Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erst Moskau, dann Peking

Orbáns fruchtlose Friedensmission

Russische Raketenangriffe auf die Ukraine bilden die makabre Hintergrundmusik zu Viktor Orbáns Friedensbemühungen. Ein Kommentar.
Ungarns Premierminister Viktor Orbán und Chinas Staatsschef Xi Jingping
Foto: IMAGO/Li Xueren (www.imago-images.de) | Während der ungarische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident in Peking für einen Waffenstillstand in der Ukraine warb, ließ Putin Waffen sprechen.

Was der Alleinherrscher im Kreml von der Friedensinitiative seines Bewunderers Viktor Orbán hält, zeigten die russischen Raketenangriffe auf die Ukraine am Montag. Während der ungarische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident in Peking für einen Waffenstillstand in der Ukraine warb, ließ Putin Waffen sprechen: Sogar ein Kinderkrankenhaus in Kiew wurde gezielt mit Raketen beschossen. Landesweit wurden bei russischen Raketen-Attacken etwa 30 Zivilisten getötet und mehr als 100 schwer verwundet. Einer der schwersten russischen Angriffe auf Kiew seit Kriegsbeginn bildet die makabre Hintergrundmusik für Orbáns Friedensbemühungen.

Lesen Sie auch:

Sollte irgendjemand noch darüber im Zweifel gewesen sein, wer in diesem „Konflikt“ der Aggressor ist, so konnte er sich an diesem Montag ein Bild davon machen. Und sollte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping tatsächlich – wie Orbán es verstanden haben will – einen Waffenstillstand wünschen oder gar fordern, dann darf der chinesische Tyrann das bei seinem Waffenbruder in Moskau mit entsprechendem Nachdruck deponieren. Denn eine Feuerpause oder ein Waffenstillstand tritt nur dann ein, wenn Wladimir Putin ihn seinen Truppen befiehlt. In einem nämlich hat Orbán völlig Recht: „China ist eine entscheidende Macht, um die Bedingungen für Frieden im Russland-Ukraine-Krieg zu schaffen.“ Ohne Pekings Rückendeckung kann Putin seinen Krieg nicht fortsetzen.

Die globale Dominanz des „kollektiven Westens“ brechen

Dass Xi Jinping ihn zur Waffenruhe auffordert, ist allerdings derzeit höchst unwahrscheinlich. Beide haben sich auf das Ziel verständigt, die globale Dominanz des „kollektiven Westens“ zu brechen und an einer „neuen Weltordnung“ zu bauen. Am Montag konnten sich Xi und Putin darin nur bestätigt fühlen: Der Höflichkeitsbesuch des indischen Regierungschefs Narendra Modi in Moskau bewies dem Kreml, dass auch die größte Demokratie der Welt bei diesem globalen Spiel mitmachen möchte.

Die im Alleingang geplanten und mit keiner EU-Institution abgestimmten Besuche Viktor Orbáns zunächst in Kiew und Moskau, dann am Samstag bei der Organisation der Turkstaaten in Aserbaidschan und schließlich am Montag in Peking belegten – zur Freude von Putin und Xi Jinping – dass das „dekadente“ Europa tatsächlich so uneinig und gespalten ist, wie sie es für ihre Weltmachtträume ersehnen. Dem Frieden im Osten Europa hat uns Orbáns „Friedensmission“ wohl keinen Schritt nähergebracht.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Narendra Modi Russische Regierung Viktor Orbán Wladimir Wladimirowitsch Putin Xi Jinping

Weitere Artikel

Während Donald Trump der Ukraine immer neue Zugeständnisse abringt, führt Wladimir Putin seinen Eroberungskrieg ungebremst weiter.
17.12.2025, 11 Uhr
Stephan Baier
Aus Präsident wird Ministerpräsident: Rumen Radew hat die Wahl in Bulgarien gewonnen. Russland kennt er noch aus Sowjetzeiten.
21.04.2026, 16 Uhr
Henry C. Brinker

Kirche

Der Papst sieht den Moment gekommen, die Künstliche Intelligenz zu „entwaffnen“. Eigentlich geht es in „Magnifica humanitas“ aber eher um das „technokratische Paradigma“.
27.05.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Auch die Entwickler selbst fürchten, dass sich eine Superintelligenz einmal gegen den Menschen richten könnte: Die KI-Enzyklika Papst Leos geht auf reale Sorgen ein.
27.05.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Kommt die Seligsprechung? Wie Erzbischof Georg Gänswein bestätigt, sammelt das Dikasterium für die Heiligsprechung Schreiben aus aller Welt, die Gebetserhörungen dokumentieren.
27.05.2026, 14 Uhr
Regina Einig
Trotz Warnungen aus Rom: Die FSSPX gibt die Namen der Kandidaten für die geplanten Bischofsweihen bekannt. Auch dem Papst sollen sie bereits vorgestellt worden sein.
27.05.2026, 11 Uhr
Meldung
Neuer Teilnehmerrekord, Durchschnittsalter bei 21 und die Abschlussmesse mit Kardinal Burke: Chartres versammelte wieder Zehntausende. Was sagt das über die junge Generation?
27.05.2026, 10 Uhr
Elisabeth Hüffer