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Buyx fordert eine stärkere und verbesserte Suizidprävention

Vorsitzende des Deutschen Ethikrats erwartet jedoch in Deutschland kein Klima, das Menschen zum Suizid dränge.
Buyx hält Gefahr, dass Geschäftsmodelle „aus dem Boden sprießen“, für gering
Foto: Wolfgang Kumm (dpa)

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, hat sich in der Debatte über die gesetzliche Neuregelung der Beihilfe zum Suizid erneut zu Wort gemeldet. Im „Interview der Woche“ des Südwestrundfunks (SWR) forderte Buyx eine stärkere und verbesserte Prävention. „Das reicht wirklich von Brückendesign und Städtebau über, wie gehen wir mit zunehmender Einsamkeit von Menschen um, gerade auch im höheren Alter bis zu, wie geht man mit Suizidalität in den Medien um und wie kommuniziert man darüber.“

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Der Deutsche Bundestag debattierte derzeit drei unterschiedliche Gesetzentwürfe. Mit einer Entscheidung wird noch in diesem Jahr gerechnet. Nötig wurde diese, weil das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 das im November 2015 vom Parlament mit großer Mehrheit beschlossene Verbot der „Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung“ für verfassungswidrig erklärt und den entsprechenden Strafrechtsparagrafen (§ 217 StGB) für nichtig erklärt hatte.

Buyx hält Gefahr, dass Geschäftsmodelle „aus dem Boden sprießen“, für gering

Im Interview mit dem SWR sagte Buyx, man wisse aus der empirischen Forschung, „dass Suizide tatsächlich ansteckend sein können, in bestimmten, vulnerablen Gruppen“. „Und da sind wir als Gesellschaft auch gefordert. Deswegen ist die Suizidprävention so wichtig, um auch sicherzustellen, dass die Freiverantwortlich auch in dieser Hinsicht gegeben ist, dass eben gerade nicht ein gesellschaftliches Klima entsteht, das einen sozialen Druck ausübt“, so Buyx.

Sie glaube jedoch nicht, „dass wir in Gefahr stehen, abzurutschen in eine Situation, wo auf einmal Geschäftsmodelle aus dem Boden sprießen und viele, viele Menschen sich irgendwie gedrängt sehen, sich zu suizidieren. Aber das ist tatsächlich etwas, worauf wir achten sollten.“

Hegerl: 90 Prozent aller stehen im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen

Zuvor hatte auch die Bundesärztekammer (BÄK) einen stärkeren Fokus auf die Suizidprävention gefordert. Bislang fokussiere sich Debatte „sehr stark auf die Frage der Verwirklichung des Suizidwunsches“, beklagte BÄK-Präsident Klaus Reinhardt bei einer Kammerveranstaltung. Die Gesellschaft müsse auch Wege diskutieren, wie sie Menschen auffange, die etwa unter Depression oder Vereinsamung litten und deshalb über Selbsttötung nachdächten.

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl, verwies darauf, dass 90 Prozent aller Suizide im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen, Schizophrenie und Suchterkrankungen, stünden. Auch wenn die Suizidraten seit den 1990er Jahren insgesamt abgenommen hätten, bleibe eine Stärkung der Suizidprävention durch niedrigschwellige Beratung und ärztliche Hilfe weiterhin dringend nötig. Eine Normalisierung der Suizidbeihilfe berge das Risiko, dass das Tabu der Selbsttötung schwinde und die Zahl der „einsamen Suizide“ steige.  DT/reh

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