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Wen will Trump als Vizepräsidenten?

Mike Pompeo, Ron DeSantis oder doch Marjorie Taylor Greene? Seit einiger Zeit spekuliert man in Washington, wer im November gemeinsam mit Donald Trump antritt. Besonders ein Name lässt die Herzen der Basis höher schlagen.
Die US-Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene und der frühere US-Präsident Donald Trump
Foto: IMAGO/Natrice Miller (www.imago-images.de) | Wer Trump als Vizepräsident dienen will, muss bedingungslos loyal sein. Die Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene würde dieses Kriterium erfüllen. Als anschlussfähig zur Mitte gilt sie allerdings nicht.

Mai in einem US-Wahljahr. Früher wäre jetzt die entscheidende Phase des parteiinternen Vorwahlkampfes angebrochen. Insbesondere für die Partei, die gerade nicht den Präsidenten stellt. Dieses Jahr fehlt von Spannung jede Spur. Schon seit Monaten steht Donald Trump als Präsidentschaftskandidat der Republikaner fest. Das einzige Fragezeichen: Wen holt sich Trump als möglichen Vizepräsidenten an seine Seite? Wer wird sein „Running mate“?

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Eigentlich gilt die Besetzung des zweiten Platzes auf dem Bewerberticket eher als Nebensache. In diesem Jahr könnte es anders sein: Das gängige Diktum, der Vizepräsident sei nur „einen Herzschlag vom Präsidentenamt entfernt“, erhält eine ganz reale Bedeutung, wenn man bedenkt, dass ein 81-Jähriger (Biden) gegen einen 78-Jährigen (Trump) antritt. Da weder Biden noch Trump laut Verfassung in vier Jahren noch einmal kandidieren dürfen, befinden sich der künftige Vizepräsident in einer exzellenten Ausgangslage, um 2028 selbst nach dem Weißen Haus zu greifen. 

Trump will niemanden, der ihm die Show stiehlt

Dass Trump überhaupt einen neuen Kandidaten sucht, liegt daran, dass er mit seinem ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence gebrochen hat. Der 64-Jährige, der von 2017 bis 2021 am Trumps Seite im Weißen Haus residierte, hatte sich geweigert, Trumps Bemühungen zu unterstützen, den Wahlsieg Joe Bidens zu kippen. Zwischenzeitlich kandidierte Pence sogar selbst für das Präsidentenamt, zog sich aber früh wieder zurück. Zur Versöhnung mit Trump kam es nicht mehr – zuletzt kündigte Pence an, seinen einstigen Dienstherrn im Wahlkampf nicht zu unterstützen. Dennoch war Pence für Trump von unschätzbarem Wert. Als tief gläubiger evangelikaler Christ konnte er die Stimmen eines wertkonservativen Wählermilieus sichern, auf das der dreifach geschiedene ehemalige Immobilienunternehmer zuvor kaum Anziehungskraft ausübte.

Auch diesmal wird es Trump bei der Wahl eines geeigneten „Running mate“ darum gehen, sich Kompetenzen ins Boot zu holen, die er selbst nicht mitbringt. Etwa, indem er sich für eine weibliche Kandidatin entscheidet oder auf einen schwarzen oder einen wesentlich jüngeren Mitbewerber setzt. Dabei muss Trump gegensätzliche Interessen abwägen. Einerseits liebt er das mediale Spektakel, das umso größer ausfallen wird, je prominenter der Name seines Mitbewerbers ist. Andererseits duldet er niemanden, der ihm die Show stehlen könnte. Auch deshalb fiel seine Wahl 2016 auf den zurückhaltenden, auf nationaler Bühne kaum bekannten Mike Pence. Zudem fordert Trump bedingungslose Loyalität.

Elise Stefanik tritt ins Rampenlicht

Echte Favoriten haben sich bislang noch nicht herauskristallisiert. Grob untergliedern lassen sich die kursierenden Namen aber in vier Kategorien: Stets hoch gehandelt werden ehemalige Mitbewerber um die Präsidentschaftsnominierung. Vier Namen fielen aus dieser Gruppe zuletzt immer wieder: Ron DeSantis, Nikki Haley, Tim Scott und Vivek Ramaswamy. Auch wenn DeSantis und Haley die größte Prominenz mitbrächten – es käme einer gewaltigen Überraschung gleich, sollte einer von ihnen gemeinsam mit Trump antreten. Beide haben ihre persönlichen Differenzen mit dem Ex-Präsidenten und äußerten sich in der Vergangenheit eher ablehnend gegenüber einer Vizepräsidentschaftskandidatur. Tim Scott dagegen, ein schwarzer Senator aus South Carolina, gilt auch über Milieugrenzen hinweg als beliebt. Im Vorwahlkampf blieb der 58-Jährige allerdings eher blass. Ziemlich gewagt wäre es, wenn sich Trump für den jungen Biotech-Unternehmer Ramaswamy entscheiden würde. Kurzzeitig als Geheimfavorit gehandelt, verglühte der Stern des politischen Quereinsteigers im Vorwahlkampf schnell wieder.

