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Berg-Karabach musste kapitulieren

Den 120.000 Armeniern der „Republik von Arzach“ droht nun die Vertreibung, ihrem Kulturerbe die Zerstörung.
Proteste in der armenischen Hauptstadt Jerewan
Foto: IMAGO/Alexander Patrin (www.imago-images.de) | In Berg-Karabach selbst drohe sämtlichen Spuren armenischer Existenz die Zerstörung, wie zuvor bereits in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschevan. Im Bild: Proteste in der armenischen Hauptstadt Jerewan.

Die am Mittwochnachmittag verkündete „Waffenruhe“ im Krieg Aserbaidschans gegen das armenisch besiedelte Berg-Karabach (Arzach) kommt praktisch einer Kapitulation der „Republik von Arzach“ gleich. Das behauptet nicht nur der diktatorisch regierende Präsident von Aserbaidschan, Ilham Aliyev, der am Mittwochabend im aserbaidschanischen Fernsehen von einem Sieg sprach und die rasche „Wiedereingliederung“ der Region in seinen Staat ankündigte. Das bestätigen gegenüber der „Tagespost“ auch Stimmen aus Armenien. 

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„Ja, es stimmt, Arzach hat gestern kapituliert. Armenien ist in Schockstarre. Unglaublich. Ich selbst fühle mich extrem hilflos und - wie auch alle Armenier - alleingelassen“, schrieb die österreichische Armenologin Jasmine Dum-Tragut, die in Armenien tätig ist, am Donnerstagvormittag an diese Zeitung. „Welche Wahl hat denn dieser kleine christliche Fleck im Südkaukasus, nach neun Monaten Blockade, ohne Strom, Gas, Benzin, ohne Wasser und seit Juni ohne Lebensmittelversorgung. Ausgehungert, geschwächt.“

200 Tote, 400 Verletzte

Das Bombardement Aserbaidschans soll etwa 200 das Leben gekostet und weitere 400 verletzt haben. 5.000 Menschen, die aus ihren Dörfern an der östlichen Grenze Berg-Karabachs zu Aserbaidschan evakuiert wurden, harren seit Mittwoch auf dem Flughafen von Stepanakert aus. Dum-Tragut befürchtet, dass Aserbaidschan nun versuchen werde, auch den Süden Armeniens einzunehmen. In Berg-Karabach selbst drohe sämtlichen Spuren armenischer Existenz die Zerstörung, wie zuvor bereits in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschevan.

Die nach dem Krieg von 2020 in der Region stationierten russischen Friedenstruppen griffen in dieser Woche trotz entsprechender Appelle des armenischen Regierungschefs Nikol Paschinjan nicht zum Schutz der armenischen Bevölkerung ein. Putins Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Moskau beobachte die „Handlungen der Republik Aserbaidschan auf ihrem Staatsgebiet“. In Armeniens Hauptstadt Jerewan wurde die russische Botschaft von aufgebrachten Demonstranten umringt.  DT/sba

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