Der frühere Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) mahnt seine Partei, ihre christlichen Grundlagen nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Präambel des Grundgesetzes gebe gewissermaßen den Obersatz für jede politische Herausforderung vor: „In Verantwortung vor Gott und den Menschen“, sagte Schnieder in einem Interview mit katholisch.de, das am Mittwoch erschien.
Das „C“ gehe im Alltag manchmal unter, räumte Schnieder ein. Deshalb müsse sich die CDU immer wieder fragen, was ihr Leitbild sei und was es für die politischen Herausforderungen von heute bedeute. Die Debatte, ob die Partei auf das „C“ verzichten sollte, hält er für „vollkommen aus der Welt gefallen“. Das christliche Menschenbild sei und bleibe die Grundlage. Es gebe allerdings nicht automatisch vor, was dies für die praktische Politik bedeute. Entscheidend sei, immer wieder auf die Grundlagen zurückzukommen und ihre Bedeutung für neue Herausforderungen zu erschließen.
Christen zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
Schnieder hatte Ende Juli sein Amt als Bundesverkehrsminister verloren und im September den Vorsitz des Kardinal-Höffner-Kreises übernommen. Die Vereinigung katholischer Abgeordneter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion versteht sich als Forum engagierter Christen an der Nahtstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. In seiner neuen Funktion will Schnieder eigenen Angaben zufolge wieder stärker politische Impulse aus katholischer Perspektive setzen. Denn die katholische Stimme sei in seiner Fraktion „nicht mehr so deutlich wahrnehmbar wie früher“, kritisierte er.
Es solle erkennbar sein, dass Katholiken ihre Stimme erheben würden und eine Überzeugung hätten, die sich aus ihrem Christsein speise. Damit wolle der Höffner-Kreis die politische Willensbildung beeinflussen. Schnieder sei überzeugt, dass Katholiken in einzelnen Bereichen weiterhin Dinge anstoßen und Meinungen bilden könnten.
Sachargumente gefragt!
Wichtig sei dabei, mit Sachargumenten zu überzeugen. Die Grundlagen des Glaubens, allen voran die christliche Soziallehre, böten gute Möglichkeiten, die eigene Sichtweise deutlich zu machen. Auch die Kirchen sieht Schnieder in der Pflicht: Als Katholik erwarte er, dass seine Kirche „zu wichtigen gesellschaftlichen und politischen Fragen klar Stellung bezieht und die Gesellschaft mitgestaltet“.
Zu seiner Entlassung äußerte sich Schnieder gelassen. Die habe ihn nicht lange belastet, sagte er. Geholfen hätten ihm dabei vor allem seine Familie und sein Glaube. Wer solche Fundamente habe, wisse, „dass es noch andere Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, und die belastenden Themen rücken schneller in den Hintergrund“. DT/dsc
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