Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Die Ampel ist die Stabilitätsbremse

Der Streit um den Haushalt ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Die Deutschen sehnen sich nach Stabilität, aber die Regierung produziert nur Verunsicherung und Vertrauensverlust.
Christian Lindner, Robert Habeck und Olaf Scholz im Bundestag
Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur (www.imago-images.de) | Am Mittwoch betonte der Regierungschef, noch in diesem Monat werde das Kabinett einen Beschluss zum Haushalt treffen. Dabei ist die Ampel jetzt schon ordentlich im Zeitverzug.

Ist es Meditation, Yoga oder einfach nur die alte Kinder-Methode: Hände vor die Augen und nicht sehen, was man nicht sehen will? Olaf Scholz ist nach eigenem Bekunden kein spiritueller Mensch, aber mittlerweile fragt man sich doch, aus welchen Quellen der Bundeskanzler seine Zuversicht schöpft.

Lesen Sie auch:

Am Mittwoch betonte der Regierungschef, noch in diesem Monat werde das Kabinett einen Beschluss zum Haushalt treffen. Dabei ist die Ampel jetzt schon ordentlich im Zeitverzug. Eigentlich hätte nach Plan schon am Mittwoch der Bundestag über den Haushalt beraten sollen. Diese Beratungen stehen nun, unabhängig davon wie schnell das Kabinett ist, erst nach der Sommerpause an. Kurz: Das Ganze zieht sich so oder so aller Wahrscheinlichkeit nach bis in den frühen Herbst. 

Die Mehrheit der Deutschen hört Olaf Scholz nicht mehr zu

Für Freitagvormittag, 7 Uhr, hat die SPD-Fraktion eine Sondersitzung anberaumt. Ob da wesentliche Fortschritte erzeugt werden? Und was ist mit den anderen Ampellichtern, blinken die dann einfach Zustimmung? 

Mag der Kanzler noch so oft verkünden, man sei auf den letzten Metern zu einer Einigung, und mit der Rede von einem neuen „Wachstumsturbo“ versuchen, die Menschen ruhig zu stellen, die Wahrheit ist doch: Die große Mehrheit der Deutschen hört überhaupt nicht mehr zu, wenn Olaf Scholz spricht. 

Die Deutschen sind sowieso und immer auf Stabilität und Sicherheit fixiert. Das ist ja auch nicht falsch, im Gegenteil: Es ist die Lehre aus der deutschen Geschichte. Entsprechend sehen die Ansprüche der Bürger an ihre Regierung aus: Gebt uns ein Sicherheitsgefühl! 

Der Klempner der Macht

Friedrich Merz hat Scholz einen „Klempner der Macht“ genannt. Ja, wenn Scholz wenigstens ein solider Handwerker wäre, die Lage sähe anders aus. In Frankreich und den USA drohen Verwerfungen, das bekommen selbst die Deutschen mit, die sich nicht wirklich für Politik interessieren. Aber wie sieht die Bilanz des Kanzlers aus: Unter seiner Führung ist die Ampel zur Stabilitätsbremse geworden. Die miese Stimmung im ganzen Land, das ist die Folge von drei Jahren Verunsicherung und weiterem politischen Vertrauensverlust. Der Haushaltsstreit ist nur das Tüpfelchen auf dem i.

Während der Kanzler also immer noch den „Mr. Zuversicht“ gibt, steigt der Pessimismus der Deutschen in Rekordhöhen. Jetzt kann uns nur noch der Sieg der deutschen Nationalmannschaft retten. Richtig: Das ist Sarkasmus.    

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Deutscher Bundestag Friedrich Merz Olaf Scholz

Weitere Artikel

Friedrich Merz macht bella figura auf der Weltbühne, aber daheim brennt vielerorts die Hütte. Partei und Anhänger sind mit der bisherigen Performance unzufrieden.
21.08.2025, 05 Uhr
Sebastian Sasse
Der Streit um die Rente innerhalb der Union wird die Koalition nicht sprengen. Aber wie lange wird der Burgfrieden halten? Die Junge Union wird weiter Dampf machen.
03.12.2025, 19 Uhr
Sebastian Sasse
Das Scheitern von Friedrich Merz im ersten Wahlgang war kein Betriebsunfall. Doch die Union geht nur auf die Linkspartei zu, gegenüber der AfD steht weiter die Brandmauer. Das hat Folgen.
07.05.2025, 15 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Beim Empfang für die auswärtigen Diplomaten bemängelt der Papst die Meinungsfreiheit im Westen und übt scharfe Kritik an der wachsenden „Kriegslust“.
14.01.2026, 11 Uhr
Giulio Nova
Prominente Redner, beeindruckende Musikacts und inspirierende Zeugnisse: Die MEHR-Konferenz 2026 überzeugt mit ihrer Vielseitigkeit. Ein Besuch bei den „hippen Missionaren“ in Augsburg.
13.01.2026, 16 Uhr
Marika Bals
Das neue Jahr beginnt mit dem päpstlichen Segen: Ein Blick hinter die Kulissen der Privataudienz der „Tagespost“ und des „Neuen Anfangs“ bei Papst Leo XIV.
13.01.2026, 15 Uhr
Franziska Harter
Abrechnung mit Franziskus: Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen ließ bei dem Kardinalstreffen in Rom offenbar kein gutes Haar am Synodalen Prozess des verstorbenen Papstes.
13.01.2026, 10 Uhr
Meldung
Die Krippendarstellung in einer Stuttgarter Christmette habe „Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst“ und werfe Fragen nach liturgischer Verantwortung auf.
13.01.2026, 09 Uhr
Meldung