Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Ex-Vize zieht Kandidatur zurück

Pence scheitert an Drahtseilakt

Der ehemalige Vizepräsident wollte sowohl bei Trump-Anhängern wie Gegnern punkten. Das ging nach hinten los. Ein Kommentar.
Mike Pence zieht Kandidatur zurück
Foto: IMAGO/Gage Skidmore (www.imago-images.de) | Die Trump-Fans haben Mike Pence seine Abkehr von ihrem Idol nie verziehen; die Trump-Kritiker die Tatsache, dass er sich überhaupt mit dem Immobilienunternehmer von zweifelhaftem Ruf einließ.

Das Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber ist um einen prominenten Namen ärmer: Mike Pence, von 2017 bis 2021 Vizepräsident unter Donald Trump, hat seine Kandidatur zurückgezogen. Ihm sei klar geworden, „dass dies nicht meine Zeit ist“, begründete der tief gläubige evangelikale Christ seine Entscheidung.

Der Schritt des 64-Jährigen kommt nicht überraschend, sondern verdeutlicht vielmehr, dass die Republikaner scheinbar unaufhaltsam zum Verein der Trump-Loyalisten verkommen.  Wer sich der Haltung des umstrittenen Ex-Präsidenten nicht fügt, diesen kritisiert und insbesondere dessen Narrativ vom gestohlenen Wahlsieg nicht vertritt, wird über kurz oder lang von der Bildfläche verdrängt.

Die Gründe für das Scheitern von Mike Pence

Am Ende der Präsidentschaft Trumps hatte sich Pence geweigert, dessen Versuche zu unterstützen, das Wahlergebnis zu kippen. Von einigen als Held des Trump-Widerstands verehrt, startete er im Juni seine Wahlkampagne. Doch weder bei republikanischen Spendern noch unter Parteianhängern konnte er jemals für Begeisterung sorgen. Am Ende standen Hunderttausende Dollar an Schulden Umfragewerten gegenüber, die kaum über die Marke von vier Prozent kletterten. 

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Die Gründe für das Scheitern liegen auf der Hand: Pence gelang es nicht, den Drahtseilakt zu meistern, der aus seiner einstmals engen Verbindung zu Trump herrührt. Er versuchte einerseits, bei Trump-Gegnern zu punkten, da er sich von seinem Ex-Chef losgesagt hatte und sich nun als einer der letzten Republikaner in der Tradition Ronald Reagans stilisierte. Andererseits hoffte er auf Stimmen der Trump-Fans, indem er sich als eigentlichen Denker und Lenker der Regierung Trump/Pence präsentierte und in Aussicht stellte, zumindest dessen konservative Gesellschaftspolitik fortzusetzen.

Beides ging nach hinten los. Die Trump-Fans haben ihm seine Abkehr von ihrem Idol nie verziehen; die Trump-Kritiker die Tatsache, dass er sich überhaupt mit dem Immobilienunternehmer von zweifelhaftem Ruf einließ. Ein kleiner Lichtblick bleibt: Je eher sich das überfüllte Bewerberfeld auf einen starken Gegenkandidaten zu Trump festlegt, desto besser. Ansonsten dürfte Trumps Durchmarsch nur schwer zu verhindern sein.

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Maximilian Lutz Donald Trump Mike Pence Ronald Reagan

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