Kommentar um "5 vor 12"

Die CDU und der Feind-in meinem-Bett-Effekt

Statt sich auf einen gemeinsamen Wahlkampf zu konzentrieren, verstricken sich Repräsentanten der unterschiedlichen Unionsflügel in interne Scharmützel. Jüngstes Beispiel: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien.
Wahlkampf - CDU-Zukunftsteam
Foto: Christoph Soeder (dpa) | Karin Prien, schleswig-holsteinische Bildungsministerin, spricht neben Armin Laschet. Wenn sie in Südthüringen leben würde, so Prien, stünde sie in der Versuchung, ihre Stimme anstatt Hans-Georg Maaßen dem ...

Feind, Todfeind, Parteifreund – bisher war dieser Spruch, bei aller Wahrheit, die schon immer in ihm lag, doch eher für das Rumkalauern am politischen Stammtisch reserviert. Mit Blick auf die aktuelle Situation der Union bekommt er aber nun eine neue analytische Qualität. Was ist geschehen? Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien, die auch zum Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Armin Laschet gehört, deutete in der Talkshow von Markus Lanz an, dass sie, wenn sie in Südthüringen leben würde, wo Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen für ihre Partei antritt, in der Versuchung stehen würde, ihre Stimme dem SPD-Konkurrenten zu geben.

Die Umfragewerte sinken weiter

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Auf eine entsprechende Frage von Talkmaster Lanz sagte sie, sie sei von Leistungssportlern schon immer fasziniert gewesen. Maaßens SPD-Konkurrent Frank Ullrich war früher Trainer der deutschen Biathleten. Maaßen hat inzwischen zurückgekeilt und den Ausschluss von Prien aus dem Laschet-Team gefordert. Er sei erschüttert über diese Aussage, weil Prien hier in der aktuell so schwierigen Lage der Union im Wahlkampf ihrer Partei schade, erklärte er gegenüber der „Bild-Zeitung“.

Die Umfragewerte für Partei wie Kandidat sinken weiter, je nach Institut in unterschiedlicher Stärke, und die Union hat mit dem „Feind-in meinem-Bett“-Effekt zu kämpfen. Der Wähler muss den Eindruck bekommen, offenbar befinden sich die eigentlichen politischen Gegner für manche Christdemokraten nicht bei der Konkurrenz, sondern in der eigenen Partei.

Für die Medien ist das ein gefundenes Fressen. Genüsslich wird jeder Tweet, jedes Posting in den Sozialen Medien zu der Causa aufgespießt und zitiert. So mobilisiert man nicht die Wähler, sondern eine kritische Öffentlichkeit, die sowieso schon seit Wochen mit einer Art von faszinierter Häme beobachtet, wie die Union sich selbst zerlegt. Einen gewissen Unterhaltungswerte kann man diesen Vorgängen ja auch nicht absprechen.

Sie hätte zum "Sternchen" der Konservativen werden können

Dabei hatte Prien, die zu den führenden Repräsentanten der sogenannten „Union der Mitte“ gehört hatte, in der sich glühende Verfechter des Merkel-Kurses versammelt hatten, durchaus einen guten Einstand nach ihrer Berufung in das Laschet-Team gehabt. Sie hatte einen Erlass angekündigt, mit dem in ihrem Bundesland an den Schulen die Verwendung der „Gender-Sprache“ verboten werden solle. Auch hatte sich schon vor einigen Monaten die „Union der Mitte“ aufgelöst mit der Begründung, man wolle der Lager-Bildung in der Partei nicht weiter Vorschub leisten. Die Merkelianerin Prien hatte also durchaus Potential, wenn auch nicht zum Star, so doch zumindest zum „Sternchen“ bei der eigenen konservativen Stammwählerklientel zu werden. Das ist jetzt vorbei. Was sie rechts aufgebaut hatte, hat sie nun links wieder eingerissen.

Was wird Laschet machen, dem seine Fans ja gerne das Attribut „Brückenbauer“ zuerkennen? Um Brücken bauen zu können, braucht man einen Konstruktionsplan. Die Hoffnung, dass so ein Plan in irgendeiner Schublade im Berliner Adenauer-Haus noch liegen könnte, schwindet immer mehr. Die Devise lautet wohl: Einfach irgendwie weiter durchwursteln, vielleicht versendet sich doch alles. In drei Wochen wird die Union die Quittung bekommen.

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11.08.2021, 17  Uhr
Sebastian Sasse
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