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Kirchen und Häuser niedergebrannt: Massenexodus in Pakistan

Das Blasphemiegesetz wird erneut missbraucht, um die christliche Minderheit anzugreifen.
Christenverfolgung in Pakistan
Foto: Kirche in Not | Brand vor einer Kirche in Jaranwala. Der Pfarrer von St. Paul’s in Jaranwala, Pater Khalid, hat sich im Pfarrhaus einschließen müssen, als Extremisten es umzingelten.

Das Leid der Christen in Pakistan geht weiter. Das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtet auf seiner Homepage unter Berufung auf Gespräche mit Ansprechpartnern vor Ort von der Zerstörung von mindestens 15 Kirchengebäuden und Hunderten von christlichen Häusern. Daraufhin seien aus der 230.000 Einwohner zählenden Stadt Jaranwala im Punjab, in der Nähe von Faisalabad, mindestens 2.000 Christen geflohen.

Als Auslöser wird die Anschuldigung gegen eine christliche Reinigungskraft angegeben, die der Blasphemie beschuldigt wurde. Sie habe den Koran entweiht und den Propheten des Islam beleidigt.

"Die Christen sind sehr verängstigt"

„Kirche in Not“ zitiert Pater Abid Tanveer, Generalvikar der katholischen Diözese Faisalabad, mit den Worten: „Die Lage ist sehr beängstigend. Die Christen sind sehr verängstigt. Bitte beten Sie für unsere Leute, beten Sie, dass ihr Leben geschützt wird. So viele Menschen haben ihr Hab und Gut verloren, alles. Sie wissen nicht, was sie tun sollen und wohin sie gehen sollen.“

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Außer Kirchen verschiedener christlicher Konfessionen seien auch das Haus eines Katecheten und ein Gemeindehaus angegriffen und zum Teil in Brand gesetzt worden. Der Pfarrer von St. Paul’s in Jaranwala, Pater Khalid, habe sich im Pfarrhaus einschließen müssen, als Extremisten es umzingelten. Der Pfarrer habe zwar das Pfarrhaus verlassen können, aber die Angreifer hätten Möbel auf die Straße geworfen und in Brand gesteckt. Über Lautsprecher sollen Botschaften aus Moscheen die Menschen vor Ort aufgefordert haben, „hinauszugehen und Christen zu töten“. Bislang liegen keine Berichte über Todesfälle vor. 

Laut Generalvikar Pater Tanveer sind zusätzliche Polizeikräfte eingesetzt worden, was jedoch keine Garantie dafür sei, dass die Situation unter Kontrolle gebracht werden könne, da die Extremisten gut bewaffnet seien und als Reaktion auf den angeblichen Vorfall der Blasphemie weiterhin auf Gewalt aus seien.

Pakistanische Sicherheitskräfte führen massive Razzia durch

Die spanische Zeitung „ABC“ berichtet ihrerseits, dass die pakistanischen Sicherheitskräfte eine massive Razzia in Jaranwala durchgeführt und mehr als hundert Personen wegen ihrer Beteiligung an der Erstürmung und Verbrennung von Kirchen und Eigentum der christlichen Minderheit verhaftet hätten. Die Behörden hätten außerdem den Einsatz von 6.000 Männern angeordnet, um die Unruhen einzudämmen.

„ABC“ zitiert Usman Anwar, den Generalinspektor der Polizei der Provinz Punjab: „Wir setzen die laufende Operation fort, um all jene festzunehmen, die an dem Vandalismus beteiligt waren“. 

Laut der spanischen Zeitung widmete die führende Tageszeitung des Landes, Dawn, ihren Leitartikel dem massiven Angriff: „Unsere politische Elite hat geschwiegen, während das Blasphemiegesetz dazu missbraucht wurde, persönliche Rechnungen zu begleichen, Eigentum zu besetzen oder Minderheiten zu terrorisieren“. Dieser fehlende politische Wille zur Abschaffung des Gesetzes gefährde die Sicherheit von Christen und anderen Minderheiten wie Sikhs, Ahmadis und schiitischen Muslimen.

Der Interims-Premierminister Anwar ul Haq Kakar hat allerdings ein hartes Vorgehen gegen die Verantwortlichen für die Gewalt gefordert: „Ich bin erschüttert über diese Bilder“, sagte er.  DT/jg

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