Osnabrück

AfD kritisiert Haltung der Kirchen zu Familienplanung

Die katholische Kirche behindere Fortschritte im Bereich der selbstbestimmten Fortpflanzung und Sexualität, so der afrikapolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Im Hinblick auf das Bevölkerungswachstum in Afrika übt er auch Kritik an den westlichen Akteuren.

AfD-Politiker Dietmar Friedhoff
„Der Vatikan lehnt immer noch jegliche Form der modernen Familienplanung vehement ab“, beklagte der afrikapolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Dietmar Friedhoff. Foto: Wolfgang Kumm (dpa)

Die AfD hat die Haltung der Kirchen zu Fortpflanzung und Familienplanung kritisiert. Von den Kirchen fordert Friedhoff mehr Verantwortungsbewusstsein. Gerade die katholische Kirche behindere Fortschritte im Bereich der selbstbestimmten Fortpflanzung und Sexualität, erklärte der afrikapolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Dietmar Friedhoff, im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

"Die Lehrmeinung des Heiligen Stuhls
in wenig entwickelten Ländern
hat immer noch starkes Gewicht"
Dietmar Friedhoff, afrikapolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion

„Der Vatikan lehnt immer noch jegliche Form der modernen Familienplanung vehement ab“, beklagte der AfD-Politiker. „Und die Lehrmeinung des Heiligen Stuhls in wenig entwickelten Ländern hat immer noch starkes Gewicht.“ Gleichzeitig sprach sich der 53-Jährige „strikt gegen jede Form von Abtreibung“ aus. Friedhoff äußerte sich anlässlich der an diesem Dienstag beginnenden Weltbevölkerungskonferenz in Nairobi.

Die Maßnahmen zur Begrenzung des weltweiten Bevölkerungswachstums seien unzureichend, so der AfD-Bundestagsabgeordnete weiter. „Auch nach 60 Jahren Entwicklungspolitik und dem Einsatz von circa zwei Billionen Dollar ist man im Wesentlichen keinen Schritt vorangekommen.“ Die Verdoppelung der afrikanischen Bevölkerung bis 2050 werde in den westlichen Industrienationen bestenfalls zur Kenntnis genommen.

Auswirkungen auf die gesellschaftspolitische Situation in Europa

Friedhoff warnte auch vor den Auswirkungen des afrikanischen Bevölkerungswachstums auf die gesellschaftspolitische Situation in Europa. „Sollten sich in Zukunft nur zehn Prozent von den Binnenvertriebenen innerhalb Afrikas auf den Weg nach Europa begeben, „würden unsere Systeme hier kollabieren“.

Nach Ansicht des AfD-Politikers müssten vorhandene und verwendete Mittel „effektiver, zielgerichteter und kontrollierter“ eingesetzt werden. Projekte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit seien selbstverständlich an „ernsthafte Familienplanungsmaßnahmen in Afrika“ zu koppeln. Darüber hinaus kritisierte Friedhoff, dass eine Vielzahl von staatlichen, nichtstaatlichen und internationalen Akteuren ohne eine Gesamtkoordination in der derzeitigen Entwicklungshilfe tätig seien. Dies könne nicht zum Erfolg führen.

"Grob fahrlässig“, nur in Bildung zu investieren

Zudem halte er es für „grob fahrlässig“, nur in Bildung zu investieren, ohne die Gesamtsituation im Blick zu haben, so Friedhoff. „Wir müssen unsere Hilfe zurückfahren, um die dadurch geschaffenen künstlichen Systeme in Afrika zu beenden.“ Seine Partei strebe eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten unter der Voraussetzung an, dass diese auch Selbstverantwortung für sich und ihre Bürger übernehmen würden.

DT/mlu

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