Berlin

Keine lasche Masche mehr

Angesichts schlechter Umfragewerte macht Armin Laschet das einzig Sinnvolle: Er geht in die Offensive. Für christliche Wähler bleibt aber dennoch eine ernüchternde Erkenntnis. Ein Kommentar.
Armin Laschet will Scholz nicht durchgehen lassen
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Laschet will Scholz nicht durchgehen lassen, dass dieser sich als gemäßigt bürgerlicher Status quo-Kandidat in Szene setzt und sich als hanseatisch-solider Vati präsentiert, der nun Mutti zu folgen habe.

Armin Laschet geht in die Offensive. Angesichts der weiterhin schlechten Umfragewerte gilt nun: Die lasche Masche war gestern. Er zielt jetzt  darauf ab, die Stammwähler zu mobilisieren. Er braucht jede Stimme, wenn seine Partei noch den ersten Platz auf dem Siegertreppchen erklimmen will. Das Schlimmste was ihm passieren könnte, wäre, dass Unionswähler meinen könnten, die Sache sei gelaufen und aus Frust zuhause bleiben. Also drückt er auf die Tube.

Die Gefahren von Rot-Grün-Rot aufzeigen

Man merkte es bei seinem Auftritt beim CSU-Parteitag, aber auch als er beim zweiten Fernseh-Dreikampf Olaf Scholz aggressiv anging. Der Wahlkampf hat dadurch eine neue, bisher ungewohnt weltanschauliche Note bekommen. Laschet will Scholz nicht durchgehen lassen, dass dieser sich als gemäßigt bürgerlicher Status quo-Kandidat in Szene setzt und sich als hanseatisch-solider Vati präsentiert, der nun Mutti zu folgen habe. Das geht am besten, indem die Union die Gefahren aufzeigt, die von einer rot-grün-roten Koalition ausgehen. Scholz laviert hier hin und her und drückt sich vor einer klaren Aussage.

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Aus der Linkspartei ist derweil zu hören, dass sie viele Signale aus dem sozialdemokratischen Unterbau bekomme, man werde dort gerne so ein Bündnis eingehen. Doch Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans oder Kevin Kühnert halten sich öffentlich weiterhin bedeckt, jetzt auf den letzten Metern soll die ausgeklügelte Wahlstrategie nicht noch ins Trudeln kommen. Trotzdem werden Laschet und Co. in den nächsten Tagen nicht müde werden, immer wieder diese Gefahr zu beschwören. Ihr Ceterum censeo beschränkt sich dabei ganz auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik: Die Sozis verstehen nichts vom Geld, wollen alles bürokratischer machen, den Einzelnen einschränken und dann auch noch die Steuern erhöhen - das ist die argumentative Linie. Das ist der richtige Ansatz.

Und doch müssen christliche Wähler erkennen, dass die Union offenbar davon überzeugt ist, dass man mit den Themen, die ihnen wichtig sind, vom Abtreibungsverbot bis zur Leihmutterschaft, nicht mobilisieren kann. Obwohl hier von Rot-Grün-Rot noch Schlimmeres zu erwarten ist als höhere Steuern.  

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