Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Konflikt um Berg-Karabach

Karabach-Armenier: Westliche Politiker äußern sich besorgt

US-Außenminister Blinken und Bundeskanzler Scholz telefonieren mit Armeniens Ministerpräsident Paschinjan. Frankreichs Präsident Macron nennt Aserbaidschans Vorgehen „inakzeptables Verbrechen“.
Konflikt um Berg-Karabach
Foto: IMAGO/Alexander Patrin (www.imago-images.de) | Ein Junge schaut aus einem Auto in der Stadt Goris, bevor er in eine temporäre Unterbringen für Bewohner der Region Berg-Karabach gebracht wird.

Mehrere führende westliche Politiker haben ihre Besorgnis über die Lage der armenischen Bevölkerung in der zu Aserbaidschan gehörenden Konfliktregion Berg-Karabach geäußert. Während eines Fernsehinterviews am Sonntagabend bezeichnete Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Eroberung des vornehmlich von Armeniern bewohnten Berg-Karabach durch Aserbaidschan als „inakzeptables Verbrechen“.

Lesen Sie auch:

„Wir haben heute ein Russland, das ein Komplize Aserbaidschans ist, eine Türkei, die diese Manöver immer unterstützt hat, und eine enthemmte Macht, die die Grenze zu Armenien bedroht“, so der Präsident. Das „Recht der Minderheiten, insbesondere der Christen, der armenischen Bevölkerung, die auf diesem Boden lebt“, sei völlig missachtet worden. Macron kündigte an, dass Frankreich Armenien und die Bewohner der Region Berg-Karabach weiterhin auf humanitärer und politischer Ebene unterstützen werde. Der Präsident drängte darauf, dass das Recht der Minderheiten respektiert werde und ließ verlauten, Frankreich bleibe „sehr wachsam gegenüber der territorialen Integrität Armeniens“.

USA unterstützen Souveränität und territoriale Integrität Armenien

Auch der US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich besorgt über die Situation der armenischen Bevölkerung in Berg-Karabach. Nach einem Telefonat mit Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan bekräftigte er auf dem Kurzmitteilungsdienst „X“ (vormals Twitter), dass die USA auch die Souveränität und territoriale Integrität Armeniens unterstützen würden. Laut der Deutschen Presse-Agentur telefonierte auch Bundeskanzler Olaf Scholz mit Paschinjan. In dem Gespräch unterstrich der SPD-Politiker demnach seine Überzeugung, dass die Karabach-Armenier geschützt werden müssten.

Ende vergangener Woche hatte bereits der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell seine uneingeschränkte Solidarität mit Armenien zum Ausdruck gebracht und Maßnahmen zur Unterstützung der Karabach-Armenier angekündigt. Im UN-Sicherheitsrat erklärte Borrell: „Die EU und ihre Mitgliedsstaaten stehen bereit, um dringend humanitäre Hilfe zu leisten.“

Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, hatte seinerseits unmittelbar nach dem Einmarsch der der Aserbaidschaner in Berg-Karabach erklärt: „Die Militäraktionen Aserbaidschans müssen sofort eingestellt werden, um einen echten Dialog zwischen Baku und den Armeniern in Karabach zu ermöglichen.“  DT/fha/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Antony Blinken Charles Michel Deutsche Presseagentur Emmanuel Macron Olaf Scholz

Weitere Artikel

Die Kapitulation der Karabach-Armenier ist eine humanitäre und historische Tragödie, stellt aber Aserbaidschans Diktator Aliyev nicht zufrieden.
28.09.2023, 07 Uhr
Stephan Baier
Auch viele Israelis fragen sich: Geht es Regierungschef Netanjahu noch um die Geiseln und die Sicherheit Israels – oder um Netanjahu?
10.04.2024, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Johannes Paul II. schätzte die Frauen und schuf ihnen mit Ordinatio sacerdotalis vor 30 Jahren im Geist der Tradition einen Freiraum. Zugleich stärkte er das Profil der Kirche.
22.05.2024, 11 Uhr
Regina Einig
Gebetszeiten, Lobpreis, Vorträge: Auf dem Pfingstfestival der Gemeinschaft Loretto wollen die Teilnehmer den Heiligen Geist neu erfahren.
21.05.2024, 14 Uhr
Luisa-Maria Papadopoulos
Papst Paul IV. wollte Reformen. Umgeben von einer kleinen Kamarilla führte er aber im Kirchenstaat ein autistisches Regime ein, bis ihn die Römer schließlich hassten.
21.05.2024, 19 Uhr
Dirk Weisbrod