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Niger: Christliche Minderheit in Gefahr

Hilfswerke befürchten nach dem Militärputsch im Land eine politische Destabilisierung, von der auch die christliche Minderheit betroffen sei.
Mann hält russische Fahne bei einem Marsch von Putschisten
Foto: Sam Mednick (AP) | Ein Mensch hält eine russische Nationalfahne, während er an einem Marsch teilnimmt, zu dem Anhänger des Putschisten General Omar Tchiani aufgerufen haben.

Nach dem Militärputsch im westafrikanischen Niger sieht das katholische Hilfswerk missio Aachen  langfristig auch die christliche Minderheit im Land in Gefahr. „Zurzeit mag es dort relativ ruhig sein“, erklärte der Leiter der Auslandsabteilung, Frank Kraus, am Freitag in Aachen. Langfristig befürchtet das Hilfswerk jedoch eine politische Destabilisierung, von der auch die christliche Minderheit betroffen sei.

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Kirchen und christliche Organisationen hätten in der noch jungen Demokratie des Landes aktiv am Aufbau einer pluralen Zivilgesellschaft und an einer interreligiösen Verständigung mitgewirkt, so Kraus. Niger als Vorbild für andere Staaten, das sei die Hoffnung gewesen. „Diese Hoffnung ist enttäuscht.“ Viele Hilfsprojekte der Kirche in dem Land würden von Christinnen und Christen aus unterschiedlichen afrikanischen Staaten unterstützt oder geleitet. Noch sei unklar, was der Militärputsch für sie bedeute. „Wir hoffen, ihre Sicherheit ist nicht gefährdet, und sie können bleiben“, erklärte Kraus. Die christliche Minderheit umfasst laut dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ etwa 72.000 Personen  (0,3 Prozent der Gesamtbevölkerung). 

Wichtigste Partner der Europäer in der Sahelzone

Niger war der wichtigste Partner der Europäer in der Sahelzone, erläutert gegenüber der „Tagespost“ Ulf Laessing, Leiter der Regionalprogramms Sahel der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mali: „EU-Mitglieder haben in den letzten zwei Jahren viel in die nigrischen Streitkräfte investiert, um zu verhindern, dass Dschihadisten aus Nord-Mali mit dem Abzug der Bundeswehr über die gemeinsame Grenze kommen.“

Diese Kooperation sei jetzt wohl hinfällig. Die nigrische Armee werde sicher gespalten aus dem Coup hervorgehen, meint der Sahel-Experte: „Die Offiziere und Kommandeure werden mehr mit dem Machterhalt beschäftigt sein und weniger Zeit für den Kampf gegen die Dschihadisten haben. Das Gleiche gilt für den Kampf gegen die Migration, wo Niger auch ein Hauptpartner ist, die weitere Zusammenarbeit aber unklar ist.“  

In den vergangenen Jahren war das westafrikanische Land in den Mittelpunkt der westlichen Bemühungen gerückt, dem gewaltsamen Vormarsch der Dschihadisten in Westafrika und auch dem wachsenden militärischen Einfluss Russlands entgegenzuwirken. Dschihadistengruppen wie der „Islamische Staat im Großraum Sahara“ (ISGS), Ableger von Al-Qaida und Boko Haram sind im Land aktiv. Präsident Mohamed Bazoum galt als ein wichtiger Verbündeter des Westens im Kampf gegen islamische Extremisten. Nach Militärputschen in Mali und Burkina Faso war der Niger das letzte der drei Nachbarländer in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewählten Regierung geführt wurde.

Pläne der Bundesregierung zunächst gescheitert

Am vergangenen Mittwoch wurde der Präsident in seinem Palast festgesetzt und für entmachtet erklärt. Der Chef der Präsidentengarde im Niger, General Omar Tchiani, ernannte sich selbst zum Präsidenten des Nationalen Rats und damit zum neuen Machthaber des Landes. Die hochfliegenden Pläne, nicht zuletzt der Bundesregierung, in einer Art Sahel-Strategie nicht nur die Islamisten in der Region zu bekämpfen, sondern auch Einfluss auf Länder zu bekommen, die wichtige Flüchtlingsrouten kontrollieren, sind erst einmal gescheitert.  DT/chp

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