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Robert F. Kennedy jr. kann zum Spielverderber werden

Der Außenseiterkandidat schlägt sich überraschend gut - und könnte sowohl Joe Biden wie auch Donald Trump wichtige Stimmen klauen.
Robert F. Kennedy Jr. sorgt im US-Wahlkampf für Furore
Foto: IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images (www.imago-images.de) | Wem wird Kennedys Kandidatur mehr schaden? Zumindest historisch gesehen guckten im Falle von Drittkandidaten eher die Demokraten in die Röhre, während die Republikaner profitierten.

Das amerikanische Zweiparteiensystem gilt eigentlich als unumstößlich. Doch in der Geschichte der Präsidentschaftswahlen traten immer wieder Drittkandidaten hervor, die einem der Favoriten einen Strich durch die Rechnung machten, indem sie in entscheidenden Bundesstaaten Stimmen abwarben. 2024 könnte Robert F. Kennedy jr. ein solcher Spielverderber sein. Der Neffe des legendären US-Präsidenten John F. Kennedy tritt im November als Unabhängiger an, da er es nicht schaffte, sich in der demokratischen Partei gegen Joe Biden durchzusetzen.

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Für Kennedy, kurz „RFK jr.“ genannt, läuft es derzeit besser, als die meisten Beobachter erwartet hätten. Konstant erreicht er landesweite Umfragewerte von durchschnittlich zehn Prozent. Zuletzt nahm der 70-Jährige wichtige Hürden, indem er es in mehreren Bundesstaaten auf den Wahlzettel schaffte, darunter im umkämpften, möglicherweise wahlentscheidenden „Swing State“ Michigan. Längst hat man im Wahlkampfteam von Joe Biden und Donald Trump registriert, dass Kennedy zu einer echten Gefahr heranwachsen kann.

Gegen das „korrupte“ politische System

Der Kennedy von heute ist allerdings meilenweit entfernt von der Polit-Dynastie der glorreichen 60er Jahre. Denn RKF jr. gibt vor, mit einem Kurs gegen das „korrupte“ politische System anzutreten, gegen die herrschende Klasse, gegen große Wirtschafts- und Pharmakonzerne. Schon länger galt er als Impfskeptiker, während der Coronapandemie wurden seine Positionen noch radikaler. Zahlreiche Thesen Kennedys könnte man im verschwörungstheoretischen Spektrum verorten. Jüngst sorgte er für Furore, als er der „New York Times“ erzählte, man habe in seinem Kopf einen toten Wurm gefunden, der einen Teil seines Gehirns gefressen und so für kognitive Beeinträchtigungen gesorgt habe. 

Es zeichnet Kennedy aus, dass er sich einer eindeutigen Verortung in einem der politischen Lager entzieht. Einen Namen machte er sich einst als Umweltaktivist, in der Abtreibungsfrage betonte er immer wieder seine Pro-Choice-Haltung – was ihn für Demokraten wählbar macht. Durch seinen Anti-Establishment-Kurs oder seine Position zu Impfstoffen findet er aber auch bei Republikanern Anklang.

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Wem wird Kennedys Kandidatur mehr schaden? Zumindest historisch gesehen guckten im Falle von Drittkandidaten eher die Demokraten in die Röhre, während die Republikaner profitierten. Doch weder Biden noch Trump sollte Kennedy unterschätzen. Dieser kann noch immer auf einen klangvollen Namen setzen, mit seiner nicht zu leugnenden Ausstrahlung punkten und wirkt im Vergleich zu den Hauptkonkurrenten beinahe jugendlich frisch. Gerade in einem Wahlkampf, der von zwei Kandidaten bestimmt wird, die bei den Wählern äußerst unbeliebt sind, vereint Kennedy damit einige Vorteile auf sich.   

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