Ron DeSantis im Porträt

Ron DeSantis: Wie Trump – nur mit Charakter

Jung, konservativ, in der Partei beliebt: Viele halten Floridas Gouverneur Ron DeSantis für den idealen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Wenn da nicht Donald Trump wäre.
Floridas Gouverneur Ron DeSantis
Foto: IMAGO/Paul Hennessy (www.imago-images.de) | Hat er schon das Weiße Haus im Blick? Sicher ist derzeit nur, dass sich Ron DeSantis mit ungeteiltem Fokus auf seine Wiederwahl als Gouverneur Floridas konzentriert, die im November ansteht.

Wechseln die US-Republikaner bald von Donald zu Ronald? Dass sich die Frage überhaupt stellt, liegt an Ronald „Ron“ DeSantis. Der amtierende Gouverneur des Bundesstaates Florida ist derzeit in aller Munde, von der Parteibasis wie auch vom Establishment wird er mit Lobeshymnen überhäuft. Und von einigen als potenzieller Präsidentschaftskandidat 2024 gehandelt. Eine aktuelle Erhebung der „New York Times“ unter republikanischen Wählern kam zu dem Ergebnis, dass DeSantis die populärste Alternative zum ehemaligen Präsidenten Donald Trump darstellt. 24 Prozent der Befragten sprachen sich für ihn aus, noch immer 49 Prozent für Trump. Auf DeSantis folgt dann mit nur sieben Prozent abgeschlagen der texanische Senator Ted Cruz.

Ohne Trumps politischen Ballast

Ein aufschlussreiches Bild über das Ansehen, das DeSantis momentan in seiner Partei genießt, vermittelte jüngst der Chefredakteur der konservativen Zeitschrift „National Review“, Rich Lowry, in einem ausführlichen Gastbeitrag für die „New York Times“. Er schreibt darin, DeSantis verkörpere „die neue Republikanische Partei“. Floridas Gouverneur werde die Partei zwar nicht mehr zurückführen in die Zeit vor 2016, als Trump noch nicht der alles dominierende Faktor war. Der 43-Jährige sei aber wie geschaffen dafür, eine neue Ära der unwiderruflich von Trump geprägten Republikaner einzuläuten. DeSantis sei eine Führungsfigur, aber ohne Trumps charakterliche Schwächen und dessen politischen „Ballast“.

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Das ist ein großes Lob für einen Republikaner, der nicht Donald Trump heißt, und der eher noch am Anfang seiner politischen Karriere steht. Seinen Ruf als neuer Hoffnungsträger hat DeSantis, verheirateter Familienvater von drei kleinen Kindern, vor allem einem zu verdanken: seinem entschiedenen Einsatz auf dem Feld der „Kulturkämpfe“. Ein Beispiel: der von ihm unterzeichnete „Parental Rights in Education Act“, von linksliberalen Kritikern gerne auch als „Don't say gay“-Gesetz bezeichnet. Er verbietet, in Kindergärten und an Grundschulen über Themen wie die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität zu sprechen. So heißt es in dem Gesetz wörtlich: „Über sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität darf vom Kindergarten bis zur dritten Klasse nicht in einer Weise durch Schulpersonal oder Dritte gesprochen werden, die nicht alters- oder entwicklungsgemäß für Schüler in Übereinstimmung mit den staatlichen Standards ist.“ Befürworter betonen, damit würden die Rechte von Eltern in der Erziehung ihrer Kinder gestärkt und diese vor „progressiven Ideologien“ geschützt. Gegner sehen darin den gezielten Versuch, Diskussionen über Homosexualität zu meiden.

DeSantis scheute nicht davor zurück, das Gesetz gegen Kritik zu verteidigen – und nahm dafür auch den Kampf mit einem Schwergewicht wie dem „Disney“-Konzern auf. Dieser hatte erklärt, dafür sorgen zu wollen, dass das Gesetz über die Gerichte oder in den Parlamenten rückgängig gemacht werde – was DeSantis wiederum dazu veranlasste, dem Konzern die massiven Steuervergünstigungen zu streichen, die „Disney“ in Florida genießt.

Beim Lebensschutz wollen sie noch mehr sehen

Auch auf dem für viele Konservative so entscheidenden Gebiet des Lebensschutzes konnte DeSantis punkten. Im April unterzeichnete er ein Gesetz, das Abtreibungen nach der 15. Schwangerschaftswoche nahezu vollständig verbietet. „Das Leben ist ein heiliges Geschenk, das unseren Schutz verdient“, erklärte der Gouverneur dazu. Das Gesetz trat in Kraft, nachdem der Oberste Gerichtshof im Juni das umstrittene Grundsatzurteil „Roe vs. Wade“ gekippt hatte. Diese Entscheidung begrüßte DeSantis ausdrücklich. Die Gebete von „Millionen von Menschen“ seien erhört worden, erklärte er noch am selben Tag in einer Stellungnahme auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter. „Fast 50 Jahre lang hat der Oberste Gerichtshof der USA nahezu alle wirkungsvollen Lebensschutz-Maßnahmen verboten, obwohl das nicht im Wortlaut, in der Geschichte oder in der Struktur der Verfassung begründet war.“ Das Urteil stelle nun ein „Hoffnungszeichen“ dar, „dass jedes Leben zählt“.

