Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Der Libanon muss überleben!

Das christlichste Land der arabischen Welt gerät erneut in die Gefahr, zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz zerrieben zu werden.
Außenpolitikkorrespondent Stephan Baier, Beirut
Foto: DT / IMAGO / ZUMA Press Wire | Werbung für den Papstbesuch im vergangenen Herbst in Beirut. Im Hintergrund ist eine Moschee und eine Kirche zu sehen.

Der Libanon droht neuerlich zum Schauplatz fremder Kriege zu werden. Schon in dem 15-jährigen sogenannten Bürgerkrieg prallten im Land der Zedern die ideologischen und regionalen Interessen benachbarter Mächte aufeinander und beschädigten das mediterran-arabische Land, das zuvor als „Schweiz des Orients“ gegolten hatte. Dieses Horrorszenario droht sich jetzt zu wiederholen, denn Israel nutzt den aktuellen Krieg gegen den Iran, um auch dessen verlängerten Arm im Libanon, die schiitische Hisbollah, auszulöschen. Umgekehrt missbraucht die Hisbollah den libanesischen Staat als Operationsbasis für ihre terroristischen Ziele, die vielleicht den Interessen Teherans, aber keinesfalls jenen des Libanon entsprechen.

Lesen Sie auch:

Der jahrzehntelange Missbrauch des Libanon durch Palästinenser, Syrer, Israelis, Saudis und Iraner hat nicht nur eine korrupte politische Clique hervorgebracht, sondern die libanesische Wirtschaft und Staatlichkeit zerrüttet. Mit der Wahl von Präsident Joseph Aoun begann eine langsame Konsolidierung der politischen Landschaft, die auch Papst Leo XIV. Ende vergangenen Jahres bei seinem Besuch in Beirut würdigte. Doch wenn der militärische Schlagabtausch zwischen Israel und der Hisbollah anhält, wenn Israel gar neuerlich im Libanon einmarschiert und seine Pufferzone ausweitet, dann gerät die libanesische Staatlichkeit in ernste Gefahr.

Aus christlicher Perspektive wäre das eine Katastrophe, denn der Libanon ist der Prüfstein für eine friedliche und konstruktive christlich-islamische Koexistenz auf Augenhöhe. Einst gegründet als das einzige arabische Land mit christlicher Mehrheit, ist das Land der Zedern bis heute ein Proporzsystem, in dem alle politische Macht paritätisch unter Christen, Sunniten und Schiiten aufgeteilt werden muss. Der Anteil der Christen ist hier höher und ihr politischer Einfluss größer als in irgendeinem anderen arabischen Land. Der Bürgerkrieg, die Wirtschaftskrise und mehrere Emigrationswellen haben dieses Konstrukt zwar schwer beschädigt, aber es hat doch irgendwie überlebt. Heute geht es erneut um das Überleben des Libanon, dieser wertvollen Brücke zwischen Europa und dem Orient, diesem Schnittpunkt des christlichen und des islamischen Kulturraumes.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Bürgerkriege Christen Hisbollah Leo XIV.

Weitere Artikel

Nirgendwo in der arabischen Welt spielen die Christen eine größere gesellschaftliche und politische Rolle als im Libanon.
30.11.2025, 13 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Schwester Katharina Ganz wird Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Die Personalie hat nicht nur eine pastorale, sondern auch eine kirchenpolitische Dimension.
15.07.2026, 21 Uhr
Benjamin Leven
Die KHKT verliert ihre Führung: Rektor, Kanzlerin und Geschäftsführer hören auf. Medienspekulationen über die Hintergründe werfen Fragen auf. Die Debatte kommt zur Unzeit.
15.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven Jakob Ranke
Nach den unerlaubten Bischofsweihen legt die Gemeinschaft fristgerecht Rechtsmittel gegen das Exkommunikationsdekret ein. Damit ist die verhängte Strafe vorerst ausgesetzt.
14.07.2026, 13 Uhr
Meldung
Der neue Eichstätter Bischof äußert sich zurückhaltend zum Pflichtzölibat, und wehrt sich gegen Flügelkämpfe. Sein Abstimmen beim Synodalen Weg dürfte für Diskussionen sorgen.
13.07.2026, 15 Uhr
Dorothea Schmidt