Die religionspolitische Sprecherin der AfD-Bundestagsfraktion, Nicole Höchst, hat in einem am Sonntag auf der Plattform „X“ veröffentlichten „offenen Brief“ an den Passauer Bischof Stefan Oster ablehnend auf dessen Aussagen im Interview mit der „Tagespost“ reagiert. Unter anderem hatte Oster gegenüber dieser Zeitung gesagt, manche Vertreter der Rechten propagierten „eine fragwürdige Reinhaltung von eigener Kultur und Ethnie“, zudem halte er dabei die „innere Verschränkung von Ethnie und aus ihr herauswachsender Kultur“ für problematisch. Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund würden „als Bedrohung wahrgenommen und deswegen immer wieder mit einer Sprache der Verachtung, der Kriminalisierung, der Geringschätzung bedacht.“ Das passe nicht zur christlichen Überzeugung, dass „jeder Mensch Würde hat und Kind Gottes ist“.
Darüber hinaus hatte Oster festgestellt, die AfD habe sich „immer mehr radikalisiert“, Schlagworte wie „Remigration“ seien „völlig salonfähig geworden“. Höchst wendet dagegen ein, „Remigration“ bezeichne „nach den einschlägigen Positionspapieren der AfD … die konsequente Durchsetzung geltenden Rechts: die Rückführung vollziehbar ausreisepflichtiger Personen, insbesondere abgelehnter Asylbewerber, Straftäter und Gefährder.“ Eine Aberkennung der Staatsbürgerschaft aufgrund ethnischer Kriterien oder eine „Reinhaltung“ im rassistischen Sinne sei davon „ausdrücklich nicht umfasst“. Es gehe um Rechtsstaatlichkeit, nicht um ethnische Kategorien.
Auch Osters Kritik am Motiv der Bewahrung kultureller Identität – wie Höchst schreibt, „als vermeintlich ‚völkisch‘“ – greife zu kurz. Allerdings hatte der Passauer Bischof sich auch ganz generell dagegen ausgesprochen, „nur noch die Fassade eines ‚christlichen Abendlandes‘“ bewahren zu wollen. Er wolle gar nicht, dass alles so bleibe, „wie es vielleicht in unserer Kindheit war“. Stattdessen sollten Christen sich wünschen, dass alle Menschen Jesus kennenlernen, und bräuchten dann auch keine Angst haben, wenn Menschen aus anderen Kulturen kämen.
Dessen ungeachtet schreibt Höchst in Bezug auf die Migrationspolitik, die katholische Soziallehre kenne „neben der universalen Menschenwürde auch Prinzipien wie Subsidiarität, Gemeinwohlorientierung und die legitime Bindung des Menschen an seine konkrete Lebensordnung – Familie, Gemeinde und Heimat.“ Die Tradition spreche auch von „einer geordneten Nächstenliebe (ordo caritatis)“; Verantwortung beginne „nicht abstrakt und grenzenlos, sondern konkret und abgestuft“. Daraus folge keine Geringschätzung anderer, „wohl aber die Pflicht, das eigene Gemeinwesen nicht zu überfordern.“
Viele gläubige Katholiken erlebten die derzeitige Migrationspolitik „nicht als Ausdruck gelingender Nächstenliebe, sondern als Spannungsfeld zwischen moralischem Anspruch und praktischer Überforderung.“ Sie sorgten sich um die Stabilität des Gemeinwesens, um die Integrationsfähigkeit unseres Landes und um den sozialen Frieden, so Höchst. Und weiter: „Wenn solche Sorgen vorschnell als moralisch defizitär eingeordnet werden, entsteht der Eindruck, dass die Kirche die Lebenswirklichkeit vieler ihrer Gläubigen nicht mehr hinreichend wahrnimmt.“ Sie lade daher Oster ein, „neben der unverzichtbaren theologischen Perspektive auch die empirischen Befunde stärker in den Blick zu nehmen und beide Ebenen miteinander zu verbinden“. (DT/jra)
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