident berichtete, er habe am Vortag mit seinem israelischen Amtskollegen Reuven Rivlin telefoniert und dabei die Frage aufgeworfen, ob die einseitige Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ein sinnvoller Schritt gewesen sei. Das rechtfertige aber „keinen Hass gegen Israel und keine Herabwürdigung unserer jüdischen Bürger auf Deutschlands Straßen und Plätzen“.
Die Verantwortung Deutschlands vor seiner Geschichte „kennt keine Schlussstriche für Nachgeborene und keine Ausnahmen für Zuwanderer“, betonte Steinmeier. „Sie ist nicht verhandelbar - für alle, die in Deutschland leben und hier leben wollen.“ Der Bundespräsident wörtlich: „Nur wenn Juden in Deutschland vollkommen zu Hause sind, ist diese Bundesrepublik vollkommen bei sich.“

Die evangelische Bischöfin Petra Bosse-Huber sagte in Berlin, es komme in jüngster Zeit vor allem in Schulklassen mit gemischter ethnischer Zusammensetzung vermehrt zu Übergriffen auf jüdische Schüler. Sie bezweifle, ob Gesetze allein dagegen etwas ausrichten könnten. Vielmehr sei die gesamte Zivilgesellschaft aufgerufen, gegen Antisemitismus einzutreten. Der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick betonte, die Kirchen seien kategorisch gegen Antisemitismus. Dieser sei auch nicht mit außenpolitischen Fehlern anderer Staaten zu rechtfertigen.

DT/KNA
 

 

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