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„Das lässt sich nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbaren“

Brosius-Gersdorf, Teil 2? Die stellvertretende Vorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“, Odila Carbanje, sagt: auch bei der Leihmutterschaft dreht sich alles um Art. 1 GG.
Jens Spahn
Foto: IMAGO/M. Popow (www.imago-images.de) | Kein Gefühl für das C: Der nun zurückgetretene CDU-Fraktionschef Jens Spahn.

Wie ist Ihr Eindruck? Beim Fall Brosius-Gersdorf haben Tausende an Abgeordnete geschrieben und ihrem Unmut Luft gemacht. Wiederholt sich das?

Bei Frau Brosius-Gersdorf ging es den vielen Protestlern hauptsächlich um ihre Positionierung zum Lebensschutz, explizit darum, dass sie dem ungeborenen Kind die Würde, die jedem Menschen in Artikel 1 des GG zugesprochen wird, nicht zugestehen wollte. Auch bei dem Fall Spahn dreht sich alles um Artikel 1 GG. Die Würde von Frauen wird bei der Leihmutterschaft mit Füßen getreten und das Kind wird zur Ware. Das lässt sich nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbaren, das die CDU für ihre Politik als Grundlage bezeichnet. Der breiten Basis der Partei sind diese Grundwerte aber noch sehr wichtig. Diese Basis ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Insofern gibt es eine ähnlich große Protestwelle, da der sogenannte Markenkern der CDU in beiden Fällen betroffen ist.

Ist die Art und Weise, wie Jens Spahn agiert hat, symptomatisch für einen Teil der Parteiführung? Gibt es dort überhaupt noch eine Sensibilität für Lebensrechtsfragen?

Auch wenn man oftmals den Eindruck hat, dass das Lebensrecht nicht mehr auf großes Interesse bei der CDU trifft, ist diese Annahme falsch. Es ist der CDU zu verdanken, dass es den Paragrafen 218 StGB überhaupt noch gibt, den die Ampelregierung mit allen Tricks versucht hat, in der vergangenen Legislaturperiode abzuschaffen. Auch heute gibt es solche Versuche, die die CDU bisher mit Erfolg unterbunden hat.

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Wenn Sie im Adenauer-Haus arbeiten würden, was würden Sie jetzt tun, damit die Union verlorenes Vertrauen wieder zurückgewinnt?

Wir würden als Erstes die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen überprüfen lassen wollen. Über 100.000 gemeldete Abtreibungen plus Dunkelziffer können nicht weiter hingenommen werden. Wir würden ein umfassendes Familienförderungsprogramm vorschlagen, mit Schwerpunkt auf Ermutigung zu Kindern und einer echten Wahlfreiheit für Eltern, ihre Kinder auch selbst betreuen zu können. Wir haben die niedrigste Geburtenrate seit dem Zweiten Weltkrieg und trotzdem sind Familien die Leidtragenden der jetzigen Reformen. Auch am Lebensende darf der Staat die Menschen nicht allein lassen. Es ist zutiefst inhuman, die Sterbehilfe als Möglichkeit zu erlauben. Man muss Menschen die Ängste nehmen und sich um sie kümmern. Ein Ausbau der Palliativmedizin würde dazu beitragen.

Die AfD ist sehr darum bemüht, sich als Lebensrechtspartei zu profilieren. Ist sich die Union dieser Gefahr bewusst?

Das muss man die CDU selbst fragen. Aber sie muss die enttäuschten Menschen ernst nehmen, die sich von einer CDU-Regierung einfach eine andere Politik gewünscht haben. Sie sollte auch mehr Flagge zeigen und zum Beispiel zum „Marsch für das Leben“ im September gehen. Ich lade sie dazu auf jeden Fall herzlich ein.

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