Die größte Gruppe der potenziellen Anwärter bilden die aktiven politischen Amtsträger. Zu ihnen zählen unter anderen die New Yorker Kongressabgeordnete Elise Stefanik, Floridas Senator Marco Rubio, Ohios Senator J.D. Vance, der texanische Gouverneur Greg Abbott, South Dakotas Gouverneurin Kristi Noem und die Kongressabgeordnete aus Georgia, Marjorie Taylor Greene. Wäre entscheidend, wer die glühendste Verehrerin des Ex-Präsidenten ist, würde letztere sicher das Rennen machen. Doch selbst Trump dürfte davon Abstand nehmen, eine derart polarisierende Figur wie Taylor Greene zu wählen, die auch regen Umgang mit Verschwörungstheoretikern pflegt.

Als äußerst loyal gilt auch J.D. Vance, der mit seiner ruralen Milieustudie „Hillbilly Elegy“ 2016 einen Bestseller landete. Ob er der Trump-Kampagne zusätzliches Gewicht verleihen würde, gilt aber eher als fraglich. Einen Namen verschaffte sich zuletzt insbesondere Elise Stefanik, als sie die Vorsitzenden von drei US-Eliteuniversitäten im Kongress scharf zu Antisemitismusvorwürfen befragte. Mit 39 Jahren gilt sie als junge, aufsteigende Frau in der Partei – und würde sicherlich einige der von Trump geforderten Kriterien erfüllen. 

Carlson würde politisch gut zu Trump passen

Auf dem Schirm haben muss man auch ehemalige Mitglieder der ersten Trump-Regierung, wie etwa Mike Pompeo, der unter Trump zunächst als Chef der CIA, von 2018 bis 2021 dann als Außenminister fungierte. Der 60-Jährige gilt zwar nicht als überzeugter Trumpist, könnte im Wahlkampf aber insbesondere moderate und unabhängige Wähler ansprechen, indem er Trumps Kandidatur Seriosität verleiht. Pompeos kritische Haltung gegenüber Russlands Präsident Wladimir Putin könnte allerdings zu einer unüberwindbaren Hürde werden. Eine weitere Figur aus Trumps ehemaligem Kabinett ist Ben Carson, der als Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung amtierte.

Nicht auszuschließen ist, dass sich Trump, der selbst immer betont, ein politischer Außenseiter zu sein, einen Mitbewerber aussucht, der nicht aus dem politischen Geschäft stammt. Und wer würde in dieser Hinsicht für mehr Schlagzeilen sorgen als Tucker Carlson, der ehemalige Moderator des rechten Senders „Fox News“? Der 54-Jährige, der jüngst mit einem devoten Putin-Interview Aufsehen erregte, würde politisch perfekt zu Trump passen und die Herzen der MAGA-Anhänger höher schlagen lassen. Doch eines wäre mit Tucker Carlson als „Runnig mate“ wohl ausgeschlossen: moderate, zur Mitte orientierte Wähler zu gewinnen.

Bis eine endgültige Entscheidung fällt, dürfte noch etwas Zeit ins Land gehen. Noch wurde Trump nicht einmal offiziell zum Kandidaten gekürt. Beobachter rechnen damit, dass sich der Republikaner spätestens bis Mitte Juli auf einen Namen festlegen wird, wenn in Milwaukee der große Nominierungsparteitag der Republikaner stattfindet. Doch vielleicht zaubert Trump auch schon früher jemanden aus dem Hut. Nicht auszuschließen, dass am Ende ein Kandidat an seiner Seit steht, mit dem kaum jemand gerechnet hat. Der Kongressabgeordnete Byron Donalds zum Beispiel. Zumindest der Wahlzettel dürfte Trump gefallen, wäre darauf doch sowohl sein Vor- wie auch sein Nachname zu lesen: „Trump / Donalds“. 

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