Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nigeria

Mindestens 29 Christen über Ostern ermordet

Während Christen Ostern feierten, wurden in Nigeria erneut Kirchen und Dörfer angegriffen. In Kaduna und Benue starben mindestens 29 Gläubige, zahlreiche weitere wurden entführt.
Kreuzwegdarstellung in Nigeria
Foto: Adekunle Ajayi (imago stock&people) | Darbietung mit Parallelen in der Gegenwart: nigerianische Christen stellen Jesu Kreuzweg dar, Lagos 2017.

Am Ostersonntag haben mutmaßliche Fulani-Angreifer im nigerianischen Bundesstaat Kaduna bei Überfällen auf zwei Gottesdienste mindestens zwölf Christen getötet. Zuvor waren in Benue bereits 17 Christen ermordet worden. Damit hält die schwere Gewalt gegen Christen in Nigeria auch über die Osterfeiertage an, wie „Christian Daily International" berichtet.

Lesen Sie auch:

In der mehrheitlich christlichen Stadt Ariko (Bezirk Kachia, Kaduna) eröffneten die Angreifer demnach während der Gottesdienste das Feuer auf Gläubige in der Evangelical Church Winning All (ECWA) und der katholischen St.-Augustinus-Kirche. Anwohner melden zahlreiche Entführungen; beide Kirchengebäude sind beschädigt.

„Die als Fulani-Banditen identifizierten Angreifer waren in großer Zahl", sagte Mark Bawa vom Kachia-Rat. Sie hätten die Gemeinden umzingelt und während des Gottesdienstes angegriffen. Zunächst war von mindestens acht Toten die Rede, später bargen Sicherheitskräfte weitere Leichen – die Zahl erhöhte sich auf zwölf Todesopfer. Mehrere Dutzend Christen wurden in den Busch verschleppt. Auch Gideon Michael, ein Einwohner, bestätigte den koordinierten Angriff bewaffneter Fulani auf beide Kirchen. 

Im Bundesstaat Benue wurden am frühen Ostersonntag im Dorf Jande (Mbalom, Gwer East) 17 Christen von mutmaßlichen Fulani-Hirten getötet. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, weitere Bewohner entführt. Gouverneur Hyacinth Alia bezeichnete den Überfall als „abscheulich“ und für seine Regierung inakzeptabel.

Die meisten getöteten Christen starben hier

Nigeria bleibt das Land, in dem weltweit die meisten Christen wegen ihres Glaubens getötet werden. Laut Open Doors‘ Weltverfolgungsliste 2026 wurden von 4.849 global getöteten Gläubigen 3.490 (72 Prozent) in Nigeria ermordet – mehr als im Vorjahr (3.100). Das Land rangiert auf Platz sieben der stärksten Christenverfolgungen.

Zwar vertreten nicht alle Fulani extremistisches Gedankengut. Doch ein Bericht der britischen „All-Party Parliamentary Group for International Freedom of Belief“ verglich bereits 2020 radikalisierte Fulani-Gruppen mit Boko Haram und ISWAP (dem „Islamischen Staat in der Provinz Westafrika“). Christliche Führer melden seit langem gezielte Angriffe auf christliche Dörfer im sogenannten Middle Belt, verbunden mit Landnahme, Vertreibung und islamistischer Gewalt. Der Terror breitet sich aus – durch Entführungen und neue Gruppen wie Lakurawa im Nordwesten, die mit modernen Waffen agiert und mit der expansionistischen Al-Qaida-Rebellengruppe Jama’a Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin (JNIM) kooperiert, die ihren Ursprung in Mali hat. (DT/jg)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Boko Haram Islamischer Staat Open Doors Ostersonntag

Weitere Artikel

US-Präsident Donald Trump will die Christenverfolgung im Norden Nigerias mit der Androhung eines Militärschlags stoppen. Hilfsorganisationen äußern sich zurückhaltender zur Lage.
06.11.2025, 09 Uhr
Stephan Baier
Das christliche Hilfswerk „Open Doors“ berichtet von zunehmender Gewalt, staatlicher Repression und Fluchtbewegungen.
14.01.2026, 11 Uhr
Meldung
Im Europaparlament schildert Bischof Wilfred Chikpa  Anagbe die brutale Christenverfolgung. Seine Warnung: Wer nicht handele, riskiere die Flüchtlings- und Terrorkrise von morgen.
29.11.2025, 09 Uhr
José García

Kirche

Latein, Stille, Weihrauch und gregorianischer Gesang: Chartres-Wallfahrtsorganisator Philippe Darantière sieht im „Vetus Ordo“ eine Rückkehr zum Wesentlichen.
23.05.2026, 14 Uhr
Meldung
Rückenwind für Papst Leo – und Versöhnung mit Franziskus: die US-Bischöfe weihen ihr Land im Juni dem Herzen Jesu. Damit geben die Katholiken ihrer gespaltenen Nation ein Beispiel.
23.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Hitler begriff ihn als persönlichen Feind: Clemens Graf von Galen. Die Predigten des Bischofs von Münster gegen die Euthanasie sind auch heute eine Richtschnur.
22.05.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
1.200-Jahr-Feier des heiligen Ansgar: Deutsch-dänischer Studientag zum Apostel des Nordens.
22.05.2026, 11 Uhr
Claudia Kock