Paris

Frankreich: Republikaner stellen wackelige Kandidatur auf

Am vergangenen Samstag haben die „Républicains“ mit Valérie Pécresse ihre Präsidentschaftskandidatin gekürt. Kurz danach tauchen bereits die ersten Unstimmigkeiten auf.
Kandidatin der Republikaner: Valérie Pécresse
Foto: Julien Mattia / Le Pictorium via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Mit Pécresse stellt die Partei Charles de Gaulles zum ersten Mal eine Frau im Rennen um das Amt des Präsidenten auf.

Mit 61 Prozent Prozent der Stimmen von 114.000 Mitgliedern der „Républicains“ hat sich Valérie Pécresse am Samstag gegen ihren Rivalen Eric Ciotti durchgesetzt. Das Programm Eric Ciottis weist große inhaltliche Nähe zum Programm des Islam- und Immigrationskritikers Eric Zemmour auf, während Valérie Pécresse für ein liberaleres Programm der Mitte steht.

Erste weibliche Kandidatin der Republikaner

Mit Pécresse stellt die Partei Charles de Gaulles zum ersten Mal eine Frau im Rennen um das Amt des Präsidenten auf. Fünf Kandidaten waren ursprünglich zur Wahl des Spitzenkandidaten der Mitte-Rechts-Partei angetreten, die Stichwahl entschied die Ministerpräsidentin der Region Ile de France mit der Unterstützung der in der ersten Wahlrunde ausgeschiedenen Kandidaten für sich.

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Bei einer gemeinsamen Erklärung demonstrierten die designierte Präsidentschaftskandidatin, Parteichef Christian Jakob und Eric Ciotti als abgeschlagener Zweiter vor ihren Unterstützern Einigkeit. Sie sei sich des Mutes ihrer Anhänger bewusst, die zum ersten Mal in der Geschichte der Partei ihr Vertrauen einer weiblichen Kandidatin schenkten.

"Unsere Stärke liegt in unserer Einheit“

An diesem Abend denke sie besonders an die Frauen, leitete sie ihre Ansprache ein. „Unsere Stärke liegt in unserer Einheit“, fasste sie die größte Herausforderung der Partei zusammen, die verschiedenen Strömungen hinter einer Kandidatur zu versammeln, nachdem Teile der Wählerschaft in den letzten fünf Jahren entweder zu Emmanuel Macron oder zu Marine Le Pen abgewandert waren. „Heute habe ich eine gute Neuigkeit für euch, meine lieben Freunde: Die republikanische Rechte ist wieder da, die Rechte der Überzeugungen, die Rechte der Lösungen. Sie ist vereint und zieht mit unerbittlichem Willen in den Kampf, denn Frankreich kann sich das Abwarten nicht mehr leisten.“

Dem „scheidenden Präsidenten“ Emmanuel Macron bescheinigte Pécresse Bewegungslosigkeit und Gefallsucht, um dann explizit Bezug auch auf Marine Le Pen und Eric Zemmour zu nehmen: „Man muss nicht extrem sein, um offensiv zu sein. Man muss nicht beleidigend sein, um überzeugend zu wirken. Angstmacher zeichnen sich nie durch effektive Handlungen aus. Und in unserer Geschichte war ein Spalter noch nie ein Retter. Im Gegensatz zu den Extremen werden wir die Seite ‚Macron‘ umblättern, ohne die Seiten der französischen Geschichte zu zerreißen.“

Die Fassade der Einheit bröckelt schon

Heute Nachmittag begann Valérie Pécresse ihren Wahlkampf begleitet von Eric Ciotti mit einem Besuch in dessen Geburtsstadt Saint-Martin-Vésuvie. Der Abgeordnete aus dem Département Alpes-Maritimes – ein Teil der Stadt Nizza gehört zu seinem Wahlbezirk – hatte schon am Sonntag die Fassade der republikanischen Einheit bröckeln lassen. Nach einem Treffen mit seinen Unterstützern lancierte er gegenüber BFM TV: „Die Botschaft von Valérie Pécresse gestern war nicht die richtige. Ich unterstütze Pécresse, erwarte aber, dass meine Ideen nachdrücklich vertreten werden.“

Am Dienstagmorgen betonte Pécresse gegenüber France Inter, dass sich die Wähler sehr klar für ihr Projekt ausgesprochen hätten. Es könne durch die Vorschläge der anderen Kandidaten zwar erweitert, nicht aber im Kern geändert werden. Trotzdem komme Eric Ciotti eine besondere Rolle in ihrem Wahlkampf zu. Die aus der „Manif pour tous“ erwachsene innerparteiliche Strömung „Le Mouvement Conservateur“ (ehemals „Sens Commun“) hat bereits angekündigt, Eric Zemmour und nicht die eigene Kandidatin zu unterstützen. 

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost, ob die „Républicains“ mit Valérie Pécresse ihre nach rechts und links abgewanderten Wähler wieder zurückholen könnten und was dies für die französischen Präsidentschaftswahlen im April bedeuten könnte.

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