Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vor Präsidentschaftswahlen

Tschad: Oppositionspolitiker Yaya Dillo Djérou getötet

Der Präsidentschaftskandidat starb bei einem Schusswechsel mit tschadischen Sicherheitskräften: Die „Human Rights Watch“ verlangt Aufklärung.
Eine tschadische Flagge weht auf dem «Place de Le Nation» (Platz der Nation) in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena.
Foto: Sunday Alamba (AP) | Eine tschadische Flagge weht auf dem «Place de Le Nation» (Platz der Nation) in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena.

Wenige Monate vor der geplanten Präsidentschaftswahl im Tschad ist der führende Oppositionspolitiker Yaya Dillo bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften getötet worden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verlangt Aufklärung. Die „Tötung eines potenziellen Präsidentschaftskandidaten während eines Angriffs tschadischer Sicherheitskräfte auf das Hauptquartier einer Oppositionspartei“ gebe Anlass zu ernsthafter Sorge vor den für Mai geplanten Wahlen, heißt es in einer Erklärung der Organisation.

Vorwurf: Dillo sei „exekutiert“ worden

Der führende Kritiker der Militärjunta im Tschad war am Mittwoch bei einem  Angriff der Armee auf die Zentrale seiner Sozialistischen Partei ohne Grenzen (PSF) getötet worden. Laut Regierung hatte Dillo sich dort verschanzt und auf Sicherheitskräfte geschossen. Die Oppositionspartei warf der Armee vor, Dillo „exekutiert“ zu haben.

Lesen Sie auch:

Erst am Dienstagabend hatte die Wahlkommission das Datum für die Präsidentenwahl bekanntgegeben - drei Jahre nach der Machtübernahme durch eine Militärregierung. Die erste Wahlrunde soll am 6. Mai stattfinden, neben Staatschef Déby Itno hatte auch Dillo seine Absicht zu kandidieren angekündigt. Déby Itno war im April 2021 im Alter von 37 Jahren von der Armee zum Übergangspräsidenten an der Spitze einer Militärregierung ernannt worden, nachdem sein Vater Idriss Déby Itno von Rebellen getötet worden war. Dieser hatte den Tschad 30 Jahre lang mit harter Hand regiert. Nach Angaben der Vereinten Nationen gehört das Land zu den am wenigsten entwickelten Länder der Welt.

Fast ein Jahr nach Ausbruch des Bürgerkriegs im Sudan benötigt das Nachbarland Tschad dringend mehr humanitäre Hilfe, um das fragile sozioökonomische Umfeld insbesondere in den östlichen Flüchtlingsregionen zu stabilisieren. Obwohl die Zahl der Christen im Osten von Tschad nur bei etwa 15.000 liegt, hat die katholische Kirche in der Region mehr als 100.000 Flüchtlinge aufgenommen, die vor den seit Frühjahr 2023 anhaltenden Kämpfen im Nachbarland Sudan geflohen sind. DT/chp 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Oppositionsführer UNO

Weitere Artikel

Sambias gerade wiedergewählter Präsident Hakainde Hichilema ist anders als seine Amtskollegen: Unternehmer, einer der reichsten Männer des Landes und bekennender Christ.
19.09.2026, 09 Uhr
Michael Gregory
Bei den Duma-Wahlen wird die Staatspartei „Einiges Russland“ siegen, die Konkurrenz wurde fast völlig ausgeschaltet. Trotzdem hat das „elektorale Prozedere“ für das System Putin eine Bedeutung.
19.09.2026, 07 Uhr
Daria Boll-Palievskaya
Unter Frankreichs Jungwählern führt der ultralinke Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon in den Umfragen. Die politische Mitte ist nicht mehr attraktiv.
02.09.2026, 19 Uhr
Benjamin Leven

Kirche

Populismus schlecht, Migration gut? Auf diese Klischees will Bischof Erik Varden sich nicht einlassen. Ein Segen!
28.09.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die katholischen Bischöfe treffen sich zu ihrer traditionellen Herbstversammlung. Die Gesprächsthemen reichen von AfD bis Kirchenreformen. Gewählt werden neue Kommissionsvorsitzende.
28.09.2026, 08 Uhr
Leo XIV. ruft in Lourdes eindringlich zur Umkehr auf. Und verteidigt die Stimme der Kirche im öffentlichen Diskurs des laizistischen Frankreichs.
27.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig