Russland

Nur Wladimir Putin bedroht Russland

Der Kremlchef hat sich verrechnet, sich zum Paria der Weltpolitik gemacht und sein Land an den Rand des Abgrunds geführt. Ein Regimewechsel in Moskau ist nötig.
Putin muss weg - Demonstration in Athen
Foto: Thanassis Stavrakis (AP) | Der Westen hält gegen Putin zusammen. Russland sollte sich von ihm trennen.

Putin hat sich geirrt. Er hat damit gerechnet, die Ukraine schnell zu erobern, auf die Zustimmung eines Teils der russischsprachigen Einwohner zu stoßen und jeden Widerstandrasch zu brechen. Er hat auch damit kalkuliert, dass der Westen sich in rein rhetorischer Solidarität mit Kiew ergehen würde, dass die Regierungen und Bevölkerungen in Europa zerstritten seien, dass die wirtschaftlichen Interessen im Westen schwerer wiegen würden als die Liebe zum Völkerrecht. An diesen Irrtümern trägt der Westen durchaus Mitschuld: Viele haben Putins Propaganda viel zu lange geglaubt, haben naiv die Lügen seiner Propaganda-Sender inhaliert, haben die Mär von der Einkreisung Russlands durch die NATO für bare Münze genommen.

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Alle Illusionen des Westens über Putin sind zerschlagen

Stets war der Westen entschlossen, sich mit Putin irgendwie zu arrangieren. Immer in den zurückliegenden 22 Jahren konnte der Kremlchef darauf bauen, dass er nach einem Militärschlag oder Auftragsmord weiter verhandeln und kompromissbereite Gesprächspartner finden würde. Jetzt hat Putin überzogen. Die Masken sind gefallen, die Hoffnungen wie die Illusionen wurden in Blut und Tränen ertränkt. Der Westen wird Putin nie wieder irgendetwas glauben.

Er wird ihn nie wieder als Partner für irgendeine Lösung irgendwo auf der Welt betrachten. Ab s0ofort setzt der Westen auf einen Regimewechsel in Russland – noch nicht laut, aber unwiderruflich. Mit seinen Militäreinsätzen in Syrien und Libyen hat Putin die von Obama verspottete „Regionalmacht“ Russland auf die weltpolitische Bühne zurückgebracht; mit den Drohungen der vergangenen Monate wurde er zum umworbenen Mittelpunkt der Weltpolitik; mit dem Überfall auf die Ukraine hat er alles verspielt – jeden Rest von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Wladimir Putin wollte den als Demütigung empfundenen Zerfall der Sowjetunion revidieren und als Einiger der russischen Erde in die Geschichtsbücher eingehen. Nun geht er als Kriegsverbrecher, Tyrann und Schlächter eines „Brudervolkes“ in die Geschichte ein.

Putin hat einen Keil zwischen die Völker getrieben, die sich als Brüder verstanden

Ja, viele Bürger der Ukraine verstanden sich als ethnische Russen oder als deren engste Verwandte. Spätestens seit der Vorwoche diskreditiert Putins Krieg jede Rede von einer geschichtlichen und kulturellen Gemeinsamkeit, jeden Gedanken an ein brüderliches Miteinander. Darum erweist sich die Ukraine heute geschlossener und geeinter denn je seit der Wiedererlangung ihrer Eigenstaatlichkeit 1991.

Und darum wird sich auch die kirchliche Trennung von der Putin-hörigen russisch-orthodoxen Kirche als unausweichliche, prophetische Tat erweisen. Nicht der böse Westen hat den Russen die Ukrainer entfremdet, vielmehr hat Putin einen Keil zwischen die beiden Länder und Völker getrieben. Die Sanktionen, die die russischen Banken, Oligarchen und Polit-Eliten mit voller Wucht treffen, sind ein Beweis dafür, dass sich Putin auch in der „Dekadenz“ des Westens verrechnete. Europa und die USA zahlen einen hohen Preis dafür, zu den eigenen Werten und Prinzipien zu stehen. Den viel höheren Preis jedoch zahlt Russland: Der Rubel ist im freien Fall, die Lebensqualität sinkt rapide, die Reisefreiheit ist Geschichte, das Luxusleben der Oligarchen wird empfindlich getroffen. Nein, nicht der Westen bedroht und beschädigt Russland. Putin allein ist dafür verantwortlich, dass sein Land in wirtschaftliches Elend und internationale Isolation gerät. Je schneller Russland Putin los wird, desto besser.

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