Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar zur Vorwahl in Iowa

Sieg in Iowa: Trump ist kaum noch aufzuhalten

Nach seinem deutlichen Erfolg zum Auftakt der Vorwahlen dürfte Donald Trump die Kandidatur nicht mehr zu nehmen sein. Parteiinterne Gegner müssen sich an einen Strohhalm klammern.
Donald Trump - der strahlende Sieger von Iowa
Foto: IMAGO/Zach Boyden-Holmes/The Register (www.imago-images.de) | Nach dem ersten Wahlabend in Iowa sitzt Donald Trump ziemlich fest im Sattel. Man muss anerkennen, dass seine Strategie voll aufging.

„It’s all over now“, sang die amerikanische Songwriter-Legende Bob Dylan auf dem 1965 erschienenen Album „Bringing it all back home“. Das war’s – so könnte man auch das Fazit nach dem Auftakt der republikanischen Vorwahlen im Bundesstaat Iowa betiteln. Das war’s mit den Hoffnungen der Konkurrenz. Denn Donald Trump hat den Sieg äußerst souverän nach Hause gebracht.

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Gut 50 Prozent der Republikaner stimmen in dem Agrarstaat im Mittleren Westen für den ehemaligen Präsidenten – ein Ergebnis, das zu erwarten war, aber so manche Umfrage im Vorfeld sogar noch übertrifft. Floridas Gouverneur Ron DeSantis und die ehemalige UN-Botschafterin Nikki Haley, die einzigen ernsthaften Konkurrenten, landen weit abgeschlagen hinter Trump.

Trump spielt in einer anderen Liga

Die Tatsache, dass beide aus ihrem Abschneiden den Schluss ziehen, es lohne sich, weiter im Rennen zu bleiben, stärkt am Ende nur einen: Donald Trump. Doch so oder so spielt der 77-Jährige in einer anderen Liga. Man muss anerkennen, dass seine Strategie voll aufging, sich von allen Debatten im Vorfeld fernzuhalten, kaum Wahlkampf in Iowa zu machen und einfach auf die Geschlossenheit seiner Anhänger zu vertrauen. Trump gewinnt in 98 von 99 Bezirken und kann somit auf eine breite Koalition republikanischer Unterstützer zählen. Ob bei konservativen, evangelikalen, moderaten, urbanen oder suburbanen Wählern: Trump räumt überall ab. 

Daher ist es nach dem Auftakt des Wahlkampfs der Republikaner keine allzu gewagte These, dass Trump die Kandidatur kaum noch zu nehmen sein wird. Wenn überhaupt, galt Iowa noch als eine der größten Hürden auf seinem Durchmarsch. Nun warten kaum noch Stolperfallen auf Trump. Dass der Biotech-Unternehmer Vivek Ramaswamy nach einem dürftigen Abschneiden aus dem Rennen aussteigt, war zu erwarten. Trump wird es sogar in die Hände spielen, da Ramaswamys Anhänger dem polarisierenden Ex-Präsidenten wesentlich näher stehen als DeSantis oder Haley.

Das Ergebnis zeigt aber auch: Wieder einmal haben viele Medien zumindest unterschätzt, wie groß das Ausmaß der Unterstützung für Trump ausfällt. Insbesondere Nikki Haley wurde vorab oft als stärker porträtiert als sie letztlich abschnitt. Das Bild der ehemaligen UN-Botschafterin als großer Hoffnungsträgerin der Trump-Kritiker hat einen gewaltigen Riss bekommen. Diese Vorstellung basierte wohl ohnehin weniger auf der politischen Realität als auf dem Wunschdenken zahlreicher Trump-kritischer Presseorgane.

Mögliches Szenario: Trump darf kandidieren, aber nicht wählen

Die einzige verbleibende Unbekannte: Trumps zahlreiche juristische Streitigkeiten. Man sollte jedoch nicht allzu große Hoffnungen hegen, dass die Gerichte dem Ex-Präsidenten einen Strich durch die Rechnung machen. Denn selbst als verurteilter Straftäter dürfte Trump zur Wahl antreten, auch wenn er paradoxerweise selbst wohl nicht wählen dürfte. Dabei handelt es sich zudem um ein Szenario ohne Präzedenz, dessen Ausgestaltung in der Praxis derzeit niemand abzusehen vermag. An der Wahlurne dürften die Verfahren Trump sogar noch stärken. Denn sein Opfer-Narrativ kommt an, viele Republikaner entwickeln daher zunehmend eine „Jetzt-erst-recht“-Mentalität.

Unterm Strich sitzt Donald Trump nach dem ersten Wahlabend in Iowa somit ziemlich fest im Sattel. Wer dies mit Sorge verfolgt, mag nun vielleicht einen weiteren Dylan-Song bemühen: „It’s not dark yet, but it’s getting there“, sang Dylan im Jahr 1997, als an einen Präsidenten Trump noch lange nicht zu denken war. Noch ist nicht aller Tage Abend, aber es wird düsterer.

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