Die Gewalt gegen Christen hat weltweit erneut zugenommen. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Weltverfolgungsindex 2026 des christlichen Hilfswerks „Open Doors“ hervor. Demnach erreicht die Verfolgung von Christen einen neuen Höchststand: 388 Millionen Christen sind einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung und Gewalt ausgesetzt. In 50 Ländern ist die Lage besonders kritisch.
Am stärksten betroffen ist weiterhin Nordkorea. Christen gelten dort als „Staatsfeinde Nummer eins“. Laut Bericht werden sie in Arbeitslager verschleppt, wo ihnen systematische Folter und Hinrichtungen drohen. Das Regime betrachtet das Christentum als Bedrohung und unterdrückt es mit äußerster Brutalität.
Dramatische Lage in Syrien
Eine besonders deutliche Verschlechterung der Lage verzeichnet der Bericht auch in Syrien. Christen werden dort eingeschüchtert, bedroht oder getötet. Lautsprecherwagen rufen öffentlich zur Konversion auf, Christen werden zur Zahlung einer Kopfsteuer aufgefordert. Viele Gläubige ziehen sich aus dem öffentlichen Leben zurück oder verlassen das Land ganz.
Wie „Open Doors“ in einem Video dokumentiert, nehmen seit einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Damaskus viele Christen aus Angst nicht mehr an Gottesdiensten teil. Am 22. Juni 2025 wurden dort während der Abendmesse 22 Gottesdienstbesucher getötet und über 50 verletzt. Es war der erste große Terroranschlag gegen Christen seit dem Sturz des Assad-Regimes Anfang Dezember 2024.
Diese und andere Gemeinden haben ihre Aktivitäten infolgedessen aus Sicherheitsgründen auf ein Minimum reduziert. Derzeit leben in Syrien nur noch rund 300.000 Christen. Das Hilfswerk geht davon aus, dass die Fluchtbewegungen weiter anhalten werden.
Subtilere Formen der Repression
Der Weltverfolgungsindex dokumentiert aber nicht nur offene Gewalt, sondern auch subtilere Formen der Repression: Plünderungen von Kirchen, wie etwa in Äthiopien und Burkina Faso, oder staatlich angeordnete Kirchenschließungen, wie in Algerien. Dort wurden alle 47 protestantischen Kirchengemeinden geschlossen, überwacht und christliche Aktivitäten unterbunden. Nach Angaben von „Open Doors“ leben 75 Prozent der evangelischen Christen weltweit isoliert, ohne Kontakt zu anderen Gläubigen. Selbst Online-Aktivitäten geraten zunehmend ins Visier der Behörden.
In China gelten seit September 2025 neue Vorschriften, die sämtliche Online-Aktivitäten von Geistlichen reglementieren. Online-Gottesdienste, Spendensammlungen und christliche Jugendarbeit außerhalb staatlicher Kontrolle sind verboten. Geistliche dürfen nur auf zensierten Plattformen predigen, müssen die kommunistische Partei unterstützen und Menschen zur Anpassung an die sozialistische Gesellschaft anleiten. Auch geistliche Apps, Gebete um Heilung oder Katechesen sind untersagt. Viele Christen treffen sich deshalb nur noch im Untergrund.
Bedrohung durch Islamisten
Einen besonders dramatischen Schwerpunkt der Christenverfolgung sieht „Open Doors“ in Subsahara-Afrika. In 14 Ländern der Region sind Christen massiv betroffen. Islamistische Gruppen nutzen schwache staatliche Strukturen und Machtvakuum aus, bedrohen Christen gezielt, vertreiben sie aus ihren Dörfern oder ermorden sie. Instabile Regierungen begünstigen zudem Kriminalität und dschihadistische Aufstände. Millionen Christen sind auf der Flucht.
Gravierend ist auch die Lage in Burkina Faso. Im Norden und Osten des Landes ist die staatliche Autorität weitgehend zusammengebrochen. Dschihadistische Gruppen brennen Kirchen nieder, töten Geistliche und setzen strenge islamistische Regeln durch. Rund zehn Prozent der Bevölkerung befinden sich auf der Flucht.
Was die Zahl der getöteten Christen betrifft, liegt Nigeria weltweit an der Spitze. Dort wurden im Jahr 2025 3.490 der weltweit 4.849 dokumentierten Morde an Christen verzeichnet. Zwar erklärte Präsident Bola Tinubu Mitte 2025 den Kampf gegen die Gewalt, bislang jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. Auch im Sudan ist die Lage äußerst angespannt: Infolge des Bürgerkriegs sind dort rund 9,6 Millionen Menschen auf der Flucht.
Hilfe- und Weckruf
Für Markus Rode, Geschäftsführer von „Open Doors“ Deutschland“, sind die aktuellen Daten zur Situation der Christen weltweit ein Hilferuf und zugleich ein Weckruf. Sie werfen die Frage auf, ob Kirchen, Zivilgesellschaft und Politik wirklich hinhören und handeln. „Handeln bedeutet, jetzt konkret zu helfen, Fürsprache zu leisten und Schutz einzufordern – besonders für Christen in Subsahara-Afrika, für die wir eine weltweite Hilfskampagne gestartet haben. Für die Betroffenen wäre das ein starkes Zeichen der Hoffnung“, so Rode. In einem Video ruft das Hilfswerk zudem zum Gebet für die „verfolgten Glaubensgeschwister“ auf. „Sie brauchen Trost, Beistand und Ermutigung, damit sie im Glauben gestärkt werden und neue Hoffnung fassen.“ DT/dsc
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