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Die stille Anziehungskraft der Tradition

Latein, Stille, Weihrauch und gregorianischer Gesang: Chartres-Wallfahrtsorganisator Philippe Darantière sieht im „Vetus Ordo“ eine Rückkehr zum Wesentlichen.
Kathedrale von Chartres
Foto: Florian Monheim (imago stock&people) | Sehnsuchtsziel traditionsverbundener Katholiken: Die Kathedrale von Chartres.

Heute Morgen hat sie begonnen, die traditionelle Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres. In einem Gastbeitrag für die französische Tageszeitung „La Croix“ hat Philippe Darantière, Vorsitzender von Notre-Dame de Chrétienté und Organisator der Chartres-Wallfahrt, kurz vor Beginn der Wallfahrt erklärt, warum gerade die überlieferte Liturgie, die auf der Wallfahrt gefeiert wird, so viele junge Katholiken anzieht. Dabei rückt Darantière Begriffe in den Mittelpunkt, die in der kirchlichen Debatte mancherorts selten geworden sind: das Heilige, die Transzendenz, der Gottesdienst und Gott.

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Darantière bezieht sich auf ein Schreiben von Kardinal Parolin vom 18. März 2026 an die französischen Bischöfe. Darin habe der Kardinalstaatssekretär im Namen von Papst Leo XIV. „das Wachstum der Gemeinschaften im Zusammenhang mit dem Vetus Ordo“ hervorgehoben. Daran anknüpfend schreibt der Organisator der Chartres-Wallfahrt: „Die Tatsache ist klar: Die traditionelle Liturgie übt eine Anziehungskraft aus, und zwar auf junge Menschen.“ Auch in diesem Jahr würden rund 20.000 Pilger erwartet, ihr Durchschnittsalter liege bei 22 Jahren. Die Teilnehmerzahl steige seit zehn Jahren im Schnitt um acht Prozent. Etwa 30 Prozent der Pilger entdeckten die „Alte Messe“ jedes Jahr zum ersten Mal.

Die übliche Erklärung reicht Darantière nicht aus. Man könne zwar auf „Latein, Weihrauch, Gregorianik, die Schönheit der Gewänder“ verweisen oder auf ein Bedürfnis nach Identität und Wurzeln. Doch das greife zu kurz. „Wäre die traditionelle Liturgie nur ein kulturelles Denkmal, wäre sie ein Museum, doch sie ist offensichtlich lebendig“, schreibt Darantière. Sie führe „vom Kulturellen zum Kultischen“.

Man kommt nicht für sich selbst zur Messe

Das erste Paradox sieht er darin, dass eine Liturgie, die von außen betrachtet „ohne uns“ abzulaufen scheine, gerade dadurch anziehe. Der Priester sei nach Osten gewandt, „zu Christus, dessen sichtbares Werkzeug er ist“. Er moderiere nicht und erkläre nicht in Echtzeit, sondern vollziehe Gesten, die über Jahrhunderte gewachsen seien. In einer Welt, in der fast alles kommentiert und sofort zugänglich gemacht werde, wirke diese Distanz nicht abschreckend, sondern befreiend.

Darantière betont, man komme „nicht in erster Linie für sich selbst zur Messe“. Man komme, „weil man gegenüber Gott eine unbezahlbare Schuld hat“. Gerade dieses Zurücktreten des Menschen vor dem Ritus erniedrige ihn nicht, sondern erhebe ihn. „In einer Zeit, die von Horizontalität und ständiger Selbstbezogenheit geprägt ist, wirkt diese Vertikalität wie ein Kontrast und befreit.“

Auch dem Vorwurf, diese Liturgie sei „hermetisch“, widerspricht Darantière. Sie sei im Gegenteil „außerordentlich verkörpert“. Gesten, Ornamente, Latein, Stille, Weihrauch, Kniebeugen und gregorianischer Gesang seien konkrete Zeichen, die nach einem Wort Benedikts XVI. „den Blick auf das Unsichtbare öffnen“. Die Seele erhebe sich nicht trotz des Körpers, sondern mit ihm.

Während sich sonst alles verändere und selbst kirchliche Institutionen ständig versuchten, sich neu zu erfinden, trage die traditionelle Liturgie zudem „das Zeichen der Beständigkeit“. Der gregorianische Gesang erklinge seit mehr als einem Jahrtausend, der römische Kanon bewahre Worte aus den ersten Jahrhunderten. Wer die „Alte Messe“ zum ersten Mal entdecke, spüre, dass er in etwas eintrete, „das ihn übersteigt, das ihm vorausging, das ihn überdauern wird“.

Darin sieht Darantière keinen Stillstand. Die Liturgie entwickle sich, aber langsam und organisch. Ihre Kraft liege gerade darin, dass sie sich nicht dem Zeitgeist anbiedere. „Die Liturgie versucht nicht, der Zeit zu gefallen. Und deshalb kehrt die Zeit zu ihr zurück“. (DT/jg)

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