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Sri-lankischer Bischof: Land in allgemeinem Alarmzustand

Der katholische Bischof Mendis aus dem sri-lankischen Bistum Chilaw kann die blutige Gewalt nicht verstehen. Das interreligiöse Zusammenleben sei stets harmonisch gewesen.
Trauer nach Attentaten in Sri Lanka
Foto: Kirche in Not | „Diese Angriffe kamen völlig unerwartet, zumal wir in den letzten sieben, acht Jahren sehr ruhig gelebt haben“, erklärt Bischof Mendis.

Nach den blutigen Terroranschlägen in Sri Lanka spricht der katholische Bischof von Chilaw, Warnakulasurya Wadumestrige Devasritha Valence Mendis, von einer Tragödie und einem Schockzustand im ganzen Land. „Diese Angriffe kamen völlig unerwartet, zumal wir in den letzten sieben, acht Jahren sehr ruhig gelebt haben“, erklärt der Bischof im Interview mit dem internationalen päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Auch das Zusammenleben der Religionen sei abgesehen von kleineren Zwischenfällen harmonisch gewesen.

"Die drei Kirchen waren voll von Gläubigen"

Bei den Attentaten auf die Katholische Kirche St. Anthony in Colombo und St. Sebastian in Negombo und die evangelikale Zion Kirche in Batticaloa sowie die Luxushotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombo kamen nach bisherigen Angaben mehr als 300 Menschen ums Leben. Rund 500 wurden verletzt. Die Regierung vermutet einheimische Islamisten hinter den Anschlägen.

Chilaw, das Bistum von Bischof Mendis, liegt nur 50 Kilometer entfernt von Negombo, wo eines der Attentate stattfand. „Die drei Kirchen waren voll von Gläubigen, schließlich war es Ostersonntag“, so der sri-lankische Geistliche. Alle Kirchen im Land hätten ihre Gottesdienste nun abgesagt; die Gläubigen seien aufgefordert, sich nicht in Gruppen zu treffen, um weitere Anschläge zu verhindern. Zudem spricht Mendis von einem allgemeinen „Alarmzustand“.

"Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

„Wir können diese brutale Gewalt nicht verstehen. Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, so Bischof Mendis weiter. „Unsere Osterfreude wurde uns brutal genommen. Der Ostersonntag wurde ein Tag der Trauer. Die Menschen weinen um ihre Angehörigen.“

Inzwischen wandte sich auch der Generalsekretär der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“, Philipp Ozores, in einem Kondolenzschreiben an die Bischofskonferenzen von Sri Lanka. Das Hilfswerk teile den Schock und die tiefe Trauer über den Schmerz und die Not, die den unschuldigen Opfern zugefügt wurden, schreibt Ozores. „Kirche in Not“ stehe solidarisch an der Seite der Christen in Sri Lanka. Zudem sagte Ozores die Gemeinschaft im Gebet während der Zeit des Schmerzes, des Verlusts und der nationalen Trauer zu.

In Sri Lanka sind rund 68 Prozent der etwa 21 Millionen Einwohner Buddhisten, etwa 13 Prozent sind Hindus. Christen machen etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus, etwa 1,3 Millionen Menschen sind katholisch. Der Anteil der Muslime liegt bei unter neun Prozent.

DT/mlu/KiN

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