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Amerika geht vor die Hunde

Das Land diskutiert über eine Gouverneurin, die ihren Hund erschießt, Würmer im Kopf von Robert F. Kennedy und schmutzige Details zu Trumps Seitensprung. Schön, dann scheint es keine ernsten Probleme zu geben.
Hund in Amerika-Outfit
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Joe Biden, den Trump so gerne endlich aus dem Weißen Haus verdrängen würde, gilt als stolzer Hundebesitzer. Sein Schäferhund Commander soll allerdings nicht gerade zimperlich sein, wenn jemand seinem Herrchen oder ...

Linke und Konservative, Biden-Fans und Trumpisten haben sich in der Regel wenig zu sagen. Wenn es eines gibt, worauf man sich in Amerika zurzeit scheinbar doch einigen kann, dann ist es die Liebe zum Tier.

So sorgte es über die oft beschworenen politischen und gesellschaftlichen Gräben hinweg für Entrüstung, als bekannt wurde, dass die Gouverneurin des Bundesstaats South Dakota, Kristi Noem, ihren Hund namens Cricket, Rasse Deutsch-Drahthaar, erschossen hat. Der vierzehn Monate alte Vierbeiner habe des Nachbarn Hühner gerissen und sei auch sonst kaum zähmbar gewesen, schildert Noem die bereits einige Jahre zurückliegende Episode in ihren jüngst erschienenen Memoiren.

Trump selbst ist nicht als Hundeliebhaber bekannt

Selbst beim rechten TV-Platzhirsch „Fox News“, (nein, dort laufen keine Tierdokus), löcherte man Noem mit kritischen Fragen. Für die Gouverneurin besonders bitter: Bis dato galt sie als aussichtsreiche Kandidatin im Rennen um die Vizepräsidentschaft an der Seite Trumps. Nun könnte sie ihr Pulver schon verschossen haben. Liefe es am Ende darauf hinaus, dass bei den Republikanern nicht Vizepräsident werden kann, wer seinen Hund erschießt, wäre das auch eine interessante Erkenntnis. Sonst ist man in der „Grand Old Party“ ja nicht so zimperlich, was die Haltung zur Waffe angeht.

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Trump selbst ist übrigens nicht als Hundeliebhaber bekannt. So sagte der ehemalige Präsident im Wahlkampf 2019: Mit einem Hund im Weißen Haus käme er sich dämlich vor. Dabei hätte er als präsidialer Hundebesitzer durchaus prominente Vorbilder. Etwa Harry S. Truman, der gesagt haben soll: „Wer einen Freund in Washington will, sollte sich einen Hund zulegen.“

Geht Amerika jetzt vor die Hunde? Dies zumindest befürchtet scheinbar Robert F. Kennedy jr. Der Neffe des legendären John F. Kennedy sorgt momentan mit seiner Kandidatur als unabhängiger Drittkandidat für reichlich Gebell. Kurioses aus dem Reich der Tiere erlebte offenbar auch er: Wie Kennedy der „New York Times“ berichtete, sei bei ihm vor einigen Jahren ein toter Wurm im Hirn gefunden worden. Dieser habe einen Teil seines Hirns gefressen und für „kognitive Probleme“ gesorgt.

Kennedy: Würde noch fünf weitere Würmer essen

Doch man kann unbesorgt sein: Der zerebrale Festschmaus des Parasiten hat Kennedys Siegesgewissheit offenbar nicht beeinträchtigt: Er würde sogar fünf weitere Würmer essen und sowohl Trump als auch Biden in Debatten schlagen, kündigte Kennedy an. Ob am Wurmloch im Kennedy-Kopf tatsächlich was dran ist? Wir wissen es nicht. Seine medizinische Akte machte der 70-Jährige – genauso wie Trump und Biden – bislang nicht öffentlich. 

Ein Jammer. Doch im ganzen Wahlkampf scheint ja irgendwie der Wurm drin zu sein. Kriege, Krisen und Konflikte gibt es ja zuhauf. In Amerika, ja weltweit. Doch irgendwie scheinen es Themen zu sein, die hauptsächlich die emotionale Ebene ansprechen, die Amerika derzeit mehr bewegen. So diskutiert die Führungsmacht der westlichen Welt eben über tote Hunde und Parasiten.

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Und auch der momentan laufende Strafprozess gegen Donald Trump gleitet ja mehr und mehr ins Boulevardeske ab. Als es im New Yorker Gerichtssaal noch um gefälschte Geschäftsunterlagen ging, soll dort eher Langeweile geherrscht haben. Bis schließlich Stormy Daniels, die inzwischen berühmte Mitwirkende in Schmuddelfilmen, von ihrem angeblichen Schäferstündchen mit Trump berichtete. Kein tierisches Vergnügen, wenn man ihren Aussagen glaubt. Immerhin soll Trump sie im Rahmen der verhängnisvollen Begegnung für ihren Intellekt gelobt haben. Sogar dem Richter waren all das zu viele Details, weshalb er zum Fokus auf das Wesentliche mahnte.

"Commander sollte erschossen werden"

Man möchte fast ein wenig Mitleid haben mit dem ehemaligen Präsidenten auf der Anklagebank. Was da alles Tag für Tag ausgebreitet wird, muss man erst einmal über sich ergehen lassen. Noch dazu, wenn es im Gerichtssaal, wie Trump beklagte, kalt „wie in einem Gefrierschank“ sei. Das kann durchaus gesundheitsgefährdend werden, schließlich ist der Mann bald 78 Jahr alt. Ob es seinem Mut, Selbstüberschätzung oder vielleicht ebenfalls einem Wurm im Hirn zu verdanken ist, dass Trump noch einmal das Präsidentenamt anstrebt, weiß man nicht. Bemerkenswert ist es allemal. Der Präsident hat schließlich kein Hundeleben, sondern einen Knochenjob. 

Joe Biden übrigens, den Trump so gerne endlich aus dem Weißen Haus verdrängen würde, gilt als stolzer Hundebesitzer. Sein Schäferhund Commander soll allerdings auch nicht gerade zimperlich sein, wenn jemand seinem Herrchen oder Frauchen zu nahekommt. 24 Agenten des „Secret Service“ attackierte er schon, weshalb er aus dem Weißen Haus verbannt wurde. 

Auch Hundeschreck-Gouverneurin Kristi Noem ließ das nicht unkommentiert: „Commander sollte erschossen werden“, tönte sie. Was wiederum Bidens Pressesprecherin zu einer verstörten Erwiderung veranlasste: Die USA seien doch ein Land, das Hunde liebe. Und das derzeit scheinbar keine ernsteren Probleme hat.

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