Aachen

Gastkommentar: Wir und Afrika

Clemens Tönnies' Aussagen über "die Afrikaner" zeigen vor allem eins: Verbreitete Stereotype, die eigene Fehler und echte Probleme verschleiern.

Herrn Tönnies' Aussagen über „die Afrikaner“ sind zweifellos von rassistischen Stereotypen geprägt. Er hat mitnichten reale Probleme angesprochen, sondern einfältige, aber offenbar sehr verbreitete Kausalketten konstruiert, die genau diese Probleme Afrikas und ihre Ursachen verschleiern, statt sie ernsthaft zum Thema zu machen.

Ja, der zentralafrikanische Regenwald schwindet rapide – aber nicht wegen fehlender Kraftwerke, sondern wegen anhaltendem Holzeinschlag, insbesondere für den europäischen Markt, wegen vordringender Plantagenwirtschaft, erneut für den europäischen Markt und wegen der Ausbeutung von Rohstoffvorkommen – für wen auch hier, Sie ahnen es: den europäischen Markt. Bei dem ausgestreckten Zeigefinger auf die als dumm dargestellten Afrikaner weisen die übrigen vier Finger dieser Hand massiv auf den Absender dieser Botschaft – fassen wir uns also getrost an unsere arrogante eigene Nase!

Ebenso unerträglich ist es, die Frage des Bevölkerungswachstums in Afrika auf die angebliche Triebhaftigkeit seiner Bewohnerinnen und Bewohner zurückzuführen. Jeder Kenner Afrikas weiß, dass die Geburtenzahlen der Frauen zentral vom Stand ihrer Rechte, ihren Zugängen zu Bildung, Informationen über Möglichkeiten der Familienplanung und funktionierende Gesundheitsversorgung sowie ihrer ökonomischen Lage abhängen. Nur durch wachsende Einkommen, gebildete und selbstbewusste Mädchen und Frauen und staatliche Grunddienste in verantwortungsvoll regierten Staaten ergeben sich sinkende Kinderzahlen.

Und schließlich: Gemessen an unserem steigenden Pro-Kopf-Verbrauch der Ressourcen dieser Erde belasten gerade wir hier unser Ökosystem ungleich viel mehr als die Afrikanerinnen und Afrikaner – auch das gehört auf den Tisch, wenn wir ernsthaft über Überbevölkerung auf dem Globus reden wollen!

Der Autor Martin Bröckelmann-Simon ist als Geschäftsführer von Misereor verantwortlich für den Bereich Internationale Zusammenarbeit

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Martin Bröckelmann-Simon Rassismus Überbevölkerung

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