Kommentar um "5 vor 12"

Lauer Start in die letzte Wahlkampfwoche

Gestern ging nun der letzte Kandidaten-Dreikampf über den Äther. Bei der nächsten Bundestagswahl sollten die Sender wieder zum Duell-Format zurückkehren.
Bundestagswahlkampf - Drittes TV-Triell
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Das Triell-Format überzeugte auch von seiner Struktur her nicht. Es blieb zu wenig Zeit, sich den einzelnen Themenblöcken zu widmen.

Immerhin eine Erkenntnis lässt sich aus dem letzten Triell herausdestillieren: Olaf Scholz blinkt eindeutig nach links. Sein Lieblingskoalitionspartner sind die Grünen. Und Annalena Baerbock verkündete, dass aus ihrer Sicht die CDU in die Opposition gehen solle, da von der Union am wenigsten in Sachen Klimapolitik zu erwarten sei. Das klingt nicht nach Jamaika, sondern nach Rot-Grün-Rot als Wunschoption. Eine klare Absage an die Linkspartei blieben denn Scholz wie auch Baerbock wieder einmal schuldig.

Das Triell-Experiment ist gescheitert

Und sonst? Zeitweise konnte der Zuschauer das Gefühl haben, er befände sich in einer Wiederholungsschleife. Alles wurde schon mal gesagt. Nichts Neues. Ein dritter Aufguss von Altbekanntem. Das war ein sehr lauer Start in die Wahlkampfwoche.

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Wie die nun tatsächlich am nächsten Sonntag ausgehen wird, bleibt weiter offen. Aber eine erste Bilanz kann gezogen werden und zwar im Hinblick auf die mediale Begleitung des Wahlkampfes. Das Triell-Experiment ist gescheitert. Einmal ist es sachlich nicht nachvollziehbar, warum tatsächlich drei Kandidaten aufeinander treffen müssen. Annalena Baerbock hat nach den Umfragewerten keine realistische Chance auf den Einzug ins Kanzleramt. Jetzt mögen Senderverantwortliche entgegnen, das sei bei der Planung der Trielle aber noch nicht klar gewesen. Stimmt, damals war Baerbock noch im Rennen. Dafür hätte nach dem Stand von damals aber Scholz nicht mitdiskutieren dürfen. Es gab also keinen Grund, das bewährte Duell-Format zu einem Dreikampf zu erweitern. Es sei denn, und diese Vermutung liegt leider nahe, es sei vor allem das Ziel gewesen, Armin Laschet grundsätzlich mit zwei gegnerischen Kandidaten zu konfrontieren. Zwei gegen eins – da ist nicht wirklich fair.

Zu wenig Zeit für die einzelnen Themenblöcke

Das Triell-Format überzeugte aber auch von seiner Struktur her nicht. Es blieb zu wenig Zeit, sich den einzelnen Themenblöcken zu widmen. Außen- und Sicherheitspolitik sind mehr oder weniger ganz außen vor geblieben. Regisseur dieser Sendungen war nicht das Wählerinteresse, sondern die Uhr. Beim nächsten Bundestagswahlkampf sollten die Sender wieder zum bewährten Duell-Format zurückkehren. Die Wahlberichterstattung ist zu wichtig, um sie mit solchen Format-Spielereien zu belasten. Privat-Sendern mag man sowas ja noch durchgehen lassen. Aber die Öffentlich-Rechtlichen hätten hier andere Prioritäten setzen müssen. Doch wer erwartet das von denen eigentlich noch? Die Antwort, die wohl viele Bürger auf diese Frage geben würden, sollte den Spitzen von ARD und ZDF zu denken geben.

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