Allerdings gibt es auch Stimmen in der Partei, denen das Verbot nach der 15. Woche nicht weit genug geht – und die auf ein noch strikteres Gesetz dringen. DeSantis verhält sich diesbezüglich bislang sehr zurückhaltend. Er weiß, dass er sich auf einem schmalen Grat bewegt, da er potenzielle Wechselwähler zu verschrecken droht, wenn er in der Abtreibungsfrage einen allzu restriktiven Kurs fährt. Während der Hochphase der Corona-Pandemie hatte sich DeSantis zudem mit Kritik am Kurs der Biden-Regierung einen Namen gemacht. Ob Maskenpflicht, Impfvorschriften oder Abstandsgebot: In Florida galten stets die lockersten Regelungen. Was DeSantis quasi zum Helden von Amerikas Corona-Skeptikern werden ließ, auch wenn er im Unterschied zu manch anderem Politiker immer betonte, seine Entscheidung informiert zu treffen und wissenschaftliche Erhebungen aufmerksam zu studieren.

Er setzt schon länger auf Nähe zu Trump

Blickt man zurück auf die bisherigen Stationen des studierten Historikers und Juristen, so kann man nur von einer wahren Bilderbuch-Karriere sprechen. Geboren wurde er 1978 in Jacksonville, Florida, seine Jugend verbrachte er in der Stadt Dunedin. Dort besuchte er eine katholische Schule. DeSantis gilt als praktizierender Katholik, spricht jedoch öffentlich nicht häufig über seinen Glauben. Als seine Ehefrau im vergangenen Jahr allerdings eine Brustkrebserkrankung publik machte, erklärte DeSantis: „Ich glaube an Gott, ich glaube an sie, und ich glaube an die Kraft des Gebets.“

DeSantis kann sich zu den sogenannten „Ivy-League-Absolventen“ zählen – Studenten, die ihren Abschluss an einer der renommiertesten Universitäten des Landes gemacht haben. Bei ihm waren es die Yale University im Bundesstaat Connecticut sowie die Harvard Law School in Massachusetts. Nach seinem Abschluss 2005 wurde er ein Jahr im Irakkrieg eingesetzt – als juristischer Berater eines Navy-SEAL-Kommandos. Sein Einstieg in die Politik erfolgte im Jahr 2012, als er die Wahl zum Kongressabgeordneten gewann. Bis 2018 vertrat er den Staat Florida im Repräsentantenhaus in Washington. 2018 wurde er zum Gouverneur seines Heimatstaats gewählt, nachdem er sich hauchdünn gegen seinen demokratischen Gegner Andrew Gillum durchgesetzt hatte. Schon damals setzte er auf seine politische Nähe zum ehemaligen Präsidenten Donald Trump. Auf die Frage, in welchen Themen er sich am ehesten von Trump unterscheide, antwortete er einmal, ihm fiele keines ein.

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Und in der Tat sind es auch weniger die Inhalte, sondern vielmehr der politische Habitus, durch den sich DeSantis am deutlichsten von Trump abgrenzt. Auch wenn man mit Fug und Recht behaupten kann, dass seine konservativen Überzeugungen noch um einiges gefestigter sind als die des politischen Quereinsteigers Trump. Dessen polterndes Auftreten, die verbalen Entgleisungen und die Neigung, es mit der Wahrheit nicht allzu genau zu nehmen: All das ist DeSantis fremd. Und genau darin liegt wohl auch seine Anziehungskraft für einen Teil der republikanischen Anhänger.

Kann er sich gegen den übermächtigen Trump behaupten?

Hinzu kommt, dass DeSantis trotz aller inhaltlicher Nähe zu Trump noch in einer Zeit die politische Bühne betrat, in der dieser noch nicht wie ein Damoklesschwert über den Republikanern schwebte. Schmaler Staat, niedrige Steuern, unternehmerfreundliche Gesetze – auch für solch klassische republikanische Maximen steht DeSantis. Und könnte damit als eine Art Bindeglied zwischen der Ära vor Trump und der Ära danach fungieren. Noch nicht ausführlicher geäußert hat er sich hingegen zu den Themen Außen- und Handelspolitik. Hier wird interessant zu beobachten sein, ob DeSantis Trump folgen würde, der mit seinem protektionistischen Ansatz vormalige republikanische Prinzipien über Bord warf – oder die Republikaner auf einem Kurs der starken internationalen Verflechtungen und Einflussnahme zurückführen will.

Zwei Fragen bleiben: Wird er kandidieren? Und wenn ja, kann er sich gegen einen übermächtig erscheinenden Donald Trump behaupten? Sicher ist derzeit nur, dass sich DeSantis mit ungeteiltem Fokus auf seine Wiederwahl als Gouverneur Floridas konzentriert, die im November ansteht. Umfragen bescheinigen ihm bislang einen großen Vorsprung. Ungeachtet dessen gibt es Stimmen aus dem Umfeld des Gouverneurs, die berichten, DeSantis liebäugele durchaus mit einer Kandidatur für das Weiße Haus. Die größten Chancen dürfte er nach derzeitigem Stand aber erst dann haben, wenn Trump seinen Hut nicht abermals in den Ring wirft. Genau das ist jedoch durchaus wahrscheinlich. Und so sind auch Stimmen aus DeSantis‘ engerem Umfeld zu vernehmen, die ihm raten, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Der sei 2024 noch nicht gekommen.

Der Ausgang ist also noch völlig offen. Fakt ist: Die Popularität von Ron DeSantis ist immer größer geworden im Glanz von Donald Trump. Aber sie ist vielleicht noch nicht groß genug, um ihn 2024 in den Schatten zu stellen.

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