Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Salzburg/Wien

Euthanasie: Verfassungsgerichtshof verschiebt Entscheidung

Euthanasie-Debatte in Österreich: „Salzburger Bioethik-Dialoge“ setzen Akzente.
Erwartete Entscheidung des österreichischen Höchstgerichts zur Euthanasie
Foto: Daniel Rennen | Die seit Monaten mit Spannung erwartete Entscheidung des österreichischen Höchstgerichts zur Euthanasie wurde am Montag neuerlich vertagt.

Ob das strafrechtliche Verbot der „Mitwirkung am Selbstmord“ und der „Tötung auf Verlangen“ in Österreich bestehen bleibt oder aufgehoben wird, entscheidet der Verfassungsgerichtshof in Wien voraussichtlich im Dezember. Die seit Monaten mit Spannung erwartete Entscheidung des Höchstgerichts wurde am Montag neuerlich vertagt.

Lesen Sie auch:

Brandaktuell waren darum die am Freitag und Samstag abgehaltenen „Salzburger Bioethik-Dialoge“ zum Thema „Modernes Sterben“, die sich mit den Aufgaben und Grenzen der Medizin am Lebensende befassten. Deutlicher als andere Spitzenpolitiker bekannte sich der Salzburger Landeshauptmann (Ministerpräsident), Wilfried Haslauer (ÖVP), zum bisherigen österreichischen Weg: Ja zu Patientenautonomie, Palliativmedizin und Hospizidee; Nein dagegen zu assistiertem Suizid und Tötung auf Verlangen.

Di Fabio sieht „tektonische Verschiebung“ im Menschenbild

Der langjährige Richter am Bundesverfassungsgericht Udo Di Fabio zeigte in einem Referat, dass das Menschenbild der alles entscheidende Punkt ist: „Gibt es eine tektonische Verschiebung im Würde-Verständnis und im Menschenbild?“, fragte Di Fabio, um zu antworten: „Aus der Würde des Menschen kann kein Anspruch auf Abwesenheit von Leid gefolgert werden.“ Eine humane Gesellschaft wolle nicht den raschen und schmerzlosen Tod ihrer Mitglieder, sondern Linderung des Leids.

Unter den Vortragenden und Diskutanten der vom „Salzburger Ärzteforum für das Leben“ konzipierten Fachtagung waren Ärzte, Juristen, Ethiker, Psychiater, Politiker, Journalisten und auch der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Salzburgs Erzbischof Franz Lackner. Er erinnerte daran, dass Anfang und Ende des Lebens den Menschen „auf eine andere Wirklichkeit“ verweisen und vor eine „letzte Ohnmacht“ stellen. DT/sba

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht über die „Salzburger Bioethik-Dialoge“ am Donnerstag in der „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Palliativmedizin Sterbehilfe Tötung auf Verlangen Udo Di Fabio Österreichische Volkspartei

Weitere Artikel

Verliert die Unausweichlichkeit des Todes ihren Schrecken, wenn man ihn selbst in die Hand nimmt?
26.08.2026, 07 Uhr
Tobias Klein
Ab Januar stehen Euthanasie und assistierter Suizid wieder auf dem Programm der französischen Nationalversammlung. Kritiker sprechen vom „freizügigsten Text der Welt“.
06.11.2024, 09 Uhr
Franziska Harter
Die Mehrheit der Slowenier stimmte am Sonntag gegen ein bereits verabschiedetes Gesetz zum selbstbestimmten Tod. Eine Petition brachte die wiederholte Abstimmung zustande.
24.11.2025, 11 Uhr
Meldung

Kirche

Statt mit Erfahrungsberichten begann das Bischofstreffen in Rom dann doch mit theoretischen Erörterungen zu dem nachsynodalen Schreiben zu Ehe und Familie von Papst Franziskus.
08.10.2026, 09 Uhr
Guido Horst
10 Jahre nach dem Papstschreiben befasst man sich in Rom mit der christlichen Familie. Dass die Zulassung von Wiederverheirateten zu den Sakramenten zur Sprache kommt, ist nicht gesagt.
07.10.2026, 21 Uhr
Guido Horst
Der Apostolische Nuntius in Deutschland ruft dazu auf, nicht den eigenen Gefühle zu folgen, sondern Christus immer besser zu dienen – in Einheit mit der Kirche und dem Papst.
07.10.2026, 12 Uhr
Meldung
Kardinal Christoph Schönborn über das Ende der europäischen Vorherrschaft, die Krise des Synodalen Wegs und die Frage, was die Kirche wirklich erneuert.
08.10.2026, 07 Uhr
Stephan Baier