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Römische Beißhemmungen

Bei Donald Trump hat Papst Leo Mut bewiesen? Bei Tisch fragt man sich dann, ob er auch den „Furor teutonicus“ meistern kann.
Das römische Restaurant „Focolare“
Foto: Guido Horst | Das Restaurant „Focolare“ liegt auf dem Monteverde-Hügel in der Via Gabriele Rossetti, Hausnummer 42.

„Gut gebrüllt“, meint Monsignore und lässt sich schwungvoll auf einen Stuhl im „Focolare“ fallen. Wir sind mit dem Taxi gekommen, hatten uns gegen die Lokale rund um den Vatikan entschieden, in denen die Wände Ohren haben, und sind in den alten Stadtteil Monteverde hochgefahren, wo das nach „Herdfeuern“ benannte Restaurant seit 1945 in diskreter Atmosphäre eine hervorragende Küche bietet. Heute soll es Fisch sein – und da ist das „Focolare“ eine gute Adresse. Mit der geistlichen Gemeinschaft der Focolarini hat der Wirt übrigens nichts zu tun, nur um das hier klarzustellen.

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Unterwegs hatten wir schon über die jüngsten päpstlichen Auslassungen gesprochen – da hatte es ja auf der Afrikareise und kurz zuvor so einige gegeben: Der lammfromme Leo hat sich zum mutigen Löwen gemausert. Aber dennoch muss sich Monsignore fragen lassen, ob der Vatikan gedenkt, die Weltkirche weiter mit päpstlichen Interviews und Statements vor Journalisten leiten zu wollen, oder ob seinen Worten auch Taten folgen. Bischof Johann Bonny von Antwerpen will bis 2028 in seiner Diözese verheiratete Männer zu Priestern weihen. Das hat er in einem Hirtenbrief angekündigt – und nicht im privaten Kreis gesagt. Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ glaubt in der Frage der Frauenweihe behaupten zu müssen, die Hälfte des Volkes Gottes leide, weil sie keinen Zugang zu Weiheämtern habe. Und der Münchener Kardinal Reinhard Marx drückt seinen Seelsorgern Segensfeiern „für Paare, die sich lieben“ aufs Auge, von denen er genau weiß, dass Papst und Vatikan ausgerechnet solche förmlichen Riten nicht wollen.

Skandal mit Kardinal

Nach dem „Antipasto di mare“ sind wir inzwischen bei Tagliolini mit Seebarsch und Rogen sowie Fettuccine mit Artischocken und Muscheln angelangt und Monsignore lächelt, wie die Kurialen lächeln, wenn sie zu erklären haben, warum der Vatikan Unbotmäßigkeiten nicht mit Stumpf und Stil ausrottet, sondern mit einer Engelsgeduld mahnt und bittet, ohne den Hammer von der Wand zu nehmen. Vor allem, fügt er an, werde Rom in den seltensten Fällen proaktiv. Wenn er überall in der Welt von sich aus eingreifen wollte, wo sich die Dinge schief entwickeln, wäre der Apparat völlig überfordert. Etwas anderes wäre es, wenn Gläubige oder Priester im Vatikan eine Beschwerde einreichen würden. Da seien die Chancen beträchtlich gestiegen, dass Rom reagiert. Und zu dem Münchener Fall merkt Monsignore an, dass der letzte Kardinal, der diesen Titel verloren habe, der missliche Theodor McCarrick gewesen sei – also ein Skandal von einer ganz anderen Tragweite. Der letzte Papst, der einem Kardinal den Purpur genommen habe, sei davor Pius XI. gewesen. Nach offenem Streit mit dem französischen Kardinal Louis Billot wegen der rechts-monarchistischen „Action française“ habe er den Ordensmann als „Herr Pater“ entlassen – aber das sei schon fast 100 Jahre her.

Die Nachfrage, ob denn der Vatikan gegenüber den Deutschen nicht doch eine gewisse Beißhemmung habe, will Monsignore nicht sofort zurückweisen. Da sei der Vatikan halt wie die Italiener: Sie achten die Deutschen, mögen sie aber nicht, und verstehen, fügte er an, würden sie die auch nicht immer. Spielt dabei das Geld der reichen Kirche jenseits der Alpen eine Rolle? Auch da will Monsignore nicht sofort Nein sagen. Doch die Zeiten seien vorbei, in denen die Deutschen die großen Zahlmeister waren und reichlich „San Marco“ in die vatikanischen Kassen floss. Zum Abschluss bestellen wir eine Zabaione, eine warme Weinschaumcrème, geben dem „Focolare“ die volle Punktzahl und trinken noch einen starken Espresso, um für den längeren Verdauungsspaziergang zurück zu den heiligen Mauern gerüstet zu sein.

Das Restaurant „Focolare“ liegt auf dem Monteverde-Hügel in der Via Gabriele Rossetti, Hausnummer 42.

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