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"Bitte lasst die Radikalität“

Olaf Scholz diskutierte über „Zeitenwende“ und Zusammenhalt in der Gesellschaft mit Irme Stetter-Karp und Nora Bossong. Erst ein Klima-Aktivist brachte Action in die Veranstaltung.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) diskutiert auf dem Podium des Katholikentags in Stuttgart
Foto: IMAGO/Jens Schulze (www.imago-images.de) | Bundeskanzler Olaf Scholz SPD diskutierte auf dem Podium des Katholikentags in Stuttgart über Zeitenwende und Zusammenhalt - Gesellschaft und Politik in unsicheren Zeiten.

Kurz vor Schluss wurde es noch einmal aufregend und Olaf Scholz bekam den stärksten Applaus des ganzen Vormittags: Ein junger Klimaaktivist versuchte die Bühne zu erklimmen, konnte aber gestoppt werden. Der Kanzler hatte gerade darüber gesprochen, wie die verlorenen Arbeitsplätze im Kohle-Tagebau sozialverträglich ersetzt werden könnten. Der Kanzler parierte sofort: Diese immer gleiche Inszenierung kenne er schon, sie erinnere ihn an eine Zeit, „die lange zurück liegt“, bemerkte er offenbar in Anspielung auf die Störaktionen der SA in Weimarer Zeit.

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Leere Sitze

Hier werde versucht, eine Veranstaltung für die eigenen Ziele zu instrumentalisieren. Nora Bossong, die erkennen ließ, dass sie grundsätzlich durchaus mit den Zielen der Klima-Jugend sympathisiert, appellierte an die Aktivisten: „Bitte lasst die Radikalität!“ Denn genau in dem Maße, in dem die Aktivisten sich radikalisierten, lasse auf der anderen Seite die Gesprächsbereitschaft nach.  

Auch dafür gab es viel Beifall in der freilich nicht gerade übervollen Stuttgarter Liederhalle. Die oberen Ränge waren gut besetzt, aber im Parkett waren auch Sitze leer geblieben. Zum Vergleich mit dem Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor vier Jahren beim Katholikentag in Münster: Der Saal war eindeutig voller, auch der Empfang der Regierungschefin stürmischer. Scholz bekam zwar immer wieder freundlichen Beifall. Aber Kanzler der Herzen des Katholikentages ist er noch nicht.

Auf Augenhöhe

Scholz setzte in seinen Ausführungen zwei Schwerpunkte. Einmal – nicht überraschend – den Ukraine-Krieg, dann die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft. Zum ersten Punkt berichtete er vor allem von seiner Afrika-Reise. Es sei wichtig, mit den afrikanischen Staaten auf Augenhöhe zu kommunizieren und das „Putin-Narrativ“ zu widerlegen, dass der „globale Westen“ Schuld an der Hungerkrise trage. Schuld trage ganz alleine Putin, der den Krieg angezettelt habe.

Respektkonzept

Mit Blick auf die Frage nach dem Zusammenhalt in der Gesellschaft, über den die Runde nach dem Willen der Veranstalter ebenfalls diskutieren sollte, referierte Scholz die Kernpunkte seines „Respekt“-Konzeptes, mit dem er schon den Bundestagswahlkampf bestritten hat. Kernbotschaft: Niemand soll sich abgehängt fühlen. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp ging sofort darauf ein und bot Scholz eine Partnerschaft in Wort und Tat an: „Wir sind an Ihrer Seite, wenn es darum geht, Menschen nicht liegen zu lassen.“ Auch dafür Applaus. DT/sesa

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost Berichte über den 102. Katholikentag in Stuttgart.

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