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Bringt Trump der Ukraine Frieden?

Das leidgeprüfte Land braucht einen schnellen Frieden, der zugleich stabil ist und die Hoffnung auf Gerechtigkeit nicht erstickt.
Donald Trump trifft Selenskyj in Paris
Foto: IMAGO/PRESIDENT OF UKRAINE \ apaimages (www.imago-images.de) | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte auf Trumps aktuelle Appelle jedenfalls pragmatisch: Er begrüßte Trumps Bemühungen, den Krieg schnell zu beenden.

Trump-Exegese ist ein undankbarer Volkssport. Was der US-Präsident so alles sagt, ist oft mehrdeutig und nicht immer reibungsfrei mit der Wirklichkeit kompatibel. Auch seine vollmundige Ankündigung, den Krieg in der Ukraine binnen 24 Stunden zu beenden (später wurde die Zeitspanne länger), wurde breit gedeutet: putinistisch von der Einstellung jeder Militär- und Finanzhilfe für Kiew, bis hin zum maximalen Druck auf Putin einschließlich atomarer Eskalationsdrohungen. Doch bis zur Stunde weiß niemand wirklich, wie Trump einen Frieden für die Ukraine herbeiführen will. Vermutlich nicht einmal Donald Trump selbst.

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Offenkundig ist nur, dass er eine rasche Einstellung der Kampfhandlungen anstrebt. Dafür hat er auch gutes Argument für den Kriegstreiber Wladimir Putin: „Er sollte eine Einigung erzielen. Ich glaube, er zerstört Russland, indem er keine Einigung trifft (…) Russland wird große Probleme bekommen.“ Völlig richtig! Niemand wird erwarten, dass Putin den Krieg aus Mitleid mit dem ukrainischen Volk, aus Respekt vor dem Völkerrecht oder aus Angst vor neuen Sanktionen einstellt. Aber wenn er noch einen Funken russischen Patriotismus‘ in sich hat, sollte er endlich begreifen, dass er mit diesem sinnlosen, völkerrechtswidrigen Krieg sein eigenes Land ruiniert – ökonomisch, geopolitisch, demografisch und moralisch.

Globale Macht bringt globale Verantwortung

Vielleicht kann der amerikanische Nationalist Trump besser an den russischen Nationalismus Putins appellieren als sein transatlantisch und multilateral tickender Amtsvorgänger Joe Biden. Und vielleicht kann der selbsterklärte „Dealmaker“ Trump auch unbefangener mit dem kalten Imperialisten Putin verhandeln. Jedenfalls hat er – überraschend und schlau – bereits den chinesischen Staatschef Xi Jinping an seine Mitverantwortung erinnert. Korrekte Begründung: „Er hat eine Menge Macht, so wie wir eine Menge Macht haben.“ Dass mit globaler Macht auch globale Verantwortung einhergeht, wäre eine gewinnbringende Erkenntnis.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte auf Trumps aktuelle Appelle jedenfalls pragmatisch: Er begrüßte Trumps Bemühungen, den Krieg schnell zu beenden, und erweiterte die Herausforderung um die Dimension der „Tragfähigkeit“. Tatsächlich braucht die Welt keine Waffenpause, die nur dem Atemholen des Aggressors dient. Die Ukraine und der Rest der Welt brauchen Sicherheit und zumindest die Hoffnung auf Gerechtigkeit.

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