Macron plant Bürgerkonvent

Frankreichs Euthanasie-Gegner machen mobil

Referendum oder Parlamentsentscheid: Werden sich Lebensschützer durchsetzen können?
Euthanasie (Symbolfoto)
Foto: IMAGO/Andreas Poertner (www.imago-images.de) | Auch in Frankreich ein Streitthema: eine mögliche gesetzliche Neuregelung des assistierten Suizids.

Hat in den letzten Monaten der Schutz des vorgeburtlichen Lebens die Schlagzeilen in Deutschland und der westlichen Welt beherrscht, so wird sich der Fokus im Nachbarland in den nächsten Monaten auf das Lebensende richten. Die nächste Ausgabe der „Tagespost“ informiert über die aktuelle Debatte zu assistiertem Suizid und Euthanasie in Frankreich und erklärt die nächsten Schritte hin zu einermöglichen Gesetzesänderung.

Letzte Woche hat Präsident Emmanuel Macron die Durchführung eines breit angelegten Bürgerkonvents zum assistierten Suizid und zur Euthanasie ab Oktober aufgerufen. Die Ergebnisse der landesweiten Debatte unter Einbeziehung der Franzosen sollen im März bekanntgegeben werden. Ob es dann zu einem Volksentscheid oder einer parlamentarischen Abstimmung über ein neues Gesetz kommen soll, ist noch offen. Feststeht, dass Macron eine Gesetzesänderung bis Ende 2023 in Aussicht gestellt hat.

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Nachdem sich das Staatsoberhaupt selbst mehrfach für eine Liberalisierung des staatlichen Tötungsverbots ausgesprochen hat, befürchten Kritiker, dass es sich beim angekündigten Bürgerkonvent lediglich um eine medienwirksame Beteiligungssimulation handelt. Ségolène Perruchio, Vizevorsitzende der Französischen Gesellschaft für Palliativpflege, zeigt sich wenig erfreut über die Äußerungen des Präsidenten: „Wenn man das Ergebnis gleich zu Beginn ankündigt, während man gleichzeitig die Konsultation ankündigt, stellt man sich zugegebenermaßen die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Vorgehens.“

Palliativmediziner und Lebensschützer gegen Liberalisierung

In den französischen Medien ist die neuerliche gesellschaftliche Reform sehr präsent. Häufig zu Wort kommen Personen, die beruflich in der Palliativpflege beschäftigt sind und sich mehrheitlich gegen eine Öffnung des Gesetzes hin zu assistiertem Suizid und Euthanasie aussprechen. Organisationen der Palliativmedizin und des Lebensschutzes bereiten sich darauf vor, in den nächsten Monaten intensive Aufklärungsarbeit zu leisten.

Claire Fourcade, Ärztin und Vorsitzende der Französischen Gesellschaft für Palliativpflege, bringt das Unbehagen auf den Punkt, das viele Menschen mit der gesellschaftlichen Reform verbinden dürften: „Wenn auch niemand gezwungen wird, um Sterbehilfe zu bitten, wird jeder gezwungen sein, sie in Erwägung zu ziehen, mit dem Schuldgefühl, dass er seinen Angehörigen und der Gesellschaft zur Last fällt.“ Der Präsident der französischen Ärztekammer, François Arnault, hat bereits sich gegen die – durch Ärzte durchgeführte – Euthanasie ausgesprochen und fordert eine Gewissensklausel für Ärzte. Auch fordert er einen konsequenten Ausbau der Palliativmedizin aus, da nach wie vor große territoriale Ungleichheit beim Zugang zu Palliativeinrichtungen bestehe.  DT/fha

Lesen Sie weitere Hintergründe über den Bürgerkonvent zum assistierten Suizid in Frankreich in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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