Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung ZAGREB

Neuer Abtreibungsstreit in Kroatien

Demonstrationen für und gegen einen konsequenten Schutz des ungeborenen Lebens. Zeitgleich war Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in der kroatischen Hauptstadt.
Kroatien, Proteste für sogenanntes "Recht auf Abtreibung" in Zagreb
Foto: IMAGO/Igor Kralj/PIXSELL (www.imago-images.de) | In Kroatien ist der Streit um die Abtreibungsgesetzgebung neu entbrannt. Im Bild Proteste für ein "Recht auf Abtreibung". Lebensrechtler planen am morgigen Samstag in Zagreb eine große Pro-Life-Demonstration.

In Kroatien ist der Streit um die Abtreibungsgesetzgebung neu entbrannt. Zeitgleich mit dem Besuch des vatikanischen Kardinalstaatssekretärs fand am Donnerstag in der kroatischen Hauptstadt Zagreb eine große Demonstration für ein liberaleres Abtreibungsrecht statt. Die Frau sei „Herrin des eigenen Körpers“ war auf Transparenten zu lesen, und: „Kein Klerikalismus mehr in gynäkologischen Kliniken“. Ausgelöst wurden die Proteste durch den Fall der 39-jährigen Mirela Cavajda. Ihr hatten mehrere Kliniken in Zagreb eine Abtreibung verweigert, nachdem bei dem Kind in ihrem Leib im sechsten Schwangerschaftsmonat ein Gehirntumor diagnostiziert wurde.

Lesen Sie auch:

In Kroatien sind Abtreibungen grundsätzlich nur bis zur zehnten Schwangerschaftswoche straffrei. Einer Umfrage des Ombudsmanns für Geschlechtergleichstellung zufolge verweigern 59 Prozent der kroatischen Ärzte Abtreibungen aus Gewissensgründen. Die oppositionelle Sozialdemokratie (SDP) hat nun einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Abtreibungsrechts im Parlament eingebracht. Am morgigen Samstag findet in Zagreb eine große Pro-Life-Demonstration statt, der siebte „Marsch für das Leben, die Familie und Kroatien“. Zwischen 21. Mai und 11. Juni planen die kroatischen Lebensschützer weitere Demonstrationen, etwa in Split, Zadar, Sisak und Osijek.

Vatikan wirbt für Stabilisierung Bosniens

Unterdessen besuchte der Staatssekretär des Papstes, Kardinal Pietro Parolin, am Mittwoch und Donnerstag den kroatischen Präsidenten Zoran Milanovic, Regierungschef Andrej Plenkovic und die Bischofskonferenz des Landes. Ein Thema war dabei auch die zunehmend bedrängte Lage der Katholiken in Bosnien-Herzegowina. Der Kardinalstaatssekretär sprach sich für die Anerkennung gleicher Rechte und gleicher Pflichten der drei Völker Bosnien-Herzegowinas aus, ohne die offenkundige Diskriminierung der kroatischen Katholiken direkt beim Namen zu nennen.

Angesichts der separatistischen Bestrebungen des serbischen Landesteils in Bosnien (Republika Srpska) fiel auch auf, dass Parolin betonte, der Vatikan wolle die internationale Gemeinschaft weiterhin auf die Bedeutung der Stabilität in Bosnien-Herzegowina hinweisen.

Kardinal Parolin würdigte in seiner Rede vor dem kroatischen Episkopat die „bedingungslose Treue“ des kroatischen Volkes gegenüber dem Apostolischen Stuhl seit Jahrhunderten. Er erinnerte zugleich daran, dass der Heilige Stuhl zu den ersten gehörte, die 1992 die Unabhängigkeit Kroatiens von Jugoslawien anerkannten. In einer Rede vor dem Sabor, dem Parlament Kroatiens, sagte der Kardinalstaatssekretär: „Auch in einer Gesellschaft, die tief mit dem Katholizismus verbunden ist, braucht man Regeln, damit die politischen Autoritäten sich nicht in die Angelegenheiten der Kirche einmischen, oder umgekehrt.“ DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Abtreibungsrecht Katholikinnen und Katholiken Klerikalismus Lebensschutz Marsch für das Leben Pietro Parolin Republika Srpska

Weitere Artikel

Das Leben von Mutter Teresa ist ein Zeugnis für den christlichen Lebensschutz. Immer wieder prangerte sie das Übel der Abtreibung an. Doch verhallten ihre Mahnungen oft ungehört.
27.12.2025, 17 Uhr
Manfred Spieker
Wie ein Vorarlberger Bauernbub Mönch wurde, ein trappistisches Kraftzentrum im Osmanischen Reich gründete und schließlich Abt in Südafrika wurde.
27.09.2025, 13 Uhr
Stephan Baier
Pro-Life-Organisationen begrüßen die Entscheidung, die das ungeborene Kind im Zivilrecht zur „natürlichen Person“ erklärt. Ärzte warnen vor Risiken für Notfallmedizin.
29.12.2025, 14 Uhr
José García

Kirche

Wenn Fasten zum Lifestyle wird, verdunkelt es das, worum es eigentlich geht.
22.03.2026, 13 Uhr
Sina Hartert
Mit einem feierlichen Requiem nahmen Kirche und Politik Abschied von Erfurts langjährigem Bischof Joachim Wanke. Bischof Feige erinnerte auch an seinen „legendären" Sinn für Humor.
22.03.2026, 11 Uhr
Meldung
Inmitten von Gewalt und Bedrohung setzt der Libanon ein sichtbares christliches Zeichen in der Bekaa-Ebene – als Pilgerstätte und Ort der Erneuerung.
20.03.2026, 14 Uhr
José García
Die Auferweckung des Lazarus zeigt die Macht Christi über den Tod , und verweist zugleich auf seine eigene Verherrlichung am Kreuz.
21.03.2026, 21 Uhr
Nina Heereman
Wenn der Römer essen geht, darf man auch mal Luft ablassen. Vor allem dann, wenn die kuriale Papierflut kein Ende nimmt.
22.03.2026, 05 Uhr
Mario Monte