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Christliche Minderheit nimmt 100.000 Flüchtlinge aus Sudan auf

Tschad gewährt über 100.000 Flüchtlingen Asyl. Die katholische Kirche spielt bei den humanitären Mühen eine zentrale Rolle.
Sudanesische Flüchtlinge in einem Flüchtlingslader in Tschad.
Foto: IMAGO/Joerg Boethling (www.imago-images.de) | Sudanesische Flüchtlinge in einem Flüchtlingslader in Tschad.

Konflikte in der Sahelzone haben hohe Auswirkungen auf den Tschad: Die Flüchtlingszahlen steigen kontinuierlich - viele kommen aus dem Sudan. Trotz der eigenen prekären Lage heißt der Tschad weiterhin Flüchtlinge willkommen und ermöglicht ihnen Asyl. Allein die katholische Kirche in der Region hat mehr als 100 000 Flüchtlinge aufgenommen, die vor den seit Frühjahr 2023 anhaltenden Kämpfen im Nachbarland Sudan geflohen sind. Dabei liegt die Zahl der Christen im Osten des Sahlstattes nur bei etwa 15 000. Das berichtete der Apostolische Vikar von Mongo, Philippe Abbo Chen, dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN): „Das sind größtenteils Kinder, alte Menschen und Frauen. Wir bemühen uns, ihnen mit unseren beschränkten Ressourcen zu helfen, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“  Etwa 60 Prozent der 16,2 Millionen Einwohner Tschads sind Muslime, 35 Prozent sind Christen. Der Tschad gilt, trotz seiner Ölvorkommen, als eines der ärmsten Länder der Welt. Das Land ist von Armut, Konflikten und den Auswirkungen des Klimawandels geprägt und leidet seit 2015 unter einer Wirtschaftskrise. Der Binnenstaat, fünftgrößtes Land Afrikas, ist für viele Flüchtlinge ein Transitland auf dem Weg nach Libyen und die Weiterreise über das Mittelmeer.

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Das Apostolische Vikariat Mongo deckt eine Fläche ab, die in etwa so groß ist wie Frankreich. Die Bevölkerungsdichte sei sehr gering, auf dem riesigen Gebieten lebten rund 1,7 Millionen Menschen – die meisten von ihnen seien muslimischen Glaubens. Christen könnten Gottesdienste und Prozessionen durchführen. Probleme gebe es allerdings dann, wenn ein Muslim zum Christentum konvertiere. Familien hätten mehrfach Gewalt angewendet, um eine Taufe zu verhindern, erklärte Chen. In jüngster Zeit seien junge Imame ins Land gekommen, die im Sudan ausgebildet wurden und eine radikalere Gangart zeigten. „Sie lehnen die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Religionen ab. Das könnte langfristig ein Problem werden.“ Dennoch werde vielerorts christlichen Geistlichen große Hochachtung entgegengebracht, erläuterte der Apostolische Vikar von Mongo. So sei er selbst mehrfach auch von Muslimen als Vermittler bei gewalttätigen Auseinandersetzungen gerufen worden.

„Kirche als Zufluchtsort“

Nach dem Tod des Staatspräsidenten Idriss Déby Itno am 19.04.2021 befindet sich das Land in einer „Autoritätskrise“. Obwohl Muslime und Christen generell gute Beziehungen pflegen, beeinträchtigen Land- und ethnische Konflikte zwischen arabischen und nicht arabischen Gruppen das Zusammenleben. Chen zeigte sich besorgt über die Zukunft des Landes: „Das Bildungswesen bricht zusammen, die Lebensmittelpreise haben sich verdreifacht. In dieser schwierigen Zeit dient unsere Kirche als Zufluchtsort.“ Die christliche Gemeinde wachse, es gäbe hunderte von Taufen. Der Tschad ist umgeben von den Krisenstaaten Libyen, Sudan und der Zentralafrikanischen Republik (ZAR). Wie in der gesamten Region werden im Tschad zunehmend dschihadistische Gruppen wie Boko Haram oder der „Islamische Staat Westafrikanische Provinz“ (ISWAP) aktiv. DT/chp

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