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Das Berliner Schloss und das ausgeschlagene Erbe

Cancel culture. Ein Bibelvers an der Schlosskuppel soll überblendet werden. Der Vorwand ist durchsichtig.
Erneute Diskussion um Inschrift an Humboldt-Forum
Foto: Fabian Sommer (dpa) | Mehr als das Kreuz an sich stört manchen jedoch die Inschrift am Kuppelgesims. Es handelt sich um ein historisches Zitat, gold auf preußischblauem Grund, das der preußische König Friedrich Wilhelm IV.

Ein König und ein Schloss – das klingt ein bisschen nach Märchen. Die Causa, die sich um das Berliner Schloss entspinnt, ist aber alles andere als märchenhaft. Eher schon eine Realsatire. Aber der Reihe nach. An der Kuppel des rekonstruierten Berliner Schlosses, in dem jetzt das Humboldt Forum untergebracht ist, prangt ein Schriftzug, der aus Bibelzitaten zusammengesetzt ist und aus der Zeit des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. stammt.

Er lautet: „Es ist kein ander Heil, es ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, daß im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

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Alter Machtanspruch

Für Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) ist der Spruch Ausdruck eines alten monarchischen Machtanspruchs, der sich direkt von Gott ableite. Das passe nicht zu den Aufgaben des Humboldt Forums und stehe auch unseren Vorstellungen von Demokratie entgegen. Deswegen soll der Spruch im Rahmen von Kunst-Projekten überblendet werden. Wie genau diese Überblendung aussehen soll, ist allerdings noch nicht klar.

Dagegen hat sich nun wiederum Widerstand aus der Union formiert. So erklärte etwa der Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreis für Berlin und Brandenburg, Günter Nooke, die Vorbehalte gegen den Schriftzug seien Ausdruck von „Intoleranz gegenüber dem christlichen Glauben sowie den eigenen geschichtlich-kulturellen Wurzeln“.

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Richterin Gegenwart

Der Hang zur Bilder- und Denkmalstürmerei ist nicht neu. Dahinter steht die Vorstellung, man müsse nachträglich alle Zeugnisse aus der Vergangenheit an unseren Zeitgeist anpassen. Diese Haltung offenbart letztlich ein unzureichendes Geschichtsbild.

Anstatt zu begreifen, dass es ja gerade die Unterschiede zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind, die dazu anregen, über Geschichte nachzudenken – ganz im Sinne von „Denk mal“ – , soll alles glattgebügelt werden. Dahinter steht letztlich auch eine Hybris: Die Gegenwart ist besser als die Vergangenheit. Sie darf sich zur Richterin erheben. Es geht nicht mehr darum, die Vergangenheit zu verstehen, sie wird abgeurteilt. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Erbe mutiert so zum Gerichtsverfahren. Man eigentlich nur hoffen, dass unsere Nachfahren bei der Beurteilung unserer Zeit gnädiger verfahren werden. 

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