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Auch nach drei Jahrzehnten nicht sicher

Dass iranische Medien das Attentat auf den mit einer Fatwa belegten Schriftsteller Salman Rushdie bejubelten, ist erschütternd. Und es zeigt, wie entrückt vom westlichen Werte-Kanon der Iran ist.
Salman Rushdie - Opfer eines Attentats
Foto: IMAGO/MPI99 / MediaPunch (www.imago-images.de) | Erst allmählich begann Salman Rushdie wieder ein Leben der Freiheit zu führen. Ohne Polizeischutz. Ohne Isolation. Dann wurde er Opfer eines Attentats.

Wie lange ist man vor religiösen Fanatikern sicher? Drei Wochen? Drei Monate? Drei Jahre? Im Falle des britisch-indischen Schriftstellers Salman Rushdie lautet die Antwort 33  Jahre. So viel Zeit liegt zwischen dem Aufruf des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Chomeini im Februar des Jahres 1989 an Muslime, den Schriftsteller zu töten, weil dieser mit dem Roman „Die satanischen Verse“ (1988) den Propheten Mohammed beleidigt habe und der fast geglückten Vollstreckung dieser „Fatwa“ durch einen 24-jährigen Täter in Chautauqua im US-Bundesstaat New York. 33 Jahre, während der sich der 75-Jährige Schriftsteller zunächst an verschiedenen Orten versteckte und permanent unter Polizeischutz stand; erst allmählich begann er wieder ein Leben der Freiheit zu führen. Ohne Polizeischutz. Ohne Isolation. Hauptsächlich in New York.

Wie toxisch religiös zementierte Macht wirken kann

Was insofern überrascht, da weder die „Fatwa“ noch das auf Rushdie ausgesetzte „Kopfgeld“ zurückgenommen wurden. Im Gegenteil: in den vergangenen Jahren stieg es laut Medienberichten auf bis zu vier Millionen Dollar an. Wäre der Attentäter, der Rushdie „schwerwiegende und lebensverändernde Verletzungen“ (O-Ton aus Rushdies Umfeld) zufügte, bei seinem Tun erfolgreich gewesen, er wäre ein reicher Mann. Nun befindet er sich in Untersuchungshaft. Der Jubel der staatlichen iranischen Medien war ihm trotzdem sicher. Was erschütternd ist und zeigt, wie entrückt vom westlichen Werte-Kanon dieses Land immer noch ist. Trotz mancher Zeichen der Öffnung, die westliche Politiker in den vergangenen Jahren sahen. Sehen wollten.

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Tatsächlich zeigt der Fall Rushdie wie toxisch religiös zementierte Macht wirken kann – auch in anderen Ländern. Anderen religiösen Kulturen. Wer sich in Besitz der göttlichen Wahrheit wähnt, kann zum Ungeheuer werden, der dem Leben Andersdenkender oder Ungläubiger kein Lebensrecht mehr entgegenbringt. Verwirkt, wer so agiert, nicht auch das Recht auf Religionsfreiheit? Ein Menschenrecht, durch die Anschauungen anderer nicht verletzt werden zu dürfen, gibt es sowieso nicht, wie Rushdie vor einiger Zeit unterstrich.

Gilt das auch für das Christentum? Sicherlich. Doch einen Unterschied gibt es: kein Papst der Neuzeit ist mit Kriegs- oder Mordaufrufen in Erscheinung getreten. „Fatwa-Christen“ sind in der Kirche nicht am Führungshebel. Trotzdem kann man dafür beten, dass sich das Charisma der Aufklärung weiter ausbreitet und Salman Rushdie schnell gesundet und literarische Wahrheiten weiter auslotet.

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