Als Konrad Adenauer 1959 selbst ins Schloss Bellevue streben wollte, geriet die junge Republik in Aufregung. Erst ließ sich der Kanzler als Kandidat aufstellen, dann zog er sich zurück, und die Union musste binnen Wochen einen Ersatz finden. Die Republik hat diese Tage überstanden. Sie mahnt uns aber, dass das höchste Staatsamt über dem Tagesgeschäft stehen muss.
Heute wiegt diese Verantwortung schwerer. Das Erstarken der politischen Ränder und die Angriffe auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit machen das Amt der Bundespräsidentin wichtiger denn je. Wir brauchen eine politisch erfahrene Persönlichkeit, die ausgleicht, Autorität verkörpert und die Mitte zusammenhält.
Ilse Aigner: erfahren, bürgernah und verbindlich
Die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung weisen der Union die Verantwortung zu, und sie kann sie nur gemeinsam tragen. Dass es eine Frau sein sollte, ist kein Akt der Symbolik, sondern Ausdruck des politischen Aufbruchs. Ein modernes Deutschland braucht eine andere Art der Politik, weniger Machtspiel, mehr Verbindendes. Ilse Aigner verkörpert das: erfahren, bürgernah und verbindlich, geeignet und über Parteigrenzen hinweg mehrheitsfähig.
Es ist richtig, dass Friedrich Merz nun im Präsidium einen Vorschlag der Union herbeiführen will. Denn die Person im höchsten Staatsamt muss auch von der ganzen CDU getragen werden. „Eile mit Weile“, sagt der Volksmund. Wahre Führung zeigt sich darin, im entscheidenden Moment nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, sondern den Weg zu wählen, den alle mitgehen können.
Die Union ist am stärksten, wenn sie geschlossen auftritt, und mit ihr unser Land. Das zeigt die Geschichte: Richard von Weizsäcker, Kandidat der Union, wurde 1989 ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt, getragen auch von SPD, FDP und Grünen. Wer Geschlossenheit lebt, überzeugt auch andere. Wir sind eine Parteienfamilie mit gemeinsamen Werten.
Die Union hat mit Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin gestellt. Nun könnte sie mit Ilse Aigner auch die erste Frau im höchsten Staatsamt stellen und zugleich die politische Mitte stärken. Lässt sich mehr wollen?
Die Autorin ist frauenpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
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