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Schützenhilfe für Trump

Die Präsidentschaftskandidatur Nikki Haleys ist durchaus ernst zu nehmen. Für die Trump-Gegner birgt sie aber auch eine Gefahr.
Nikki Haleys Kandidatur birgt für das stetig wachsende Anti-Trump-Lager eine große Gefahr
Foto: IMAGO/Brian Cahn (www.imago-images.de) | Haleys Kandidatur birgt für das stetig wachsende Anti-Trump-Lager eine große Gefahr: Je vielfältiger, je zersplitterter sich das Feld der parteiinternen Konkurrenten darstellt, desto wahrscheinlicher ist es, dass ...

Das Rennen ist eröffnet: Seitdem Nikki Haley am Dienstag ihre Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner bekanntgegeben hat, muss sich der bislang einzige Bewerber Donald Trump nun offiziell einer Gegenkandidatin stellen. „Es ist Zeit für eine neue Führungsgeneration“, betonte Haley in einem Video auf der Kurzmitteilungsplattform „Twitter“, um „unser Land, unseren Stolz und unsere Absichten zu stärken“.

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Haleys Kandidatur hat durchaus das Potenzial, mehr als eine Randnotiz zu bleiben. Die Tochter indischer Einwanderer diente als UN-Botschafterin unter Trump, schied nach zwei Jahren freundschaftlich aus diesem Amt und vermied es dabei stets, sich allzu sehr einem Lager zu- oder unterzuordnen. Zweifellos kann die 51-Jährige auch die Forderungen derjenigen bedienen, die sich einen „gesitteten Trumpismus“ wünschen. So warnte die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaats South Carolina beispielsweise vor der „sozialistischen Linken“, die ihre Chance gekommen sehe, „die Geschichte umzuschreiben“. Und sie versprach, es mit dem „Washingtoner Establishment“ aufnehmen zu wollen. In diesen Sätzen stecken gleich mehrere Reizwörter, die auch eingefleischten Trump-Anhängern gefallen dürften.  

Das Feld zersplittert immer mehr

Gleichzeitig birgt Haleys Kandidatur für das stetig wachsende Anti-Trump-Lager eine große Gefahr: Je vielfältiger, je zersplitterter sich das Feld der parteiinternen Konkurrenten darstellt, desto wahrscheinlicher ist es, dass Trump am Ende als Sieger daraus hervorgeht. Bereits heute ist der Pool an potenziellen Gegenkandidaten bemerkenswert. Einige Beispiele: Mike Pence, Glenn Youngkin, Mike Pompeo, Ron DeSantis. Insbesondere letzterem werden gute Chancen zugesprochen, Trump Paroli zu bieten. Soll das gelingen, braucht es einen starken Kandidaten, der sowohl Trump-Kritiker wie eben auch Anhänger eines moderateren Trumpismus vereinen kann. Mit jedem neuen Namen im Feld dürfte dies schwieriger werden. Und Trump weiß das. Daher begrüßte er Haleys Kandidatur offen: Er habe ihr sogar geraten, „ihrem Herzen zu folgen“, sagte er dem Sender „CNN“. 

Dennoch sollte man Nikki Haley nicht abschreiben, zumal sie sich in einem Punkt von allen anderen potenziellen republikanischen Bewerbern unterscheidet: Sie ist eine Frau. Dass sie selbst dies als Plus ansieht, machte sie in ihrem Ankündigungsvideo deutlich. Sie lasse sich nicht von „Rüpeln“ auf der internationalen Bühne einschüchtern, sie verteile lieber selbst Tritte. „Und das tut mehr weh, wenn man Schuhe mit Absätzen trägt.“

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