Auch in Rom mehren sich die Bistros und reihen sich ein in die lange Liste von Trattorias, Osterias, Tavernen, „ristoranti“ und wie die Lokale alle heißen mögen. Ihr Vorteil ist: In Bistros geht alles oft sehr schnell und Herr Professor hat wenig Zeit. Also steuern wir die „Stechmücke“ an – oder „La Zanzara“, wie das Ding wirklich heißt –, vor allem für jüngere Leute ein beliebter Treffpunkt in der Nähe der Piazza del Risorgimento an der Mauer des Vatikans. Es ist noch keine 13 Uhr und das Ding ist schon rappelvoll. Die Spaghetti „al dente“ mit sardischem Kaviar und frischen Thunfischwürfelchen sind exquisit, aber Herr Professor schaut wieder mal nicht auf das, was er gerade isst, und ist schon in die Darlegung seiner nicht immer sehr freundlichen Gedanken vertieft. Zweimal gedenkt man jetzt des Papsttods vor einem Jahr: am Ostermontag, an dem genau Franziskus starb, und am 21. April, dem eigentlichen Todestag. Für den Professor ist das ein bisschen viel und vor allem stören ihn die Mystifizierungen.
So sei das Päpstliche Almosenamt unter Papst Franziskus ein wahres Durcheinander gewesen. Den Ausdruck, den Herr Professor auf Italienisch für „Durcheinander“ verwendet, wollen wir hier nicht im Original wiedergeben, er ist wohl doch etwas zu hart. Jedenfalls muss der Medienliebling Kardinal Konrad Krajewski, der das – wie es jetzt heißt – Dikasterium für den Dienst der Nächstenliebe leitete und als Sondergesandter von Papst Franziskus Hilfstransporte in die Ukraine organisierte, im Almosenamt des Vatikans Herr über eine Ansammlung von schwarzen Kassen gewesen sein. Keine ordentliche Buchhaltung, keine Bilanzen, meint der Professor zu wissen. Papst Leo, schlau wie er ist, hat Krajewski als Ortsbischof in dessen polnische Heimatstadt Lódz versetzt und einen Mitbruder aus dem Augustinerorden zum neuen Almosenmeister ernannt, den spanischen Bischof Luis Marín de San Martín, der seit 2021 Untersekretär der römischen Bischofssynode war. Bereits 2008 hatte der damalige Prior des Augustinerordens, Pater Robert Prevost, Marín de San Martín zum Generalarchivar seines Ordens in Rom gemacht. Bleibt zu hoffen, meint Herr Professor, dass der Augustiner im Almosen-Dikasterium einen ordentlichen Kassensturz macht und in seinem Haus wieder für Ordnung sorgt. Und Krajewski könne als Erzbischof von Lódz dort auch nicht mehr wirtschaften, wie es ihm beliebt, da seien selbst polnische Ordinariate inzwischen sortierter.
Es geht natürlich auch ums Geld
Wir sind inzwischen beim Filet angelangt, einem „Filetto al Josper“ mit frischen Erbsen, Frühlingszwiebeln und gerösteten Bauchspeckstreifen. Daneben ein Schälchen mit weißen Bohnen in Öl. Und darüber ein Zweiglein Rosmarin. Als Nächstes möchte sich Herr Professor in der vatikanischen „Fondazione Joseph Ratzinger – Benedetto XVI“ umsehen. Wie man hört, hat der neue Präsident Roberto Regoli, Professor für Kirchengeschichte an der Gregoriana, nicht mehr die Nöte seines langjährigen Vorgängers Pater Federico Lombardi SJ, einem Jesuitenpapst doppelt verpflichtet zu sein und auch gegenüber Ansinnen von oben aufgeschlossen zu sein, die sich mit den Zielen der „Fondazione“ eigentlich nicht vertragen. Da geht es natürlich auch ums Geld. Und auch Regoli will nun Konten offenlegen und für einen sauberen Haushalt sorgen – gerade rechtzeitig, da man jetzt doch das Jubiläum „100 Jahre Joseph Ratzinger“ begeht. Dazu mehr bei einem anderen Mahl.
Zum Abschluss bestellen wir eine Crème brûlée mit Ingwer und geben der Stechmücke acht von zehn Punkten. Auch wenn alles bestens war, kann man doch einem modischen Bistro nicht die gleiche Punktzahl geben wie einem der klassischen Lokale unter den Trattorias und „ristoranti“ Roms.
Das Bistro „La Zanzara“ liegt in Vatikannähe in der Via Crescenzio, Hausnummer 84.









