Sasses Woche in Berlin

Scholz, die Sphinx, und Habeck, der Kurzduscher

Der Bundeskanzler antwortet nicht, der Bundeswirtschaftsminister gibt Antworten, die aber keiner hören will.
Robert Habeck und Olaf Scholz
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Robert Habeck ist einer, der ziemlich viel und gerne spricht. Olaf Scholz ist dagegen nicht als Plaudertasche bekannt.

Olaf Scholz ist keine Plaudertasche. Das ist nicht neu. Was man aber bisher noch vielleicht unter der Überschrift „hanseatische Zurückhaltung“ hätte abbuchen können, ist in dieser Woche zu einem ausgemachten Ärgernis geworden. Als die Journalistin Rosalia Romaniec bei einer Pressekonferenz in Elmau fragte, ob denn der Kanzler konkretisieren könne, auf welche Sicherheitsgarantien für die Ukraine man sich unter den G7-Staaten für die Zeit nach dem Krieg geeinigt habe, antwortete Scholz bloß: „Könnte ich.“ Pause. „Das war’s.“ Und zeigte dabei sein bekanntes Lächeln, das Markus Söder einmal „schlumpfig“ genannt hat.

Keine Antwort ist auch eine Antwort

Ob die Kommunikationsberater des Kanzlers danach die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben? Man weiß es nicht. Das Video mit dieser Sequenz lief jedenfalls in den sozialen Medien rauf und runter. Aber Olaf Scholz kratzt das wahrscheinlich wenig, er gefällt sich in dieser Rolle der Sphinx. Ja, vermutlich ist er in solchen Momenten sogar mehr bei sich, als wenn er sonst im „Scholzomaten“-Modus Sprechzettel abliest.
Keine Antwort ist eben auch eine Antwort: Scholz gab hier einen Einblick in seine Persönlichkeit, die seinen PR-Beratern nicht wirklich gefallen kann.

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Von Respekt, dem Lieblingswort des Bundeskanzlers, war hier nichts zu spüren. Vielleicht sollte Scholz einmal jemand Knigges „Vom Umgang mit Menschen schenken“. Das wäre doch eine schöne Sommerlektüre. Das Verhalten des Kanzlers war ja nicht nur eine Frechheit gegenüber der Journalistin, es war auch eine Respektlosigkeit gegenüber dem ukrainischen Volk, das sicherlich ganz gerne wüsste, wie es denn nun um diese Sicherheitsgarantien steht. 

Habeck: Noch nie fünf Minuten lang geduscht

Scholz, die Sphinx, und Habeck, der Kurzduscher  - Sasses Woche in Berlin

Einer, der ziemlich viel und gerne spricht, ist Robert Habeck. Sonst im Rollenfach „Philosoph mit Tiefblick“ zuhause, gab er in dieser Woche die sparsame schwäbische Hausfrau. Er habe in seinem ganzen Leben noch nie fünf Minuten lang geduscht, erklärte er im „Spiegel“. Verbunden mit dem Rat an die Bevölkerung, es ihm gleich zu tun.

Eines tut der Wirtschaftsminister offenbar zu selten, er geht nicht in die Wirtschaft. Dort am Stammtisch würde der „Kurzduscher“ Habeck mit seinem Energiesparvorschlag eine ziemlich kalte Dusche bekommen. Wahrscheinlich sogar länger als fünf Minuten. Denn die Menschen, die Angst haben, bald ihre Energiekosten nicht mehr zahlen zu können, erwarten von dem Minister nicht wohlfeile „Best Practice“-Beispiele, sondern konkrete Maßnahmen. Beim digitalen Stammtisch in den sozialen Medien wurde Habecks Vorschlag  denn auch genüsslich auseinandergenommen. 

In dieser Woche war bei der Ampel kommunikativ der Wurm drin.

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