Lastwagen mit Hilfsgütern des Lateinischen Patriarchats Jerusalem stehen bereit, um lebenswichtige Güter in den Gazastreifen zu bringen, werden aber nicht hineingelassen, sodass die Lebensmittel und Medikamente verderben. In Gaza bereitet die katholische Kirche die Wiedereröffnung einer ihrer drei Schulen für den Sommer vor, aber die anhaltend katastrophale Lage, bedingt durch die weitgehende Blockade durch Israel und die fortgesetzten Angriffe, stellt diese Möglichkeit in Frage.
Im Libanon reisen der maronitische Patriarch und der Apostolische Nuntius, der Vatikan-Botschafter im Land, durch den Süden, um persönlich Hilfsgüter zu verteilen und ihre Nähe zu den Menschen zu beweisen, die den israelischen Aufforderungen zur Evakuierung nicht Folge leisten wollten oder nicht wussten, wohin sie gehen sollten. Die libanesische Caritas und andere kirchliche Hilfsorganisationen, darunter Hunderte ehrenamtliche Jugendliche, kümmern sich im ganzen Land um Geflüchtete aus dem Süden. Ehrenamtliche Helfer und sogar Priester haben im humanitären Einsatz ihr Leben verloren.
Christen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesellschaften im Nahen Osten – im Heiligen Land genauso wie im Libanon. Doch angesichts von Krieg und Terror sehen sich viele Christen vor die Frage gestellt, welche Zukunft sie noch in ihren Heimatländern haben. Sollen sie gehen oder bleiben? Welche Zukunft können sie ihren Kindern bieten? Ohne Christen fehlt dem Nahen Osten etwas: Kirchliche Schulen bieten Bildung für alle, selbst in schwierigsten Zeiten, wie wir gerade im Gazastreifen und im kriegsgeschüttelten Libanon sehen.
Christliche Organisationen helfen Menschen in Not unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit aus ihrem Glauben heraus, dass jedem Menschen von Gott her die gleiche Würde zukommt – ein außergewöhnliches Zeugnis in einer Region, wo fast jeder erst mal an die eigene Gruppe denkt! Christen im Nahen Osten beten in Gemeinschaft mit ihren Glaubensgeschwistern weltweit für Versöhnung und Frieden und setzen sich mit ihren Händen und ihren Herzen vor Ort dafür ein. Ein Naher Osten ohne Christen wäre eine Region ohne Hoffnung. Wir in Europa können ihnen beistehen durch unser Gebet, unsere Stimme in der Öffentlichkeit und unsere Unterstützung über die christlichen Hilfswerke. Zögern wir nicht, denn es könnte bald zu spät sein. Die Welt braucht das Zeugnis der Christen des Nahen Ostens!
Der Autor ist Generalsekretär des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande.
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