Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die kirchliche Präsenz „auf allen Ebenen im gesamten Heiligen Land zu bewahren“. Das versprach der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Taybeh. Das Dorf im Westjordanland ist die einzige rein christliche Ortschaft in den Palästinensergebieten und seit dem Vorjahr immer wieder Opfer gewalttätiger Attacken israelischer Siedler.
In seiner Predigt sagte der Patriarch, zu dessen Diözese neben Israel und Palästina auch Jordanien und Zypern zählen, der Glaube an Gott ermögliche es den Christen, die Hoffnung auch unter schwierigsten Umständen zu bewahren, weil die Macht des Bösen nicht absolut sei. Pizzaballa mahnte die Gläubigen, ihre Herzen vor „Verunreinigung“ zu bewahren: „Wir wollen eine Gemeinschaft bleiben, die Leben schenkt, ohne unsere Rechte, unser Recht auf Leben, aufzugeben oder zu verleugnen. Seid also mutig! Habt keine Angst!“ Im Juli hatte das israelische Militär das Gebiet von Taybeh mitsamt seinen Kirchen und landwirtschaftlichen Flächen zur militärischen Sperrzone erklärt und Israelis wie Ausländern den Zutritt oder Aufenthalt untersagt.
Angesichts der zunehmend schwierigen Lage für die palästinensischen Christen hat sich am Montag nun einer der Vorgänger von Pizzaballa, der emeritierte Lateinische Patriarch Michel Sabbah, zu Wort gemeldet. In einer von Vertretern unterschiedlicher christlicher Konfessionen unterzeichneten Erklärung heißt es, dass sich die Lage im Westjordanland täglich verschlechtere: „Siedlungsausbau, Gewalt durch die Armee und die Siedler, militärische Kontrollpunkte und Abriegelungen sowie die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die erschwerte Arbeitssuche, der eingeschränkte Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu den heiligen Stätten machen das Leben zunehmend schwerer und treiben die Menschen in immer tiefere Verzweiflung.“ Patienten, Krankenwagen und medizinisches Personal seien zunehmend Risiken ausgesetzt.
Christen „keine Relikte der Vergangenheit“
Betroffen seien christliche wie muslimische Palästinenser. „Wir lehnen jede Ideologie und jede Politik ab, die den Palästinensern das Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde in ihrem eigenen Land und ihren eigenen Häusern abspricht“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Text, den auch der griechisch-orthodoxe Erzbischof Atallah Hanna unterschrieb. Sabbah ist der bisher einzige Palästinenser an der Spitze des Lateinischen Patriarchats. Er wurde 1987 von Johannes Paul II. ernannt; 2008 folgte ihm der Jordanier Fouad Twal als Lateinischer Patriarch.
An die palästinensischen Christen appellieren die Unterzeichner der neuen Erklärung, der Versuchung zur Auswanderung zu widerstehen: „Lasst euch nicht von der Angst beherrschen und euch einreden, ihr wärt Fremde im eigenen Land.“ Die christlichen Palästinenser seien „keine Relikte der Vergangenheit“ und auch „keine vorübergehende Gemeinschaft“. Vielmehr gehörten sie zum Heiligen Land und seien „ein integraler Bestandteil seiner Bevölkerung, seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“. Ihre Anwesenheit sei auch „eine Präsenz des Glaubens“ im Land Christi. An die Staatengemeinschaft, insbesondere an die USA appellieren die Unterzeichner der Erklärung, „sich für ein Ende des Tötens, der Vertreibung und der Zerstörung einzusetzen“. Jahrzehntelange Kriegspolitik habe im Nahen Osten zur Vertreibung von Millionen Menschen beigetragen. Die am 27. Oktober bevorstehenden Wahlen zur Knesset, dem israelischen Parlament, sollten „neue Formen der Regierungsführung hervorbringen, die auf Gerechtigkeit und Fairness beruhen und zur Schaffung einer neuen Realität beitragen“, so hoffen die Unterzeichner.
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