Warschau

"Die Ukraine glaubt an ihre erfolgreiche Zukunft"

Ukrainische Flüchtlinge aus Kiew, die jetzt am Rande von Warschau untergebracht sind, im Gespräch mit der Tagespost: Ein erschütternder Bericht von Mutter und Tochter.
Ukraine-Krieg - Geflüchtete in Polen
Foto: Pawel Supernak (PAP) | Ukrainische Flüchtlinge kommen mit einem ukrainischen Personenzug an einem Bahnhof in Warschau an.

Eine Woche vor dem Krieg meldeten sich viele unserer Freunde und Bekannten aus dem Ausland bei uns und teilten uns mit, dass sie besorgt seien.  Wir waren wachsam, hielten es aber dennoch für unmöglich, im 21. Jahrhundert die Hauptstadt eines europäischen Staates im Herzen Europas zu bombardieren. Deshalb hatten wir nicht vor, Kiew zu verlassen, und als der Krieg begann, blieben wir noch zwei Tage dort.  Wir versteckten uns in Bunkern.  Wir hörten die Sirenen, Kiew wurde bombardiert - zuerst der Flughafen, dann zivile Gebäude.  Da wir ein vier Monate altes Baby haben, beschlossen wir, uns nicht weit von Kiew zu entfernen.

Das Ziel: An einen sicheren Ort gelangen

Als wir weiterzogen, änderten wir unsere Pläne. Auf der Suche nach einem sicheren Ort fuhren wir weiter nach Lemberg, aber auch der Flughafen von Lemberg wurde von Belarus aus mit ballistischen Raketen bombardiert, so dass wir an der polnischen Grenze ankamen.  Es war eine spontane Entscheidung, und wir waren überhaupt nicht darauf vorbereitet, die Ukraine zu verlassen, noch dazu für so lange Zeit von zu Hause weg.  Wir fuhren und lebten fünf Tage lang im Auto, mit einem Minimum an Pausen und 1,5 bis zwei Stunden Schlaf pro Tag, aber alle sammelten sich, optimiert, ohne Panik, mit klaren Gedanken.

Lesen Sie auch:

Und wir haben uns gegenseitig einfühlsam unterstützt.  Das Ziel war es, an einen sicheren Ort zu gelangen. Das Wichtigste ist jetzt der Kontakt mit der Familie, die Männer sind geblieben, um die Ukraine zu verteidigen.  Es ist auch wichtig für uns, den Ukrainern hier in Polen und in der Ukraine zu helfen, das ist unser nützlicher Beitrag. Die Aktivität hilft uns, den Stress zu bewältigen und uns selbst in der Norm zu halten. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, aber wir hoffen, dass wir so bald wie möglich in die Ukraine zurückkehren und mit dem Wiederaufbau beginnen können.

Im Moment wissen wir nicht, wie lange wir im gastfreundlichen Polen bleiben müssen, wir sind in einem Zustand der Ungewissheit und wollen hier arbeiten, um uns selbst zu versorgen, aber so bald wie möglich nach Hause zurückkehren. Mental ist die Ukraine weit von Russland entfernt, wir sind sehr verschieden.  Wir machen uns Sorgen um unser Land und sind unsicher in unserem Leben. Hoffnung gibt uns das ukrainische Volk, das vereint und mutig die Ukraine verteidigt und an ihre unabhängige und erfolgreiche Zukunft glaubt. Wir sind dem polnischen Volk sehr dankbar für seine wertvolle und wichtige Hilfe für die Ukraine.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Bei der Eröffnung des Weltfamilientreffens richtet der Heilige Vater einen Aufruf an die Familien dieser Welt.
23.06.2022, 11  Uhr
Meldung
Was, wenn die eigene Tochter plötzlich ein Junge sein will? Eltern von jugendlichen Trans-Jungen berichten.
11.06.2022, 15  Uhr
Cornelia Huber
Themen & Autoren
Flüchtlinge Russlands Krieg gegen die Ukraine

Kirche

Kirchliche Stimmen begrüßen die Aussicht auf besseren Lebensschutz Ungeborener – Deutscher Familienbischof kritisiert Härte der Auseinandersetzung .
03.07.2022, 19 Uhr
Maximilian Lutz
Wer lernt, überlebt: Was die Kirche in Deutschland vom Weltfamilientreffen mitnehmen sollte.
02.07.2022, 07 Uhr
Franziska Harter
Forschungsprojekt bringt einen Fall aus dem Erzbistum Paderborn ans Licht. Nach Angaben des Erzbistums hat Becker, zu jener Zeit Personaldezernent, gemäß der damaligen Rechtslage gehandelt.
01.07.2022, 11 Uhr
Meldung
Bischof Genn beurlaubt Dompropst Schulte nach Vorwürfen wegen grenzüberschreitendem Verhalten.
02.07.2022, 15 Uhr
Heinrich Wullhorst
Der klassische römische Ritus ist weder tot noch in seiner Existenz gefährdet. Daran ändert auch das neue Papstschreiben nichts.
30.06.2022, 11 Uhr
Regina Einig