Washington

Kommunionempfang katholischer Politiker: Planen US-Bischöfe Klarstellung?

Sollte einem katholischen Politiker die Kommunion verweigert werden, wenn er im Lebensschutz nicht die Lehre der Kirche teilt? Die mehrheitlich konservativen Bischöfe sehen das offenbar so. Medienberichten zufolge könnten sie ihren Standpunkt bald in einem Dokument darlegen.

US-Präsident Joe Biden
Joe Biden akzeptiert eigenen Aussagen zufolge die Lehre der katholischen Kirche, wonach menschliches Leben mit dem Zeitpunkt der Empfängnis beginnt. Als Politiker setzt er sich jedoch für straffreie Abtreibungsgesetze ein. Foto: Andrew Harnik (AP)

Im katholischen Amerika wird derzeit darüber diskutiert, ob die US-Bischöfe planen, im Rahmen ihrer Vollversammlung im Juni ein Dokument zu verabschieden, in dem sie empfehlen, katholische Politiker nicht zur Kommunion zuzulassen, wenn sie im Lebensschutz nicht mit der Lehre der Kirche übereinstimmen.

Bidens Präsidentschaft verstärkt Dringlichkeit der Frage

Nachdem zunächst die Nachrichtenagentur „AP“ und die „Washington Post“ darüber berichtet hatten, berief sich die katholische US-Nachrichtenagentur „CNA“ am Donnerstag auf eine „Quelle aus dem Umfeld der Bischofskonferenz“, die die Meldung dementierte. Berichte, wonach die US-Bischöfe katholische Politiker, die Abtreibung befürworteten dazu drängen wollten, die Kommunion nicht zu empfangen, seien unbegründet und würden die Kirchenstruktur ignorieren.

Der von „CNA“ zitierten Quelle zufolge sei aber damit zu rechnen, dass entweder das Komitee für die Kirchenlehre der US-Bischöfe ein „umfassendes Dokument“ vorlegen werde, das sich grundsätzlich mit der Frage der „Tauglichkeit zum Kommunionempfang“ befasse – oder man werde darüber abstimmen, ob bei der darauffolgenden Versammlung im November ein solches Dokument verabschiedet werden solle. 

Zuvor hatten mehrere US-Medien, darunter auch das jesuitische „America Magazine“, darüber berichtet, die US-Bischöfe könnten schon im Juni ein Dokument vorlegen, um darauf hinzuwirken, dass katholische Politiker, die Abtreibungen befürworten, die Kommunion nicht empfangen. Darin sollte der amtierende US-Präsident Joe Biden zwar wohl nicht namentlich genannt werden. Seine Wahl ins höchste Staatsamt und die damit verbundene Aufmerksamkeit, die auch sein katholischer Glaube erfährt, sollen aber bei vielen der mehrheitlich konservativen US-Bischöfe das Gefühl verstärkt haben, ein klärendes Wort von Seiten der amerikanischen Oberhirten sei dringend geboten.

Erzbischof Naumann: Biden muss man zurechtweisen

Joe Biden akzeptiert eigenen Aussagen zufolge die Lehre der katholischen Kirche, wonach menschliches Leben mit dem Zeitpunkt der Empfängnis beginnt. Als Politiker setzt er sich jedoch für straffreie Abtreibungsgesetze ein. Seit Beginn seiner Amtszeit bekräftigte er seinen abtreibungsfreundlichen Kurs.

Joseph Naumann, Erzbischof von Kansas City und Vorsitzender des Lebensschutz-Komitees der US-Bischöfe, bezeichnete solch eine Haltung einer Person im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gegenüber „AP“ als „schweres moralisches Übel“. Er glaube, es sei notwendig, Biden zu dieser Frage öffentlich zurechtzuweisen. „Dass Präsident Biden Katholik ist, stellt uns vor ein einzigartiges Problem“, äußerte sich Naumann und ergänzte, es könne unter den Gläubigen Verwirrung entstehen. „Wie kann er sagen, dass er ein gläubiger Katholik ist und diese Dinge tun, die im Gegensatz zur Lehre der Kirche stehen?“

Sollten die US-Bischöfe tatsächlich ein Dokument hinsichtlich der Frage der Kommunionzulassung katholischer Politiker veröffentlichen, die Abtreibungen befürworten, würde dies zwar deren Standpunkt untermauern. Die Bischöfe könnten jedoch nur eine Empfehlung abgeben, nicht aber konkrete Handlungsanweisungen erteilen oder gar verbieten, dass solchen Politikern die Kommunion gespendet werde.

Die Entscheidung im einzelnen Fall würde weiterhin in den Händen des einzelnen Bischofs oder Pfarrers liegen, dem sich Biden oder andere Politiker zum Kommunionempfang präsentieren. Der Washingtoner Erzbischof Wilton Gregory beispielsweise stellte in der Vergangenheit bereits klar, dass er dem US-Präsidenten die Kommunion nicht verweigern werde.  DT/mlu

Lesen Sie einen auführlichen Hintergrund zur Bilanz des amtierenden US-Präsidenten Joe Biden in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Jetzt gratis erhalten!