Lebensrecht

"Abtreibung ist die Sklaverei des 21. Jahrhunderts"

„One of Us“-Präsident Jaime Mayor Oreja stellt eine auf der Grundlage des Lebensschutzes basierende Alternative zu den derzeit herrschenden Vorstellungen in der Europäischen Union vor.
Jaime Mayor Oreja
Foto: Julien Warnand (EPA) | Mayor Oreja übte auf der Versammlung von One of us scharfe Kritik an der Entwicklung Europas im Hinblick auf die Themen mit Gender, Transgenderismus und Transhumanismus.

Aus dem Ukrainekrieg könne laut Jaime Mayor Oreja, ehemaligem Innenminister von Spanien, „die Lehre gezogen werden“, dass Europa „auf dem Weg ins Nichts“ sei. Es fliehe vor der Wahrheit „wie vor der Pest“ als Folge einer „krankhaften Obsession, die menschliche Natur neu zu erfinden. Dafür haben wir uns mit Gender, Transgenderismus und Transhumanismus beschäftigt, also mit Lügen, weshalb wir die Wahrheit vergessen haben.“

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Kulturelle Alternative

Der „One-of-Us“-Präsident hielt den Hauptvortrag beim Jahreskongress der europäischen Initiative „One of Us – Einer von uns“ unter dem Motto „Für unsere Zukunft: Ein der Menschenwürde treues Europa“, der am Samstag in Brüssel stattfand. Der Zeitpunkt war gewählt worden, weil die europäischen Institutionen am 9. Mai 2021 eine einjährige „Reflexion über die Zukunft Europas“ eingeleitet hatten, die am 9. Mai 2022 abgeschlossen wird.

Mayor Oreja möchte „eine kulturelle Alternative für die Zukunft Europas vorstellen, die seinen christlichen Grundlagen treu ist“. Im Unterschied zu den derzeitigen Vorstellungen aus der Europäischen Union stütze sich diese Alternative auf die „notwendige Verteidigung unserer Zivilisation und der für unsere Unabhängigkeit erforderlichen Energiesicherheit, vor allem aber der moralischen und religiösen Dimension Europas, unserer Zivilisation.“

Von einer Mode befreien

Das ehemalige Mitglied des Europäischen Parlaments schlägt eine „Berichtigung, eine Erneuerung der Union“ vor, um nicht Teil eines „komplizenhaften Schweigens“ mit dem vom Mainstream angetriebenen Prozess zu werden: „Wir müssen in der Lage sein, eine globale kulturelle Alternative vorzuschlagen, die auf dem Lebensschutz basiert und in der Lage ist, die Europäer von einer beherrschenden Mode zu befreien, wie wir es – wie sich Rémi Brague ausdrückt – vor Jahrhunderten angesichts der Sklaverei getan haben“. Es gehe nicht darum, Wahlen zu gewinnen oder Macht zu erlangen, sondern darum, die Fundamente zu verteidigen. „Wir ernten nicht, wir säen“. Europa brauche „unsere Überzeugung von den christlichen Grundlagen unserer Zivilisation in einem kritischen, entscheidenden und entscheidenden Moment“.

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Im Gespräch mit Journalisten bewertete Mayor Oreja die mögliche Änderung in der Abtreibungs-Rechtsprechung des Obersten US-Gerichtshofs auf der Grundlage des kürzlich durchgestochenen Textes als „Bestätigung, dass die Debatte über das Leben nicht tot ist“. Die Kultur des Lebens sei „ein Kampf, der nicht verloren werden darf, denn Abtreibung ist die Sklaverei des 21. Jahrhunderts. So wie die Sklaverei eine Last war, die am Ende besiegt wurde, wird die Abtreibung besiegt werden“.

Kritik an Macron

Der ehemalige spanische Innenminister kritisierte ebenfalls Macrons Bestrebung, die Abtreibung auf europäischer Ebene zu einem Grundrecht zu machen. „Die Absicht ist pervers. Im Grunde soll damit gesagt werden, dass Europa heute nicht mehr christlich sei“. Abtreibung mit einem europäischen Grundrecht gleichsetzen zu wollen, sei „Selbstmord, eine große Lüge. Deshalb müssen wir alle möglichen Instrumente einsetzen, um zu verhindern, dass sie Wirklichkeit wird“. Statt dadurch Europa zu spalten, brauche es zurzeit „eine Versöhnung der Werte“. DT/jga

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