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Putin sollte jetzt verhandeln

Großbritannien, Frankreich und Deutschland weisen einen realistischen Weg zu Friedensgesprächen, doch der Kriegstreiber im Kreml träumt weiter von der Kapitulation Kiews.
Keir Starmer und Wolodymyr Selenskyj
Foto: IMAGO / Xinhua | Es ist nur naheliegend, dass die von Washington und Moskau unterschätzten und verhöhnten Europäer wieder auf die Bühne treten.

Vor genau einem Monat deutete der russische Präsident selbst seinen Wunsch nach einem baldigen Ende des Krieges an, nun lehnte er einen Vorschlag des ukrainischen Präsidenten zu Friedensgesprächen ab. „Elemente von Unverschämtheit“ ortete Wladimir Putin im entsprechenden Brief von Wolodymyr Selenskyj. Unverschämt mag aus Sicht des Aggressors schon sein, dass die überfallene Ukraine sich nicht einfach ergab, sondern seit Jahren unter größten Opfern Widerstand leistet, dass sie kämpft, ihre Identität verteidigt und als Staat zu überleben versucht. Unverschämt ist an Selenskyjs aktuellem Brief vermutlich, dass der ukrainische Präsident es ablehnt, nach Moskau zu kommen, ein russisches Friedensdiktat zu unterschreiben oder zu kapitulieren.

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Noch vor wenigen Monaten herrschte US-Präsident Donald Trump den Ukrainer in Washington mit maximaler Öffentlichkeitswirkung an, er habe keine guten Karten, also müsse er dankbar für jegliche Hilfe sein. In diesem Sinn meinte Trump, mit Putin in Alaska einen Kompromiss zugunsten Russlands und zulasten der Ukraine aushandeln zu können. Erfolglos, wie wir längst wissen, denn Moskau beharrte auf seinen Maximalforderungen.

Seither jedoch hat sich das Blatt gewendet: Die Karten der Ukraine sind gar nicht so schlecht, insbesondere dank ihrer erstaunlichen Innovationskraft in der Drohnentechnologie. Die Ukraine greift strategische und symbolische Ziele tief in Russland an, zuletzt sogar Putins Heimatstadt St. Petersburg.

Putin muss seine Illusionen begraben

Wladimir Putin kann militärisch noch viel zerstören, aber seinen Krieg nicht mehr gewinnen. In dieser Situation geht Trumps Verhandlungsstrategie ins Leere. Zudem hat sich Washington in Nahost zu tief verstrickt, um die Hände für anderes frei zu haben. Da ist es nur naheliegend, dass die von Washington und Moskau unterschätzten und verhöhnten Europäer wieder auf die Bühne treten. Großbritannien, Frankreich und Deutschland (E3 genannt) haben sich nun mit einem realistischen Vorschlag zu Wort gemeldet, der zumindest der Anfang eines Weges zum Frieden sein könnte.

Wenn Putin am Ende seines wahnwitzigen Vernichtungskrieges nicht als Angeklagter vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag oder als Opfer einer moskowitischen Palastrevolte enden möchte, sollte er den Vorschlag der Europäer gründlicher erwägen, als er dies bei Selenskyjs Brief tat. Denn die Initiative der E3 würde bedeuten, dass er zwar seine Kriegsziele nicht erreicht, aber möglicherweise überlebt und sich in Russland an der Macht halten kann. Mehr kann der Kremlchef nach all dem Leid, das er über das ukrainische wie über das russische Volk gebracht hat, nicht mehr erwarten. Putin muss sich von der Illusion befreien, er könne – vielleicht mit Gerhard Schröders Hilfe – in Verhandlungen noch erreichen, was er mit Krieg und Terror nicht erobern konnte.

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Stephan Baier Friedensverhandlungen Russische Regierung Wladimir Wladimirowitsch Putin

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