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Per WhatsApp ins Gefängnis

Berichte über ein mutmaßliches „Blasphemie-Geschäft“ und drohende Vertreibungen zeigen, wie verletzlich Pakistans christliche Minderheit bleibt.
Kirche in Pakistan
Foto: IMAGO/Hussain Ali (www.imago-images.de) | Bedroht: Wachleute vor einem Kirchengrundstück an Weihnachten 2025 in Pakistan.

Seit fast einem Jahr hat Imran Rehman seine beiden kleinen Töchter nicht mehr gesehen. Der 35-Jährige sitzt seit September 2022 in Haft. Ihm wird vorgeworfen, in einer WhatsApp-Gruppe blasphemisches Material verbreitet zu haben, berichtet der „National Catholic Register“ (NCR). Anfangs brachte seine Frau Komal Mushtaq die Mädchen demnach noch ins Bezirksgefängnis von Lahore. Doch als die inzwischen siebenjährige ältere Tochter in der Schule immer schlechter wurde, weil sie unter den traumatischen Gefängnisbesuchen litt, durften die Töchter nicht mehr mitkommen.

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Rehmans Fall ist laut NCR kein Einzelfall. Ermittlungen von Polizeibeamten, Menschenrechtsbeobachtern und Auswertungen von Gerichtsakten deuten auf ein mutmaßliches Netzwerk hin, das soziale Medien nutzt, um Menschen in private Chats zu locken und sie anschließend der Blasphemie zu bezichtigen. Aktivisten sprechen inzwischen von einem regelrechten „Blasphemie-Geschäft“. Tehmina Arora, Direktorin für Interessenvertretung in Asien bei der christlichen Anwaltsorganisation ADF International: „Organisierte Gruppen, die Blasphemievorwürfe ausnutzen, um unschuldige Menschen ins Visier zu nehmen, untergraben die Rechtsstaatlichkeit und bringen Christen und andere schutzbedürftige Gemeinschaften in große Gefahr.“

Die Dimension ist erheblich: Ein Bericht der Nationalen Menschenrechtskommission zählte zwischen Oktober 2023 und Juli 2024 landesweit 767 Festnahmen im Zusammenhang mit Blasphemievorwürfen, die meisten davon in Punjab. Fünf Inhaftierte starben demnach in Gewahrsam. Unter den Festgenommenen waren auch Christen.

Kirchenvertreter warnen seit Jahren, dass die pakistanischen Blasphemiegesetze immer wieder missbraucht werden – zur Einschüchterung, zur Erpressung oder zur Austragung persönlicher Konflikte. Nach Angaben der katholischen „National Commission for Justice and Peace“ bleiben die Opfer oft praktisch unsichtbar: Viele Familien wissen tagelang nicht, wo ihre Angehörigen festgehalten werden. Der Rechtsweg ist lang, das politische Klima angespannt, der Druck auf Anwälte, Aktivisten und Unterstützer wächst.

Zur Unsicherheit kommt für viele Christen eine weitere Bedrohung hinzu. „Christian Daily International“ berichtet, dass Tausende christliche Familien in informellen Siedlungen in Islamabad fürchten, ihre Häuser zu verlieren. Betroffen sind unter anderem die Rimsha Colony und die Sharpar Colony, in denen viele christliche Arbeiterfamilien seit Jahren leben. Menschenrechtsgruppen warnen vor Vertreibungen ohne ausreichende Umsiedlungspläne.

Die Lage der Christen in Pakistan bleibt damit prekär. Nach Angaben von „Kirche in Not“ sind rund 96,8 Prozent der Bevölkerung Muslime, nur 1,7 Prozent Christen. Zwar hat Pakistan internationale Abkommen zur Religionsfreiheit ratifiziert, doch die weit gefassten Blasphemiegesetze schränken Meinungs- und Glaubensfreiheit weiterhin massiv ein. (DT/jg)

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